Deutsche Tageszeitung - Bund und Länder beschließen Feuerwerks- und Versammlungsverbot zu Silvester

Bund und Länder beschließen Feuerwerks- und Versammlungsverbot zu Silvester


Bund und Länder beschließen Feuerwerks- und Versammlungsverbot zu Silvester
Bund und Länder beschließen Feuerwerks- und Versammlungsverbot zu Silvester / Foto: ©

Wegen der dramatischen Coronasituation haben Bund und Länder am Donnerstag erneut ein bundesweites Feuerwerks- und Versammlungsverbot zu Silvester beschlossen. Ergänzt werden soll es außerdem durch ein Feuerwerksverbot im öffentlichen Raum, wie die Beteiligten nach ihrer Konferenz mitteilten. Schon zum vergangenen Jahreswechsel hatte es wegen der Coronapandemie ein solches Verbot gegeben Die Feuerwerksbranche äußerte sich entsetzt und kündigte an, juristische Schritte gegen den Beschluss zu prüfen.

Textgröße ändern:

Laut Übereinkunft der Regierungschefinnen und Regierungschefs gilt unabhängig von den jeweiligen Inzidenzen an Silvester und Neujahr ein generelles "An- und Versammlungsverbot", der Verkauf von Pyrotechnik wird pauschal verboten. Zudem wird das Abbrennen von Feuerwerkskörpern an "publikumsträchtigen Plätzen" verboten, wobei Kommunen über die Details dieser Beschränkung entscheiden.

Zur Begründung für die Maßnahmen führten Bund und Ländern auch die Verletzungsgefahr an, die das Gesundheitssystem zusätzlich zu der "bereits enormen Belastung" durch die Pandemie weiter unter Druck setze. Ähnlich äußerte sich auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach der Konferenz. Die Silvesterfeiern führten nicht nur zu mehr Infektionen, sondern auch zu weiteren Belastungen der Kliniken, sagte er in Hamburg.

Bereits zum Jahreswechsel 2020/2021 hatte es wegen der Pandemie ein bundesweites Verkaufsverbot für Feuerwerk gegeben, zugleich galt ein An- und Versammlungsverbot für Silvester und Neujahr. Außerdem richteten viele Städte und Gemeinden Bereiche ein, in denen das Zünden von Feuerwerk untersagt war. Grund auch damals neben der Sorge vor Infektionen die Hoffnung, eine zusätzliche Belastung der Krankenhäuser durch Böllerunfälle zu vermeiden.

Den vom Feuerwerksverbot betroffenen Unternehmen sicherten Bund und Länder laut Beschluss "entsprechende Kompensation" durch Wirtschaftshilfen zu. Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwekr reagierte gleichwohl geschockt. Das kurzfristige Verbot treibe "eine ganze Branche in den Ruin", erklärte dessen Vorstand Ingo Schubert. So hätten Firmen die Vorbereitungen für das Silvestergeschäft schon getätigt und investiert. Jetzt träfen sie neben dem Umsatzausfall die Kosten zur Rückabwicklung.

Zugleich bezweifelte der Verband einen "nennenswerten Beitrag" der Maßnahme zur Pandemiebekämpfung. Es handle sich um "reine Symbolpolitik", erklärte Schubert. Das Verbot müsse gekippt werden. Sein Verband prüfe auch mögliche rechtliche Schritte.

Erfreut äußerte sich die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die sich seit langem für ein Feuerwerksverbot an Silvester einsetzt. Die Verantwortlichen hätten "Vernunft" walten lassen, erklärte deren Geschäftsführer Jürgen Resch in Berlin. Böller und Raten hätten schon "zehntausende zum Teil schwer Verletzte" gefordert. In diesem Jahr hätten diese Auswirkungen das "um Menschenleben kämpfende Personal" in den Kliniken noch zusätzlich belastet.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Berliner Linke trifft sich mit Grünen und SPD zu Gespräch vor möglichen Sondierungen

Elf Tage nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin treffen sich Linke, Grüne und SPD am Donnerstag (11.00 Uhr) zu einem ersten Gespräch vor möglichen Sondierungen. Bei dem Treffen auf Einladung der Linken soll geklärt werden, ob die Voraussetzungen für Sondierungsgespräche gegeben sind. Die Linke gewann die Wahl am 20. September deutlich. Spitzenkandidatin Elif Eralp kündigte anschließend an, eine Regierung mit Grünen und SPD anzustreben.

Bundesgericht prüft Herstellung von Impfstoff gegen Coronavirus durch Arzt

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt am Donnerstag (11.30 Uhr) darüber, ob ein Arzt selbst einen Impfstoff gegen das Coronavirus für seine Patienten herstellen darf. Der Mediziner aus Baden-Württemberg meldete dem Karlsruher Regierungspräsidium im Sommer 2021, dass er einen solchen Impfstoff anfertige. Die Behörde verbot ihm das. (Az. 3 C 11.24)

EU-Innenminister beraten über Abschiebungen

Die EU-Innenminister treffen sich am Donnerstag in Luxemburg, um über weitere Möglichkeiten zur Förderung von Abschiebungen zu diskutieren. Laut Tagesordnung sollen die Minister darüber beraten, wie die Abschiebung von Menschen ohne Aufenthaltsrecht durch eine "verstärkte Zusammenarbeit" mit "prioritären" Drittstaaten verbessert werden kann. Gleichzeitig prüfen Deutschland und vier weitere Länder Optionen zur Einrichtung von Abschiebezentren außerhalb der EU.

Wadephul trifft europäische Außenminister in Montenegro und reist nach Italien

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) berät am Donnerstag in Montenegro mit weiteren europäischen Außenministern über die Annäherung der Westbalkanstaaten an die Europäische Union. Das Treffen in der Hauptstadt Podgorica findet im Rahmen des sogenannten Berlin-Prozesses statt, den Deutschland 2014 initiiert hatte. Zum Westbalkan gehören Albanien, Bosnien und Herzegowina, das Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. Alle sechs Staaten bewerben sich seit vielen Jahren um eine Mitgliedschaft in der EU.

Textgröße ändern: