Deutsche Tageszeitung - Menschen in Gambia strömen zur ersten Präsidentenwahl seit Sturz von Diktator Jammeh

Menschen in Gambia strömen zur ersten Präsidentenwahl seit Sturz von Diktator Jammeh


Menschen in Gambia strömen zur ersten Präsidentenwahl seit Sturz von Diktator Jammeh
Menschen in Gambia strömen zur ersten Präsidentenwahl seit Sturz von Diktator Jammeh / Foto: ©

Im westafrikanischen Gambia haben die Bürger erstmals seit der Flucht des langjährigen Staatschefs Yahya Jammeh im Jahr 2017 ins Exil einen Präsidenten gewählt. Jammehs Nachfolger Adama Barrow trat bei der Wahl am Samstag für eine weitere fünfjährige Amtszeit an, es gab fünf Gegenkandidaten. Die Abstimmung galt als wichtiger Test für den Übergang zur Demokratie im kleinsten Land auf dem afrikanischen Festland.

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Vor den Wahllokalen in der Hauptstadt Banjul hatten sich bereits vor der Öffnung lange Schlangen gebildet. Darunter war auch die 27-jährige Alice Jarjue, die vier Stunden wartete, um ihre Stimme in einer umfunktionierten Markthalle abzugeben. Sie hoffte vor allem auf eine friedliche Wahl: "Wenn ein Anderer gewinnt als mein Kandidat, muss man das respektieren".

Wahlhelfer markierten die Finger der Wahlberechtigten mit schwer löslicher Tinte, um mehrfache Stimmabgaben zu verhindern. Wegen der niedrigen Alphabetisierungsrate im Land gab es keine Stimmzettel. Stattdessen gaben die Wähler ihre Stimme ab, indem sie eine Murmel in die Urne für ihren Kandidaten warfen. Auf den Urnen klebte das Bild des jeweiligen Kandidaten - eine Praxis aus Zeiten der britischen Kolonialherrschaft.

Die Wahllokale sollten bis 18.00 Uhr MEZ geöffnet bleiben, erste Ergebnisse könnten am Sonntag bekannt gegeben werden.

Machthaber Jammeh hatte Gambia seit einem Putsch 1994 mehr als 20 Jahre lang mit harter Hand regiert. Seine Amtszeit war von massiven Menschenrechtsverstößen gekennzeichnet. Im Januar 2017 floh er nach Äquatorialguinea ins Exil, nachdem er die Präsidentschaftswahl gegen Barrow verloren hatte.

Unter den jetzigen fünf Gegenkandidaten Barrows wurden dem Politikveteran Ousainou Darboe als die größten Chancen eingeräumt. Der 73-jährige Jurist hatte als Anwalt Gegner Jammehs vertreten und war auch mehrfach bei Wahlen gegen Jammeh angetreten. Unter Barrow war er Außenminister und dann Vizepräsident, bevor er 2019 zurücktrat.

"In 24 Stunden werden unsere Wähler auf den Straßen feiern", zeigte sich Amtsinhaber Barrow bei der Abgabe seiner Stimme siegesgewiss. Herausforderer Darboe dankte Gott dafür, dass er ihm "die Kraft gegeben hat, dieses Land zu regieren".

Doch auch Jammeh hat in Gambia immer noch viele Unterstützer. Vor der Wahl hatte er aus dem Exil zu Kundgebungen seiner Anhänger aufgerufen. Jammehs Einfluss auf Gambias Politik und seine mögliche Rückkehr aus dem Exil spielten auch im Wahlkampf eine wichtige Rolle.

Viele Wähler hoffen vor allem auf eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Gambia ist eines der ärmsten Länder der Welt. Etwa die Hälfte der zwei Millionen Einwohner lebt nach Angaben der Weltbank von weniger als 1,90 Dollar am Tag. Die stark vom Tourismus abhängige Wirtschaft der ehemaligen britischen Kolonie wurde von der Corona-Pandemie schwer getroffen.

(V.Korablyov--DTZ)

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