Deutsche Tageszeitung - Neue britische Brexit-Ministerin bleibt in Verhandlungen mit EU hart

Neue britische Brexit-Ministerin bleibt in Verhandlungen mit EU hart


Neue britische Brexit-Ministerin bleibt in Verhandlungen mit EU hart
Neue britische Brexit-Ministerin bleibt in Verhandlungen mit EU hart / Foto: ©

Die neue Brexit-Ministerin der britischen Regierung, Liz Truss, setzt den harten Kurs ihres Vorgängers gegenüber der EU fort. In ihrem ersten Gespräch mit EU-Kommissionsvizepräsident Maros Sefcovic am Dienstag habe sie auf einer grundlegenden Überarbeitung des umstrittenen Nordirland-Protokolls bestanden, erklärte Truss im Anschluss. Auch ein einseitiges Aufkündigen des Handelsabkommens im Falle einer ausbleibenden Lösung der Streitfragen schloss sie nicht aus.

Textgröße ändern:

Das mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU in einem Handelsabkommen vereinbarte Nordirland-Protokoll sieht Grenzkontrollen zwischen der britischen Provinz Nordirland und dem Rest des Vereinigten Königreiches vor. So soll das Entstehen einer harten Grenze zwischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland verhindert werden. London nimmt viele der vereinbarten Zollkontrollen aber bisher nicht vor.

"Wir müssen den freien Warenverkehr zwischen Großbritannien und Nordirland gewährleisten, die Rolle des EuGH als letzte Instanz bei Streitigkeiten zwischen uns beenden und weitere Fragen klären", erklärte Truss. Neben den Kontrollen an sich ist auf britischer Seite vielen ein Dorn im Auge, dass der Brexit-Vertrag vorsieht, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Fall von Streitigkeiten zur Anwendung des Nordirland-Protokolls das letzte Wort hat.

Die EU-Kommission hatte London zuletzt eine rund 80-prozentige Erleichterung bei den Zollkontrollen angeboten. Die grundsätzlichen Bestimmungen des Protokolls und insbesondere die Rolle des EuGH sind für Brüssel hingegen unverhandelbar. Sollte es keine Einigung in dem Streit geben, droht nach Einschätzung von EU-Diplomaten ein Handelskrieg.

Diese Aussicht untermauerte nun auch die britische Außenministerin Truss, die vergangene Woche infolge des Rücktritts von David Frost auch das Brexit-Ressort übernommen hatte: London bevorzuge zwar "eine vereinbarte Lösung", sei aber bereit das Abkommen schlicht aufzukündigen. "Wir müssen im neuen Jahr das Tempo der Gespräche erhöhen", forderte Truss.

Frost war wegen Meinungsverschiedenheiten mit Johnson und Kritik an dessen Corona-Kurs zurückgetreten. Er galt als Hardliner gegenüber der EU. Er leitete ab Juli 2019 für London die Verhandlungen mit Brüssel über das Handelsabkommen und anschließend die Umsetzung des Nordirland-Protokolls.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

US-Prozess gegen Maduro beginnt im Juni 2027

Die USA machen dem abgesetzten venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ab dem 1. Juni 2027 den Prozess. Ein Bundesgericht in New York setzte den Termin am Mittwoch in Anwesenheit Maduros fest. Dem 63-Jährigen droht eine lebenslange Haftstrafe wegen "Drogenterrorismus".

Huthi-Rebellen warnen Schiffe im Roten Meer per Funkspruch vor Angriffen

Nach der Straße von Hormus entwickelt sich die Meerenge von Bab-al-Mandab im Roten Meer zum neuen Krisenpunkt für Frachtschiffe: Die jemenitische Huthi-Miliz richteten per Funkspruch Warnungen an Schiffe in der Region, wie die Internationale Schifffahrtskammer (ICS) mitteilte. Die Huthis hatten am Montag eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt.

Noosha Aubel, Potsdam, verwahrloste Grünflächen und marode Straßen: Der Bürger als zahlender Michel?

Noosha Aubel – oder die Frage: Sollte, wer eine Landeshauptstadt führt, nur eine Amtskette tragen? Nein, er hat Führungsverantwortung zu tragen – für Straßen, Grünpflege, Verwaltungsorganisation und erst recht dafür, dass ein zweijähriges, mehrfach schwerstbehindertes Kind nicht zwischen Zuständigkeiten verschwindet. Potsdam verwaltet den Mangel, beschildert den Verfall und verteilt Zuständigkeiten. Die Rechnung geht an den zahlenden Bürger. Der schwerste Vorwurf betrifft jedoch kein Schlagloch und keine braune Grünfläche, sondern ein Kind, dessen gesetzlicher Förderanspruch nach öffentlicher Darstellung seit Monaten praktisch leerläuft.

Streit um Insektengift: Macron lehnt Rücktrittsgesuch von Umweltministerin ab

Die mögliche Wiedereinführung zweier bereits verbotener Insektengifte in Frankreich hat zu einem Rücktrittsversuch der Umweltministerin geführt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe ihr Rücktrittsgesuch aber nicht angenommen, hieß es im Umfeld der Umweltministerin Monique Barbut am Mittwoch. Diese habe aber ihre Ablehnung des am Dienstag verabschiedeten Gesetzes bekräftigt, das den Weg für den Einsatz zweier Mittel frei macht, die Wissenschaftler als umwelt- und gesundheitsschädlich einstufen.

Textgröße ändern: