Deutsche Tageszeitung - Merkel nennt Entwicklung an östlichen EU-Außengrenzen "besorgniserregend"

Merkel nennt Entwicklung an östlichen EU-Außengrenzen "besorgniserregend"


Merkel nennt Entwicklung an östlichen EU-Außengrenzen "besorgniserregend"
Merkel nennt Entwicklung an östlichen EU-Außengrenzen "besorgniserregend" / Foto: ©

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei ihrem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Berlin die "besorgniserregenden Entwicklungen" in den Beziehungen zu Russland und an den Außengrenzen der EU betont. Angesichts des russischen Truppenaufmarsches an der ukrainischen Grenze und der Flüchtlingskrise an der belarussischen Grenze zu Polen, Lettland und Litauen bestehe "Diskussionsbedarf", sagte Merkel am Freitag, bevor sie sich mit Stoltenberg zu Gesprächen zurückzog.

Textgröße ändern:

Sie habe sich während ihrer Amtszeit immer "für einen Dialog zwischen der Nato und Russland eingesetzt", sagte Merkel. "Leider ist da im Augenblick eine Abkühlung eingetreten." Es sei dennoch "immer besser, miteinander zu sprechen als nicht zu sprechen".

Stoltenberg äußerte sich mit Blick auf den russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine ebenfalls besorgt. Die Nato-Partner und die Kiew werfen Russland vor, Spannungen zu schüren und womöglich sogar einen Einmarsch in die Ukraine vorzubereiten. Die Situation werde beobachtet und "politische und praktische Unterstützung für die Ukraine" seitens der Nato bereitgestellt, sagte Stoltenberg.

Bereits im März hatte Russland bei einem massiven Truppenaufmarsch tausende Soldaten, schwere Militärausrüstung, Marineschiffe und Luftwaffenflugzeuge nahe der ukrainischen Grenze und in der Region der annektierten Krim-Halbinsel zusammengezogen. Nach Wochen erklärte Moskau das angebliche Manöver schließlich für beendet und zog seine Soldaten wieder ab.

Nach Angaben aus Kiew hat Russland nun erneut 114.000 Soldaten im Osten der Ukraine zusammengezogen. Auf der annektierten Halbinsel Krim seien rund 32.000 Kräfte stationiert.

Die ukrainische Armee kämpft seit der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 gegen pro-russische Separatisten im Osten des Landes. Der Westen wirft Russland vor, die Separatisten militärisch zu unterstützen, was Moskau bestreitet.

Auch zur Flüchtlingskrise an den EU-Außengrenzen mit Belarus äußerte sich Stoltenberg: Er verurteilte das "unmenschliche" Verhalten der belarussischen Führung, die "unschuldige Menschen" benutze. Tausende Menschen zum Großteil aus dem Nahen Osten, darunter viele Kurden aus dem Irak, sitzen derzeit in Belarus bei eisigen Temperaturen vor allem an der Grenze zum EU-Mitgliedstaat Polen fest. Brüssel wirft dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vor, absichtlich Flüchtlinge an die EU-Grenze zu schleusen, um Vergeltung für Sanktionsbeschlüsse der Europäer zu üben.

Der Nato-Generalsekretär richtete bei dem wohl letzten Aufeinandertreffen mit Merkel in ihrer Funktion als Bundeskanzlerin auch dankende Worte an sie. "Sie haben dazu beigetragen, dass die Welt eine bessere geworden ist", sagte Stoltenberg sichtlich gerührt. Die Nato brauche auch in Zukunft ein "starkes Deutschland", appellierte er an die künftige Bundesregierung.

Bei einer Rede auf einer Veranstaltung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und der Bundesakademie für Sicherheitspolitik hatte er zuvor das kommende Kabinett dazu aufgerufen, eine führende Rolle bei der Stärkung der Nato einzunehmen. "Deutschland trägt eine besondere Verantwortung dafür, dass die Nato stark bleibt", sagte er. Der einzige Weg dabei sei, mehr Geld in Verteidigung zu investieren.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Unionsfraktion kritisiert Renten-Vorstoß der Ost-Ministerpräsidenten

Die Forderung der ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten nach einer Beibehaltung des früheren Renteneintritts für langjährig Versicherte stößt auf Widerspruch in der Bundes-CDU. "Am Grundsatz der Abschaffung der Rente nach 45 Beitragsjahren darf nicht gerüttelt werden", sagte Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) der "Rheinischen Post" nach Angaben vom Freitag. Die Forderung nach Abschaffung sei Teil des "sehr ausgewogenen Gesamtpakets" der Rentenkommission, das in Gänze umgesetzt werden müsse.

Israelische Armee führt Sprengungen nahe eingenommener Burg Beaufort im Libanon aus

Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge eine Reihe von Sprengungen nahe der mittelalterlichen Kreuzfahrerburg Beaufort im Süden des Libanon ausgeführt. Mit rund 700 Tonnen Sprengstoff habe die Armee "Terror-Tunnel im Gebiet von Beaufort" zerstört, gaben der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz in einer gemeinsamen Erklärung am Freitag bekannt. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete von "sehr starken Explosionen" nahe der Festung.

Zahl der Abschiebungen im ersten Halbjahr sinkt im Jahresvergleich

In der ersten Hälfte des laufenden Jahres sind weniger Migranten in ihre Heimatländer abgeschoben worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Bundesinnenministerium bezifferte die Zahl der Abschiebungen von Jahresbeginn bis Ende Juni auf insgesamt 9663; im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 11.807 gewesen. Das CSU-geführte Ministerium nannte die Zahlen in der Antwort auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Leif-Erik Holm, die der Nachrichtenagentur AFP am Freitag vorlag.

Polizeikreise: 40.000 Migranten haben Grenze zwischen Marokko und Ceuta gestürmt

Rund 40.000 Migranten haben nach Angaben aus Polizeikreisen in den vergangenen Tagen die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika gestürmt. Die Ankunft von Migranten aus Marokko dauerte auch am Freitagmorgen an, wie es aus Polizeikreisen in Ceuta hieß. Insgesamt 18 Migranten seien bisher beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen. Es ist die größte Zahl von nach Ceuta gekommenen Migranten seit 2021.

Textgröße ändern: