Deutsche Tageszeitung - "Ruhender Pol" und "Stimme der Vernunft" - Viel Lob für Merkel zum Abschied

"Ruhender Pol" und "Stimme der Vernunft" - Viel Lob für Merkel zum Abschied


"Ruhender Pol" und "Stimme der Vernunft" -  Viel Lob für Merkel zum Abschied
"Ruhender Pol" und "Stimme der Vernunft" - Viel Lob für Merkel zum Abschied / Foto: ©

Die Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU) neigt sich dem Ende entgegen - kurz vor der offiziellen Verabschiedung durch die Bundeswehr würdigen nun viele aktuelle und frühere Weggefährten die langjährige Regierungschefin. "Sie war eine ruhige Stimme der Vernunft, die wir in Europa noch vermissen werden", sagte der frühere EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Donnerstag.

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Merkels größtes Verdienst nach 16 Jahren im Amt sei, dass sie "Europa endgültig zu einem wichtigen Teil deutscher Staatsräson gemacht" habe, sagte Juncker. "Nach Merkel wird es sich kein deutscher Bundeskanzler mehr erlauben können, nicht pro-europäisch eingestellt zu sein."

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nannte das bevorstehende Ende der Ära Merkel "eine Zäsur". Die Kanzlerin habe "die politische Entwicklung unseres Landes in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts wie keine zweite Persönlichkeit beeinflusst und geprägt", erklärte Haseloff in Magdeburg.

Merkels "unprätentiöse Art" sei "sehr wohltuend" gewesen, lobte der Ministerpräsident. "Auch in stürmischen Zeiten war sie ein ruhender Pol."

"Angela Merkel hatte immer ein offenes Ohr für die Probleme des Ostens", fügte Haseloff hinzu. "Sie hat sich entschlossen und tatkräftig für die Belange der Menschen im Osten eingesetzt."

Auch der bisherige Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), würdigte Merkels Verdienste in diesem Bereich. "Es ist eine historische Anomalie, dass es eine Ostdeutsche wenige Jahre nach der Wiedervereinigung an die Spitze geschafft hat und solange geblieben ist“, sagte er den RND-Zeitungen. Bei der Förderung Ostdeutschlands habe Merkels Credo wie auch sonst gelautet, "weniger reden, mehr tun", sagte Wanderwitz. "Damit hat sie viel erreicht."

Merkels früherer außenpolitischer Berater Christoph Heusgen berichtete, er habe in seiner Zeit im Kanzleramt erlebt, "wie sie zwölf Jahre lang von morgens bis abends voller Energie, mit Fleiß und Hingabe alles für ihr Amt gegeben hat - wenn sie sich mal einen halben Tag die Woche gönnte, war das viel".

Er habe "niemand anderen erlebt, der über einen so langen Zeitraum so viel gearbeitet hat", sagte Heusgen der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" weiter. Für Merkels Mitarbeiter sei dies "eine körperliche Herausforderung" gewesen: "Es war immer wieder unglaublich zu sehen, wie sie mit als Letzte ins Bett gegangen und als Erste wieder aufgestanden ist."

Merkels Amtszeit endet voraussichtlich Mitte der kommenden Woche, wenn Olaf Scholz (SPD) als neuer Bundeskanzler gewählt und vereidigt wird. Bereits an diesem Donnerstagabend verabschiedet die Bundeswehr Merkel mit einem Großen Zapfenstreich.

(A.Nikiforov--DTZ)

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