Deutsche Tageszeitung - Endspurt im chilenischen Präsidentschaftswahlkampf

Endspurt im chilenischen Präsidentschaftswahlkampf


Endspurt im chilenischen Präsidentschaftswahlkampf
Endspurt im chilenischen Präsidentschaftswahlkampf / Foto: ©

Im Endspurt des chilenischen Präsidentschaftswahlkampf haben der Ultrakonservative José Antonio Kast und der linksgerichtete Ex-Studentenführer Gabriel Boric ein letztes TV-Duell ausgetragen. Die Talkrunde am Montagabend war gezeichnet von persönlichen Verbalangriffen und wenigen konkreten inhaltlichen Vorschlägen. Allerdings rückten beide Kandidaten jeweils von einigen ihrer radikalsten Postitionen ab.

Textgröße ändern:

Kast und Boric könnten gegensätzlicher kaum sein. Der 55-jährige katholisch-konservative Kast gilt als Bewunderer des neoliberalen Wirtschaftsmodells des früheren Militärdiktators Augusto Pinochet. Der 35-jährige linke Aktivist Boric will das Land wirtschaftspolitisch vom Erbe Pinochets lösen, das er für die große soziale Ungleichheit in Chile verantwortlich macht.

Der deutschstämmige Kast ist Vorsitzender der von ihm gegründeten ultrarechten Republikanischen Partei. Er ist ein strenger Katholik, der die Homo-Ehe und Abtreibungen ablehnt. Seinen Vorschlag, das Frauenministerium abzuschaffen, zog er nun allerdings zurück. Auch beim Abtreibungsrecht und bei Steuersenkungen für Großkonzernen schlug er moderatere Töne an.

Boric vom Linksbündnis Apruebo Dignidad setzt sich hingegen für mehr soziale Gerechtigkeit, eine Reform des privaten Rentensystems und eine stärkere Rolle des Staates im Gesundheits- und Bildungswesen ein. Die von ihm angekündigten Steuererhöhungen für die Ausweitung der Sozialprogramme sollen nun aber doch nicht ganz so hoch ausfallen.

Am Sonntag sind gut 15 Millionen wahlberechtigte Chilenen zur Abstimmung über die Nachfolge des konservativen Staatschefs Sebastián Piñera aufgerufen. Kast und Boric hatten in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl jeweils rund ein Viertel der Stimmen auf sich vereinen können und zogen so in die Stichwahl ein. Der Wahlausgang gilt als offen. In den letzten Umfragen vom 4. Dezember lag Boric knapp vorne.

(V.Korablyov--DTZ)

Empfohlen

Grünen-Fraktionschefinnen erklären bisherige Strategie gegen AfD für gescheitert

Die Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion haben die bisherige Strategie ihrer Partei gegen die AfD für gescheitert erklärt und eine Kurskorrektur gefordert. "Alle bisherigen Versuche, der AfD etwas entgegenzusetzen, haben nicht gereicht", schrieben die Fraktionschefinnen Katharina Dröge und Britta Haßelmann in einem "Impulspapier", aus dem der "Spiegel" am Samstag zitierte. Für das Erstarken der in Teilen rechtsextremen AfD trügen alle demokratischen Parteien, auch die Grünen, Verantwortung.

Bilanz mit pessimistischen Tönen: Steinmeier äußert sich zum Ende seiner Amtszeit

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wünscht sich eine Persönlichkeit mit Integrationskraft für seine Nachfolge im höchsten Staatsamt. "In diesen Wochen sondieren die politischen Parteien und im Januar entscheidet die Bundesversammlung, wer das Amt des Staatsoberhauptes der Bundesrepublik übernimmt", sagte Steinmeier am Samstag in seiner Rede beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen. Er betonte: "Es ist kein Amt, das auf die leichte Schulter zu nehmen ist."

Steinmeier mahnt Fortsetzung der Reformpolitik an: "Habt Mut zur Erneuerung"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Bundesregierung zu einer Fortsetzung des Reformkurses trotz aller Widerstände aufgerufen. "Reformen sind immer ein Wagnis - aber wir gehen es ein um der Hoffnung willen, unser Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen", sagte Steinmeier am Samstag in seiner Rede beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen.

"Unerträgliche politische Demagogie": Steinmeier sieht Gefährdung der Demokratie

36 Jahre nach der deutschen Vereinigung sieht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland ernsthaft gefährdet. "Die unerträgliche politische Demagogie extremistischer Kräfte, die eine Lust an der Zerstörung ausleben und andere Menschen verhöhnen und bedrohen, das gefährdet nicht nur Freiheit und Demokratie - das gefährdet unsere innere Einheit", sagte Steinmeier am Samstag in seiner Ansprache beim zentralen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen.

Textgröße ändern: