Deutsche Tageszeitung - Umweltverbände fordern "klimapolitischen Kassensturz" zu Habecks Amtsantritt

Umweltverbände fordern "klimapolitischen Kassensturz" zu Habecks Amtsantritt


Umweltverbände fordern "klimapolitischen Kassensturz" zu Habecks Amtsantritt
Umweltverbände fordern "klimapolitischen Kassensturz" zu Habecks Amtsantritt / Foto: ©

Die beiden großen deutschen Umweltverbände Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordern vom künftigen Klimaminister Robert Habeck (Grüne) zum Amtsantritt einen "klimapolitischen Kassensturz". Habeck müsse "genau ausrechnen wie groß die Klimaschutzlücke zwischen den Zielen im Klimaschutzgesetz und den Maßnahmen im Koalitionsvertrag ist", sagte Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Mittwoch).

Textgröße ändern:

Wer glaube, ein Klimaministerium allein werde die "CO2-Trendwende" schaffen und das Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius einhalten, "dem fallen spätestens die Verkehrs-, Landwirtschafts- und Gebäudesektoren auf die Füße", sagte Krüger dem RND. Es müsse für jeden Sektor berechnet werden, wie groß die Lücke ist.

Zudem müssten alle umweltschädlichen Subventionen auf den Prüfstand gestellt werden. "Das kostet nichts." Im Bereich Verkehr betreffe das die Diesel- und Dienstwagensubventionen. Krüger mahnte, beim deutlich schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien den Klimaschutz und den Schutz der Natur nicht gegeneinander auszuspielen. Er forderte neben dem verpflichteten Bau von Solaranlagen auf Neubauten auch mehr Anreize für die energetische Gebäudesanierung. Außerdem sollte "mit dem sofortigen Stopp von Autobahnneubauprojekten unnötige Zerstörung der Natur" aufgehalten werden, sagte der Nabu-Präsident dem RND.

Auch BUND-Vorsitzender Olaf Bandt sagte dem RND, die neue Koalition müsse noch deutlich auf die Koalitionsvereinbarung der Parteien "draufsatteln", um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Bandt forderte zudem, "den Kohleausstieg bis 2030 verbindlich zu regeln".

Der klimapolitische Teil des Ampel-Koalitionsvertrags war von Umweltschützern insbesondere kritisiert worden, weil dort steht, dass der Kohleausstieg nur "idealerweise" bis 2030 erreicht werden soll. Bis 2030 sollen 80 Prozent des Bruttostrombedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Dafür sollen Planungsverfahren gestrafft und alle geeigneten Dachflächen für Solarenergie genutzt werden.

Am Mittwoch soll der SPD-Politiker Olaf Scholz vom Bundestag zum Bundeskanzler gewählt werden. Auch seine Ministerinnen und Minister werden am Mittwoch ins Amt eingeführt. Grünen-Chef Habeck ist dabei als Klimaschutz- und Wirtschaftsminister sowie Vizekanzler vorgesehen.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Bericht: Fast jeder zweite Rentner muss Steuern nachzahlen

Fast jeder zweite Rentner in Deutschland muss nach der Steuererklärung Geld an das Finanzamt überweisen. Einer Auswertung des Steuererklärungsanbieters smartsteuer zufolge, die den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntagsausgaben) vorlag, mussten rund 41 Prozent der ausgewerteten Rentner Steuern nachzahlen. Im Durchschnitt waren 1326 Euro fällig. In der Hälfte aller Fälle lag die Nachzahlung allerdings bei höchstens 499 Euro.

Vergewaltigungsvorwürfe: US-Demokraten nominieren neuen Kandidaten für Senatssitz

Die Demokratische Partei im US-Bundesstaat Maine hat einen neuen Senatskandidaten bestimmt, nachdem sich der ursprüngliche Kandidat Graham Platner nach Vergewaltigungsvorwürfen aus dem Rennen zurückgezogen hatte. Die Delegierten auf einem Nominierungsparteitag stimmten am Samstag (Ortszeit) für den früheren Präsidenten des Senats von Maine, Troy Jackson. Er soll nun gegen die republikanische Amtsinhaberin Susan Collins antreten.

Bolsonaro-Sohn Flávio zum Präsidentschaftskandidaten in Brasilien gekürt

Der Sohn von Brasiliens ultrarechtem Ex-Staatschef Jair Bolsonaro, Flávio Bolsonaro, ist offiziell zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im Oktober gekürt worden. Der Senator wurde am Samstag beim Parteitag seiner rechtsgerichteten Liberalen Partei in São Paulo zum Herausforderer des linken Amtsinhabers Luiz Inácio Lula da Silva ernannt. "Hier fließt das Blut von Bolsonaro", sagte der 45-Jährige und schlug sich dabei auf den Arm.

Mindestens 20 Tote bei gegenseitigen Angriffen Russlands und der Ukraine

Bei gegenseitigen Angriffen der Ukraine und Russlands sind in beiden Ländern insgesamt mindestens 20 Menschen getötet worden. Russische Behörden meldeten am Samstag zwölf Tote im russisch besetzten Teil Saporischschjas sowie drei weitere Tote in anderen Regionen. Von ukrainischer Seite wurden insgesamt fünf Todesopfer gemeldet. Die Ukraine griff zudem eine Ölraffinerie in Sibirien an. Derweil rief Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew Kremlchef Wladimir Putin zu einem Stopp der Kämpfe auf.

Textgröße ändern: