Deutsche Tageszeitung - Merkel wirbt zum Abschied für Perspektivwechsel und "Ausgleich der Interessen"

Merkel wirbt zum Abschied für Perspektivwechsel und "Ausgleich der Interessen"


Merkel wirbt zum Abschied für Perspektivwechsel und "Ausgleich der Interessen"
Merkel wirbt zum Abschied für Perspektivwechsel und "Ausgleich der Interessen" / Foto: ©

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu ihrem Abschied vom Amt für mehr gegenseitiges Verständnis geworben und zugleich die Leugnung von Fakten und das Verbreiten von Verschwörungstheorien scharf verurteilt. "Unsere Demokratie lebt von der Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung und zur Selbstkorrektur", sagte Merkel am Donnerstagabend beim Großen Zapfenstreich zu ihren Ehren in Berlin. "Sie lebt vom steten Ausgleich der Interessen und von dem Respekt voreinander. Sie lebt von Solidarität und Vertrauen."

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Dabei gehe es unter anderem um das "Vertrauen in Fakten", unterstrich Merkel. Die Demokratie lebe auch davon, "dass überall da, wo wissenschaftliche Erkenntnis geleugnet, Verschwörungstheorien und Hetze verbreitet werden, Widerspruch laut werden muss". Wo Hass und Gewalt "als legitimes Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen" erachtet werde, müsse "unsere Toleranz als Demokratinnen und Demokraten ihre Grenze finden".

Die Zeit der Corona-Pandemie habe "wie in einem Brennglas gezeigt, von welch großer Bedeutung das Vertrauen in Politik, Wissenschaft und den gesellschaftlichen Diskurs ist", sagte Merkel. Es habe sich aber auch gezeigt, "wie fragil das sein kann".

"Ich möchte dazu ermutigen, auch zukünftig die Welt auch mit den Augen des anderen zu sehen", sagte die scheidende Kanzlerin. "Also auch die manchmal unbequemen und gegensätzlichen Perspektiven des Gegenübers wahrzunehmen, sich für den Ausgleich der Interessen einzusetzen."

Zum Ende ihrer nur wenige Minuten langen Rede gab sich Merkel optimistisch. "Ich bin überzeugt, dass wir die Zukunft auch weiterhin dann gut gestalten können, wenn wir uns nicht mit Missmut, mit Missgunst, mit Pessimismus, sondern (...) mit Fröhlichkeit im Herzen an die Arbeit machen." So habe sie es selbst stets gehalten, "in meinem Leben in der DDR und erst recht und umso mehr unter den Bedingungen der Freiheit."

"Es ist diese Fröhlichkeit im Herzen, die ich uns allen und im übertragenen Sinne unserem Land auch für die Zukunft wünsche", fügte Merkel hinzu.

(I.Beryonev--DTZ)

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