
Marseille: IS-Terror-Miliz verantwortlich für Messerangriff

Nach dem tödlichen Messerangriff im südfranzösischen Marseille hat die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die Tat für sich reklamiert. Dies habe das IS-Propagandasprachrohr Amaq unter Berufung auf eine "Sicherheitsquelle" berichtet, erklärte das auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen Site am Sonntag. Der Angreifer gehöre demnach zu den "Soldaten des Islamischen Staats".
Am wichtigsten Bahnhof von Marseille hatte ein Mann am Sonntag zwei junge Frauen getötet, bevor er selbst von Soldaten erschossen wurde. Nach Angaben aus Ermittlungskreisen erstach er eine Frau und schnitt der anderen die Kehle durch. Laut Polizeigewerkschaft Unsa-Police waren die Opfer 17 und 20 Jahre alt. Der französische Innenminister Gérard Collomb sagte bei einem Besuch vor Ort, mehrere Zeugen hätten ausgesagt, dass der Angreifer "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen habe. Die Pariser Anti-Terrorstaatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.
Der neuerliche Angriff ereignete sich zwei Tage vor der Parlamentsabstimmung über einen umstrittenen Entwurf für ein Anti-Terrorgesetz. Demnach sollen bestimmte Maßnahmen des geltenden Ausnahmezustands in normales Recht überführt werden. Den Ausnahmezustand hatte die Regierung des ehemaligen Präsidenten François Hollande nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 mit 130 Toten verhängt.
Am Montag beginnt in Paris der Prozess gegen Abdelkader Merah, dessen Bruder eine jüdische Schule in Toulouse angegriffen hatte. Abdelkader Merah wird Beihilfe zur Last gelegt. Mohammed Merah hatte im März 2012 vor einer jüdischen Schule in Toulouse drei Kinder und einen Lehrer erschossen. Der Dschihadist tötete zudem drei Soldaten. Bis zu der Tat vom Sonntag in Marseille wurden in Frankreich seit Anfang 2015 bei islamistischen Anschlägen bereits 239 Menschen getötet. (M.Dylatov--DTZ)