Deutsche Tageszeitung - Johnson entschuldigt sich für Witze seiner Mitarbeiter über Corona-Einschränkungen

Johnson entschuldigt sich für Witze seiner Mitarbeiter über Corona-Einschränkungen


Johnson entschuldigt sich für Witze seiner Mitarbeiter über Corona-Einschränkungen
Johnson entschuldigt sich für Witze seiner Mitarbeiter über Corona-Einschränkungen / Foto: ©

Der britische Premierminister Boris Johnson ist wegen Scherzen seiner engsten Mitarbeiter über eine mutmaßliche Weihnachtsfeier unter Missachtung der Corona-Regeln im vergangenen Jahr unter Druck geraten. Johnson entschuldigte sich am Mittwoch und kündigte eine interne Untersuchung der Vorfälle an. Zuvor hatte der Sender ITV News ein Video veröffentlicht, in dem Johnsons damalige Sprecherin Allegra Stratton, sein Berater Ed Oldfied und andere Mitarbeiter seines Büros sich über eine Party in der Downing Street, die es gar nicht gegeben habe, lustig machen.

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Die Aufnahmen zeigen, wie Stratton bei der Probe für eine Pressekonferenz am Rednerpult steht und Fragen ihrer Kollegen über die mutmaßliche Feier beantwortet, die wenige Tage zuvor stattgefunden haben soll. Zu der Zeit galten in London strenge Corona-Regeln, Treffen mit mehreren Menschen in geschlossenen Räumen waren verboten.

"Diese fiktive Party war ein Geschäftstreffen ohne Abstandhalten", sagte Stratton, bricht dabei jedoch in Gelächter aus. Johnsons Berater scherzen zudem über "Käse und Wein", die es bei der Feier gegeben haben soll, über Spiele und das Austauschen von Wichtel-Geschenken.

Das Video steht offenbar im Widerspruch zu Johnsons wiederholten Beteuerungen, seine Mitarbeiter hätten nicht gegen Corona-Richtlinien verstoßen. "Ich entschuldige mich uneingeschränkt für die Kränkung, die das Video im ganzen Land verursacht hat", sagte Johnson am Mittwoch bei einer Fragestunde des Parlaments. Er bat zudem um Verzeihung "für den Eindruck, den es erweckt". Der Premierminister kündigte zudem eine interne Untersuchung des Vorfalls an. Es würden "disziplinarische Maßnahmen" ergriffen, falls ein Regelverstoß vorgefallen sei.

Zuvor hatten britische Medien von der mutmaßlichen Party von Johnsons Mitarbeitern am 18. Dezember berichtet. Johnsons Büro betonte nach Veröffentlichung des Videos erneut, es habe im vergangenen Jahr keine Weihnachtsfeier am Amtssitz des Premierministers stattgefunden. "Die Covid-Regeln wurden zu jedem Zeitpunkt befolgt."

Das Video, das in den TV-Nachrichten gezeigt und millionenfach im Internet angeschaut wurde, hatte am Mittwoch eine Reihe von empörten Reaktionen aus dem gesamten politischen Spektrum zur Folge. Ian Blackford von der Schottischen Nationalpartei (SNP) rief Johnson zum Rücktritt auf. Die Regierung breche ihre eigenen Corona-Regeln und mache sich dann darüber lustig. Dies sei inakzeptabel.

Oppositionsführer Keir Starmer warf der Regierung ein "beschämendes" Verhalten vor. "Die Menschen im ganzen Land haben sich an die Regeln gehalten, auch wenn das bedeutete, von ihren Angehörigen getrennt zu sein", sagte der Vorsitzende der Labour-Partei. Sie hätten zu Recht erwartet, dass auch die Regierung die Regeln einhält.

Auch aus seinen eigenen Reihen musste sich Johnson Kritik gefallen lassen: "Das ist nicht zum Lachen", sagte der Tory-Abgeordnete Roger Gale der BBC. Er habe die Aufnahmen mit "völliger Ungläubigkeit" gesehen. Johnson schulde dem Parlament eine ausführliche Erklärung. "Wenn er das Unterhaus absichtlich in die Irre führt, wäre das natürlich ein Grund zum Rücktritt."

Die Hinterbliebenen-Gruppe Covid-19 Bereaved Families for Justice zeigte sich bestürzt. Das Video zeige "das Verhalten von Leuten, die denken, sie stünden über uns". "Es gibt einfach keine Worte, um zu beschreiben, wie erschütternd und beschämend es ist, Boris Johnsons Team darüber lachen zu hören, dass sie die Regeln, die sie aufgestellt haben, gebrochen haben", erklärte die Gruppe.

Johnsons Regierung war bereits mehrfach wegen ihres Umgangs mit den Corona-Beschränkungen kritisiert worden. Im Mai musste Gesundheitsminister Matt Hancock zurücktreten, weil Fotos aufgetaucht waren, auf denen er eine Mitarbeiterin küsst. Damals galten in England noch Kontaktbeschränkungen.

Zuvor hatte Johnsons damaliger Spitzenberater Dominic Cummings mit mutmaßlichen Verstößen gegen die Corona-Auflagen für einen Skandal gesorgt.

(V.Korablyov--DTZ)

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