Deutsche Tageszeitung - FDP stimmt auf Sonderparteitag über Koalitionsvertrag ab

FDP stimmt auf Sonderparteitag über Koalitionsvertrag ab


FDP stimmt auf Sonderparteitag über Koalitionsvertrag ab
FDP stimmt auf Sonderparteitag über Koalitionsvertrag ab / Foto: ©

Einen Tag nach dem klaren Votum des SPD-Parteitags für den Koalitionsvertrag des Ampel-Bündnisses steht am Sonntag die Abstimmung der FDP an: Am späten Vormittag nahm ein hybrider Parteitag seine Beratungen über die Vereinbarungen mit der SPD und den Grünen zur Regierungszusammenarbeit auf. Es wird mit einer großen Mehrheit der Delegierten für den Vertrag gerechnet. Die Zustimmung der Grünen wird für Montag erwartet, dann liegt das Ergebnis ihres Mitgliederentscheids vor.

Textgröße ändern:

"Was wir vorhaben, ist die größte Liberalisierung seit den 90er Jahren, vielleicht sogar seit den 70er Jahren", sagte der stellvertretende FDP-Chef Johannes Vogel bei der Eröffnung des Parteitags. Vogel nannte die Reformvorhaben der Ampel für das Staatsbürgerschaftsrecht, das Einwanderungsrecht, das Familienrecht, den Einstieg in die Aktienrente und die Legalisierung von Marihuana. Vogel verwies zugleich auf die großen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie: Es handle sich um die "wohl komplexeste Regierungsübernahme in der Geschichte der Bundesrepublik".

Parteichef Christian Lindner will sich gegen 11.30 Uhr in einer Rede an die Delegierten wenden. Auch die weiteren Hauptverhandler und designierten Ministerinnen und Minister der Liberalen sind als Redner vorgesehen: Marco Buschmann, Bettina Stark-Watzinger und Volker Wissing über die Ampel-Pläne. Für die Diskussion des Koalitionsvertrags ist eine 90-minütige Aussprache vorgesehen.

Führende Liberale berichteten vor dem Parteitag von großer Zustimmung in der Partei für den Koalitionsvertrag, in dem die FDP einige ihrer Kernanliegen hatte durchsetzen können.

FDP-Vorstandsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte der Nachrichtenagentur AFP, es gebe in der Partei "eine große Zustimmung zu unseren Ministerien - Finanzen, Bildung, Justiz, und Digitales, das sind genau die Kernthemen, die wir in den letzten Jahren sehr hervorgehoben haben."

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Alexander Graf Lambsdorff sagte zu AFP, er nehme eine große Zufriedenheit an der Parteibasis über den Ampel-Vertrag wahr. Das positive Feedback finde er "in dieser ausgeprägten Form erstaunlich, weil viele unserer Anhänger vorher eher für Jamaika-Anhänger gehalten wurden".

Bei dem hybriden Sonderparteitag waren in der Berliner Tagungshalle Station lediglich die engste Parteispitze und ein Kernteam für die Organisation anwesend; alle übrigen Teilnehmenden werden digital zugeschaltet.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Brasilien ruft Botschafter nach Äußerungen von Argentiniens Präsident Milei zurück

Wegen abfälliger Äußerungen von Argentiniens Staatschef Javier Milei über den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva hat Brasilien seinen Botschafter im Nachbarland zurückgerufen. Angesichts der "beleidigenden Äußerungen des argentinischen Staatschefs" habe Außenminister Mauro Vieira beschlossen, Botschafter Julio Bitelli zu Konsultationen zurückzubeordern, teilte das Außenministerium am Sonntag mit.

Wirbel um Kabinettsumbildung: Schnieder wirft hin - Bilger soll Nachfolger werden

Mit einer Kabinettsumbildung hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen Neustart seiner Regierung markieren wollen - stattdessen ist die Bundesregierung in neue Turbulenzen gestürzt. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kündigte am Sonntagabend an, den Kanzler um seine Entlassung zu bitten. Er begründete dies mit dem "unwürdigen Zustand", den die Umstände der Kabinettsumbildung für ihn herbeigeführt hätten. Merz gab daraufhin die Nachfolge bekannt: Unions-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) soll das Ressort übernehmen.

Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen zu Anschlag auf Berliner CSD

Nach dem Anschlag am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) mit einer Toten und fast 30 Verletzten hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Hintergrund sei die "mutmaßliche islamistische Tatbegehung", sagte eine Sprecherin am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Ermittelt werde auch bezüglich möglicher "Hintermänner" oder "Mitwisser".

CDU-Politiker Bilger soll neuer Bundesverkehrsminister werden

Der Parlamentsgeschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Steffen Bilger (CDU), soll neuer Bundesverkehrsminister werden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) werde Bilger für die Nachfolge des bisherigen Ministers Patrick Schnieder (CDU) vorschlagen, erklärte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Sonntagabend in Berlin. In einem Telefonat habe der Kanzler Schnieder für die geleistete Arbeit gedankt und sein "Bedauern" darüber ausgedrückt, "dass der Amtswechsel wegen unvorhergesehener Umstände nicht wie geplant kommuniziert werden konnte".

Textgröße ändern: