Deutsche Tageszeitung - Akademie Leopoldina empfiehlt sofortige Kontaktbeschränkungen

Akademie Leopoldina empfiehlt sofortige Kontaktbeschränkungen


Akademie Leopoldina empfiehlt sofortige Kontaktbeschränkungen
Akademie Leopoldina empfiehlt sofortige Kontaktbeschränkungen / Foto: ©

Die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina hält sofortige Kontaktbeschränkungen für erforderlich, um eine weitere Zuspitzung der Corona-Pandemie abzuwenden. Die rasante Ausbreitung der Corona-Ansteckungen mache "ein sofortiges Gegensteuern dringend erforderlich", heißt es in einer am Samstag vorgelegten Stellungnahme. Darin sprechen sich die Fachleute auch für die stufenweise Einführung einer Corona-Impfpflicht aus. Zusätzliche Sorge bereitet die Ausbreitung der Virusvariante Omikron: Möglicherweise brachte ein Reiserückkehrer aus Südafrika die Mutante bereits vor mehreren Tagen nach Deutschland.

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Die Leopoldina fasste ihre Empfehlungen in einem Papier unter der Überschrift "Klare und konsequente Maßnahmen – sofort!" zusammen. "Es ist zu befürchten, dass Teile der Politik und Öffentlichkeit die Dramatik der Situation nicht in ihrem vollen Ausmaß erfassen", schreiben die Fachleute.

"Unmittelbar wirksam ist es aus medizinischer und epidemiologischer Sicht, die Kontakte von Beginn der kommenden Woche an für wenige Wochen deutlich zu reduzieren", heißt es in dem Papier. Diese Maßnahmen müssten "vorübergehend auch für Geimpfte und Genesene gelten, die in dieser Zeit eine Auffrischungsimpfung erhalten müssen".

Als eine etwas mildere Option schlägt die Leopoldina eine "strikte, kontrollierte und sanktionierte 2G-Regelung" ohne Kontaktbeschränkungen vor - dies wäre aber "weniger effektiv", heißt es in der Stellungnahme. Bei dieser Option müsse "mit einem längeren Verlauf der vierten Welle und einer erhöhten Zahl von Todesopfern gerechnet werden".

Die zwölf Autorinnen und Autoren - unter ihnen Leopoldina-Präsident Gerald Haug und der Virologe Christian Drosten - fordern zudem eine allgemeine Impfpflicht. Um die Impfquote zu steigern, müssten "Ungeimpfte motiviert oder in die Pflicht genommen werden", heißt es in dem Papier. Diese Pflicht müsse zunächst "berufsbezogen" in den Bereichen Medizin und Pflege eingeführt werden.

Für die Schulen schlagen die Leopoldina-Fachleute eine "ausnahmslose Maskenpflicht für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler" vor. Die Weihnachtsferien sollten vorgezogen werden.

Kritik übte die Akademie an den von den Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP durchgesetzten Änderungen am Infektionsschutzgesetz, die manche Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung erschwerten: Das "schwerwiegendste Defizit" bestehe darin, "dass keine Kriterien (Inzidenzwerte oder ähnliches) mehr aufgeführt sind, wann die Länder bestimmte Maßnahmen ergreifen dürfen oder müssen".

Die Debatte in der Politik über eine allgemeine Impfpflicht ging weiter. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekräftigte bei einer Digital-Veranstaltung seines Ministeriums seine Skepsis. Er schlug vor, vielmehr eine strenge 2G-Regelung bis Ende kommenden Jahres in Deutschland durchzusetzen - auch dann, wenn die derzeitige Infektionswelle vorüber ist.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz wollte mit Blick auf eine Impfpflicht nichts ausschließen. Auf dem Juso-Bundeskongress in Frankfurt sprach er von "neuen dramatischen Herausforderungen". FDP-Generalsekretär Volker Wissing sagte dem Bayerischen Rundfunk, wenn es jetzt nicht gelinge, das Virus in den Griff zu bekommen, müsse eine allgemeine Impfpflicht erwogen werden.

Die Furcht vor einer Ausbreitung der möglicherweise besonders gefährlichen Omikron-Variante des Coronavirus ließ die Sorgen weiter wachsen. Ein mutmaßlich mit der Variante infizierter deutscher Reiserückkehrer aus Südafrika war bereits am vergangenen Sonntag über den Flughafen Frankfurt eingereist, wie das hessische Sozialministerium mitteilte. Das Ergebnis der vollständigen Sequenzierung stehe noch aus; es werde in den nächsten Tagen erwartet.

Angesichts der Ausbreitung der Virusvariante Omikron riefen Wissenschaftler und Politiker dringend zu Corona-Impfungen auf. "Alle Menschen, die sich impfen lassen, fangen nicht bei Null an, wenn sie einer neuen Variante begegnen", sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. Geimpfte hätten schon einen "gewissen Impfschutz" gegenüber neuen Corona-Varianten, auch wenn der Grad der Wirksamkeit der Impfstoffe gegenüber Omikron derzeit noch nicht klar sei.

(S.A.Dudajev--DTZ)

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