Deutsche Tageszeitung - G7-Staaten vereinbaren Ausstieg aus russischem Öl

G7-Staaten vereinbaren Ausstieg aus russischem Öl


G7-Staaten vereinbaren Ausstieg aus russischem Öl
G7-Staaten vereinbaren Ausstieg aus russischem Öl / Foto: © POOL/AFP

Die G7-Staaten haben den schrittweisen Ausstieg aus russischen Öl-Importen vereinbart. Alle G7-Staaten hätten sich verpflichtet, "unsere Abhängigkeit von russischer Energie schrittweise zu beenden, auch durch den schrittweisen Ausstieg aus russischem Öl beziehungsweise das Verbot von dessen Einfuhr", teilten die Staats- und Regierungschefs der Länder im Anschluss an eine Videokonferenz mit, zu der auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zugeschaltet war. Die USA kündigten eine Verschärfung ihrer Sanktionen gegen Russland an.

Textgröße ändern:

Die Einstellung der Importe von russischem Öl in die G7-Staaten werde die "Hauptschlagader der Wirtschaft" des russischen Präsidenten Wladimir Putin hart treffen und Moskau eine wichtige Einnahmequelle zur Finanzierung seines Krieges in der Ukraine entziehen, erklärte das Weiße Haus. Nähere Angaben zur konkreten Umsetzung des Importstopps in den einzelnen G7-Staaten wurden in der Abschlusserklärung zu dem Online-Gipfel nicht gemacht.

In ihrer Videokonferenz erinnerten die Staats- und Regierungschefs der G7 auch an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 77 Jahren - und ausdrücklich an die Rolle der westlichen Alliierten und der Sowjetunion bei der Befreiung der Opfer des Nationalsozialismus. Mit seinem "unprovozierten Aggressionskrieg" gegen die Ukraine bringe Putin 77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges "Schande über Russland und die historischen Opfer seines Volkes", hieß es in der anschließenden Erklärung.

Durch die Invasion der Ukraine habe Russland gegen die "regelbasierte internationale Ordnung verstoßen, insbesondere die Charta der Vereinten Nationen", die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen worden sei, "um künftige Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren", kritisierten die G7-Staats- und Regierungschefs.

Selenskyj habe in der Videokonferenz die "feste Entschlossenheit der Ukraine" unterstrichen, "ihre Souveränität und territoriale Unversehrtheit zu schützen". Ziel der Ukraine sei es, "dass die russischen Streitkräfte und das russische militärische Gerät vollständig aus dem gesamten Hoheitsgebiet der Ukraine abgezogen werden". Den G7-Mitgliedern habe er für ihre Unterstützung gedankt.

Deutschland hat seit Jahresbeginn den Vorsitz der G7 inne. Der Gruppe reicher Demokratien gehören außerdem die USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada, Italien und Japan an. US-Präsident Joe Biden hatte als Reaktion auf den russischen Krieg in der Ukraine bereits im März einen Importstopp für russisches Öl sowie Flüssigerdgas und Kohle verhängt.

Ein Öl-Embargo gegen Russland plant aktuell auch die EU, die Maßnahme ist allerdings zwischen den Mitgliedstaaten umstritten. Insbesondere Ungarn pocht auf eine Ausnahmeregelung. Die Botschafter der EU trafen sich am Sonntag erneut zu Beratungen über eine mögliche Umsetzung des Embargos. Ein rascher Durchbruch zeichnete sich indes nicht ab.

Mehrere Mitgliedstaaten hatten gehofft, das sechste EU-Sanktionspaket gegen Russland vor dem 9. Mai verabschieden zu können. Der Tag des Sieges über Nazi-Deutschland ist ein symbolisch äußerst wichtiges Datum in Russland, zu dem jedes Jahr eine große Militärparade in Moskau stattfindet. Die Ukraine befürchtet rund um den 9. Mai in diesem Jahr vermehrt russische Angriffe.

Die US-Regierung gab am Sonntag weitere Sanktionen gegen Russland bekannt. Betroffen von den Strafmaßnahmen sind unter anderem die drei russischen Fernsehsender Perwy Kanal, Rossija-1 und NTW, wie das Weiße Haus mitteilte. US-Unternehmen wird es mit der Maßnahme untersagt, die Sender durch Werbung oder den Verkauf von Geräten zu unterstützen.

Durch die neuen Sanktionen wird es US-Unternehmen zudem untersagt, russischen Einzelpersonen oder Firmen Beratungs- oder Finanzdienste anzubieten. Ein ranghoher Vertreter des Weißen Hauses verwies bei der Präsentation der Strafmaßnahmen auf die internationale Bedeutung der USA und Großbritannien im Beratungssektor. Als Beispiele nannte er die vier Consulting-Riesen Deloitte, EY, KPMG und PwC.

Westliche Staaten haben wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine eine Reihe harter Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Dies hat Kreml-Chef Putin bislang aber nicht dazu gebracht, die Angriffe zurückzufahren.

(P.Hansen--DTZ)

Empfohlen

Rumänien: Parlament billigt Regierung von Pro-Europäer Niculescu

Nach Monaten des politischen Stillstands hat das rumänische Parlament die pro-europäische Regierung des parteilosen Diplomaten Luca Niculescu gebilligt. Der 55-jährige erhielt bei der Abstimmung in Bukarest am Dienstag 280 Stimmen, das waren deutlich mehr als die benötigten 233 Stimmen. Niculescu war Anfang des Monats von Präsident Nicusor Dan für das Amt Amt des Regierungschefs nominiert worden, nachdem das Parlament zuvor zwei andere Kandidaten abgelehnt und ein weiterer Kandidat seine Bewerbung zurückgezogen hatte.

Merz verkündet Investitionszusagen in Höhe von rund 230 Milliarden

Bei einem internationalen Gipfel mit Unternehmenschefs in Berlin sind laut Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rund 230 Milliarden Euro an Investitionen zugesagt worden. Die Liste der Unternehmen, die Investitionen angekündigt hätten, sei "lang und umfangreich", sagte Merz zum Abschluss des Gipfels am Dienstag. Zusagen habe es etwa vom US-Internetriesen Amazon, dem US-Chiphersteller Nvidia, dem Energiekonzern RWE, der Schwarz-Gruppe, der US-Investmentgesellschaft Blackstone, dem US-Techkonzern Microsoft und dem Impfstoffhersteller Sanofi gegeben.

UNHCR: 250.000 Binnenflüchtlinge im Jemen seit August

Seit dem erneuten Aufflammen der Kämpfe im Jemen sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 250.000 Menschen innerhalb des Landes vertrieben worden. Die Zahl beziehe sich auf den Zeitraum vom 1. August bis zum 17. Oktober, sagte der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, Matthew Saltmarsh, am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Das UNHCR sei "zutiefst beunruhigt angesichts der sich verschärfenden Lage" der Binnenflüchtlinge.

Umfrage in Bayern: Zustimmung für Aigner als mögliche Bundespräsidentin

Die als mögliche neue Bundespräsidentin gehandelte CSU-Politikerin Ilse Aigner genießt in Bayern mit Ausnahme der AfD parteiübergreifend Zustimmung. In einer am Dienstag vom Bayerischen Rundfunk veröffentlichten Umfrage nannten 59 Prozent aller Befragten Aigner eine gute Besetzung für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier. 22 Prozent sehen das nicht so, fast jeder Fünfte in Bayern hat keine Meinung oder machte keine Angaben.

Textgröße ändern: