Deutsche Tageszeitung - Ärzteverbände begrüßen Nominierung von Lauterbach für Gesundheitsressort

Ärzteverbände begrüßen Nominierung von Lauterbach für Gesundheitsressort


Ärzteverbände begrüßen Nominierung von Lauterbach für Gesundheitsressort
Ärzteverbände begrüßen Nominierung von Lauterbach für Gesundheitsressort / Foto: ©

Ärzteverbände haben die Nominierung von Karl Lauterbach für die Leitung des Gesundheitsressorts in der neuen Bundesregierung begrüßt. "Die Berufung von Karl Lauterbach zum neuen Gesundheitsminister ist die richtige Antwort auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie", erklärte der Vorsitzende des Virchowbundes der niedergelassenen Ärzte, Dirk Heinrich, am Montag in Berlin.

Textgröße ändern:

"Die Wissenschaft ist der natürliche Feind des Populismus, deshalb werden wir die Pandemie nur faktenbasiert und mit entschlossenem Handeln besiegen", hob Heinrich weiter hervor. Als weitere wichtige Aufgaben für Lauterbach nannte er die Entbudgetierung ärztlicher Leistungen, den Ausbau der Digitalisierung im Gesundheitswesen sowie die Reform der Gebührenordnung für die Ärztinnen und Ärzte.

"Es freut mich, dass ein Arzt Gesundheitsminister wird", sagte die Vorsitzende des Ärzteverbands Marburger Bund, Susanne Johna. Lauterbach sei ein "ausgewiesener Fachmann und hat nicht erst seit der Pandemie bewiesen, dass er über hohe Sachkenntnis verfügt", hob sie in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" weiter hervor.

Die Ärzteorganisation Hartmannbund rief Lauterbach zu einem konstruktiven Dialog über die Fortentwicklung des Gesundheitswesens auf. "Der künftige Gesundheitsminister ist ein exzellenter Kenner des Terrains und wir, als Ärzteschaft, wissen auf der anderen Seite sehr genau, was wir an ihm haben", erklärte die Verbandsvorsitzende Anke Lesinski-Schiedat.

Die Gewerkschaft Verdi forderte Lauterbach auf, möglichst rasch das im Koalitionsvertrag vorgesehene "bedarfsgerechte Pflegepersonalbemessungsinstrument" auf den Weg zu bringen. Dadurch sollen die Arbeitsbedingungen für die Pflegerinnen und Pfleger verbessert werden.

"Schon vor Corona war die Lage aufgrund der viel zu dünnen Personaldecke mehr als angespannt. Die Pandemie hat die Lage nochmal verschärft; inzwischen brennt die Hütte und die Nerven liegen blank", erklärte dazu Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler. Eine Kehrtwende in der Krankenhauspflege sei "überfällig".

Lob kam auch von der politischen Konkurrenz. "Karl Lauterbach hat sich aus seiner Persönlichkeit, seinem Intellekt und Engagement heraus ein unglaubliches Vertrauen in der Gesellschaft erarbeitet", schrieb der CDU-Politiker Norbert Röttgen auf Twitter.

Lauterbach war am Morgen vom designierten Bundeskanzler Olaf Scholz als neuer Gesundheitsminister benannt worden. Der 58-jährige Mediziner werde ein "Gesundheitsminister vom Fach" sein, begründete er die Entscheidung. Der Immunologe Lauterbach gilt als einer der renommiertesten Gesundheitsexperten seiner Partei, allerdings hatte es gegen ihn in der SPD auch Vorbehalte gegeben.

"Wir müssen diese Pandemie bekämpfen, die Pandemie wird länger dauern als viele denken", sagte Lauterbach unmittelbar nach seiner Nominierung. "Wir werden das aber schaffen", äußerte er sich optimistisch. Dafür werde "die Impfung wird die zentrale Rolle spielen, aber nicht nur".

Vorrangiges Ziel sei aber zunächst die Senkung der Corona-Fallzahlen, damit "wir möglichst gute Weihnachtsferien feiern können und reisen können", betonte Lauterbach. Es gehe darum, "die Fallzahlen so weit herunterzubringen, dass wir ohne die Menschen zu gefährden, Reisen empfehlen können".

Lauterbach kündigte darüber hinaus an, er wolle das Gesundheitssystem "wieder robuster" machen, um "für weitere Pandemien besser gerüstet zu sein, als wir es für diese gewesen sind". Leistungskürzungen im Gesundheitsbereich schloss er aus.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Merz mit Nato-Generalsekretär Rutte beim deutsch-niederländischen Korps

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Donnerstag zusammen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte das deutsch-niederländische Korps besucht. An dem Treffen im Hauptquartier in Münster nahm auch der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten teil. Merz, Rutte und Jetten wollten ein Lagebriefing besuchen und sich mit Soldatinnen und Soldaten austauschen. Im Anschluss gibt es eine Pressebegegnung (13.40 Uhr). Mit Rutte und Jetten will der Kanzler zudem bilaterale Gespräche führen.

Drei Jahre Jugendstrafe für jugendlichen IS-Sympathisanten - Sprengstoff gehortet

Das Amtsgericht Augsburg hat einen jugendlichen IS-Sympathisanten zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt. In dem unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Verfahren gegen den zur Tatzeit 15-Jährigen wertete das Gericht die Unterstützung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nach Angaben eines Gerichtssprechers am Donnerstag zu seinen Lasten. Auch eine große Menge an beschlagnahmtem Sprengstoff sei zu seinen Lasten bewertet worden. Zu Gunsten des Jugendlichen wertete die Kammer ein Teilgeständnis und von ihm erlittene eigene Verletzungen.

Kanzleramt stoppt Klingbeils Entwurf zur Zuckersteuer

Das Bundeskanzleramt blockiert den Entwurf des Bundesfinanzministeriums für die geplante Zuckersteuer. Der Vorschlag aus dem Finanzministerium sei "in dieser Form in der Regierung nicht mehrheitsfähig", verlautete am Donnerstag aus Regierungskreisen. Der Entwurf aus dem Haus von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) war am Mittwoch bekanntgeworden.

Gewaltsame Schülerproteste in Frankreich weiten sich aus: Mehrere Brände

Die teils gewalttätigen Schülerproteste in Frankreich weiten sich aus: In Nantes kam es am Donnerstag zu einem größeren Brand in einer Schule, in Marseille wurden mehrere Busse in Brand gesetzt. Aus dem Pariser Vorort Saint-Denis wurden erneut gewaltsame Auseinandersetzungen gemeldet, bei denen Schüler Feuerwerkskörper zündeten und die Polizei Tränengas einsetzte. Vor Schulen in Lille, Brest und Straßburg wurden Mülleimer in Brand gesetzt.

Textgröße ändern: