Deutsche Tageszeitung - Hongkonger Gericht bestätigt Einstufung von Aktivisten als "ausländische Agenten"

Hongkonger Gericht bestätigt Einstufung von Aktivisten als "ausländische Agenten"


Hongkonger Gericht bestätigt Einstufung von Aktivisten als "ausländische Agenten"
Hongkonger Gericht bestätigt Einstufung von Aktivisten als "ausländische Agenten" / Foto: © AFP/Archiv

Hongkonger Ermittler dürfen einem Gerichtsurteil zufolge Organisatoren des Tiananmen-Gedenkens ohne Angabe näherer Gründe als "ausländische Agenten" einstufen. Ein Gericht in der chinesischen Sonderverwaltungszone gestand den Ermittlungsbehörden am Mittwoch zu, Beweise für eine solche Einstufung zurückhalten zu dürfen. Das Urteil erging weniger als zwei Monate vor Beginn eines Prozesses gegen drei pro-demokratische Aktivisten, denen im Zusammenhang mit den einst jährlichen Tiananmen-Mahnwachen "Aufstachelung zum Umsturz" vorgeworfen wird.

Textgröße ändern:

Die Einstufung betrifft fünf Vertreter der sogenannten Hongkonger Allianz. Die inzwischen aufgelöste Organisation hatte mehr als drei Jahrzehnte lang jährlich Mahnwachen organisiert, um an die blutige Zerschlagung der pro-demokratischen Proteste auf dem Pekinger Tiananmen-Platz im Jahr 1989 zu erinnern.

Seit Inkrafttreten des umstrittenen Sicherheitsgesetzes in Hongkong im Jahr 2020 gehen die Behörden der Finanzmetropole massiv gegen Vertreter der Allianz vor. Unter Berufung auf das Sicherheitsgesetz warfen die Behörden der Allianz "Aufstachelung zum Umsturz" vor und forderten von ihr die Herausgabe von Daten über ihre Mitglieder, Einkünfte sowie Verbindungen zum Ausland.

Zur Begründung gaben die Behörden an, die Allianz wirke als "ausländischer Agent" in Hongkong. Mit wem die Allianz angeblich zusammenarbeiten soll, blieb allerdings unklar.

Im vergangenen Jahr nahm die Polizei die Vize-Vorsitzende der Allianz, Chow Hang-tung, und vier weitere führende Mitglieder der Organisation fest, weil diese die Herausgabe der Daten an die Behörden verweigerten. Chow und die Verteidiger ihrer Mitstreiter forderten die Ermittler daraufhin auf offenzulegen, welche Art von Kollaboration mit ausländischen Stellen der Allianz konkret zur Last gelegt werde.

Diese Forderung wies der zuständige Richter im Vorverfahren, Peter Law, am Mittwoch aber zurück. Die "vollständige Offenlegung aller Dokumente" der Ermittler stelle ein Risiko für die "nationale Sicherheit" dar, erklärte er.

Chow und ihre Mitstreiter befürchten, dass sich die Gerichtsentscheidung negativ auf ihre Verteidigungsmöglichkeiten im am 13. Juli beginnenden Hauptprozess auswirkt. Vor Gericht stehen neben der Vize-Vorsitzenden zwei weitere führende Mitglieder der Allianz. Die beiden anderen im vergangenen Jahr festgenommenen Vertreter der Organisation haben bereits auf schuldig plädiert.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Emirate schicken Diplomatin Nusseibeh ins Rennen um Amt der UN-Generalsekretärin

Die Vereinigten Arabischen Emirate schicken die Diplomatin Lana Nusseibeh ins Rennen um die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres. Nach der Ablehnung aller bisherigen Kandidaten durch die Vetomächte bei der jüngsten Probeabstimmung im UN-Sicherheitsrat nominierten die Emirate am Mittwoch die Staatsministerin im Außenministerium für den höchsten UN-Posten.

Selenskyj befürwortet Gespräche mit den USA und Russland "so bald wie möglich"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich für schnellstmögliche Verhandlungen mit den USA und Russland über ein Ende des Ukraine-Krieges ausgesprochen. "Wir haben erfahren, dass Russland einem trilateralen Treffen zwischen unseren Teams positiv gegenübersteht", sagte Selenskyj am Mittwoch zu Journalisten in Kiew. "Die amerikanische Seite schlägt vor, dieses Treffen so bald wie möglich zu organisieren. Wir sind dafür", fügte er hinzu.

Cambridge-Analytica-Skandal: Meta zu 25 Milliarden Dollar Strafe verurteilt

Gut acht Jahre nach dem Cambridge-Analytica-Skandal um den Missbrauch von Facebook-Nutzerdaten ist der Mutterkonzern Meta zu einem Milliarden-Bußgeld verurteilt worden. Ein Richter in Santa Fe im Bundesstaat New Mexico brummte Meta am Mittwoch eine Strafzahlung von 25 Milliarden Dollar (gut 22 Milliarden Euro) auf, wie der Sender CNBC und andere Medien berichteten. Der Konzern will das Urteil demnach anfechten.

Witkoff: Gespräche mit Putin waren "konstruktiv", es gibt aber noch "wichtige Arbeit"

Der Sondergesandte von US-Präsident Donald Trump, Steve Witkoff, hat seine Gespräche mit Kreml-Chef Wladimir Putin über ein Ende des Ukraine-Kriegs als "konstruktiv" bezeichnet. "Die Diskussionen waren konstruktiv und werden mit trilateralen Gesprächen zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine fortgesetzt", schrieb Witkoff am Mittwoch in Onlinediensten. "Es gibt noch wichtige Arbeit zu erledigen, aber Präsident Trump bleibt entschlossen, sich weiter für ein Ende dieses Krieges einzusetzen."

Textgröße ändern: