Deutsche Tageszeitung - Russland meldet "vollständige" Einnahme von Stahlwerk in Mariupol

Russland meldet "vollständige" Einnahme von Stahlwerk in Mariupol


Russland meldet "vollständige" Einnahme von Stahlwerk in Mariupol
Russland meldet "vollständige" Einnahme von Stahlwerk in Mariupol / Foto: © AFP

Russland hat nach der Kapitulation der letzten verbliebenen ukrainischen Soldaten im Stahlwerk von Mariupol die völlige Einnahme des Industriekomplexes gemeldet. Präsident Wladimir Putin sei von Verteidigungsminister Sergej Schoigu über "das Ende des Einsatzes und die vollständige Befreiung" des Asow-Stahlwerks und der strategisch wichtigen Hafenstadt im Südosten der Ukraine informiert worden, teilte Igor Konaschenkow, Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums auf Telegram am Freitag mit. Zuvor hatten die ukrainischen Streitkräfte nach wochenlangen, erbitterten Kämpfen die Verteidigung der Stadt aufgegeben.

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Am Freitag habe sich "die letzte Gruppe von 531 Kämpfern ergeben", erklärte der Sprecher. Insgesamt hätten sich seit Montag 2439 "Nazis" des Asow-Regiments und ukrainische Soldaten ergeben. "Die unterirdischen Anlagen der Fabrik, in denen sich die Kämpfer versteckt hielten, stehen nun vollständig unter der Kontrolle der russischen Streitkräfte."

Der Anführer des Asow-Regiments sei in einem "gepanzerten Spezialfahrzeug" aus der Fabrik gebracht worden, um ihn vor "dem Hass der Einwohner von Mariupol und ihrem Wunsch, ihn zu bestrafen" zu schützen, fügte Konaschenkow hinzu. Das Asow-Regiment ist eine ehemals rechtsextreme Einheit, die inzwischen in die ukrainische Nationalgarde integriert wurde und für den Mut ihrer Kämpfer bekannt ist.

Zuvor hatten am Freitag die letzten ukrainischen Kämpfer in dem Industriekomplex erklärt, sie hätten die Anordnung aus Kiew erhalten, die Verteidigung der Stadt einzustellen. Die ukrainische Militärführung habe den Befehl gegeben, "das Leben der Soldaten unserer Garnison zu retten", sagte Asow-Kommandeur Denys Prokopenko in einer Videobotschaft.

Russland hatte bereits im April nach wochenlanger Belagerung erklärt, die Kontrolle über Mariupol im Südosten des Landes übernommen zu haben. Allerdings hatten sich hunderte ukrainische Soldaten im Tunnelsystem unter dem riesigen Industriekomplex von Asow-Stahl verschanzt. Diese Woche begannen die verbliebenen Kämpfer, sich zu ergeben.

Die ukrainische Regierung hofft auf die Befreiung der Kämpfer im Rahmen eines Gefangenenaustausches. Die russischen Behörden haben jedoch wiederholt darauf hingewiesen, dass sie zumindest einen Teil von ihnen nicht als Soldaten, sondern als neonazistische Kämpfer betrachten.

Dem ukrainischen Generalstab zufolge hatte der erbitterte Widerstand in der Hafenstadt den Vormarsch der russischen Streitkräfte auf die Großstadt Saporischschja, die sich nach wie vor in ukrainischer Hand befindet, entscheidend verlangsamt.

Auch in anderen Teilen der Ostukraine verkündete Moskau Erfolge. Die "Befreiung" der Region Luhansk sei "fast abgeschlossen", sagte Verteidigungsminister Schoigu. Russland hatte die pro-russischen Separatistengebiete Luhansk und Donezk im Donbass kurz vor dem Beginn des Angriffs auf das Nachbarland am 24. Februar als eigenständig anerkannt. Teile der Regionen standen bereits seit 2014 unter der Kontrolle pro-russischer Kräfte.

In der Region Luhansk werden inzwischen nur noch die durch einen Fluss getrennten Städte Sewerodonezk und Lyssytschansk von der Ukraine kontrolliert. Beide Orte wurden heftig bombardiert, wie AFP-Reporter berichteten. Der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gajdaj, sprach von zwölf Toten und 40 Verletzten bei Angriffen am Donnerstag. Es seien vor allem Wohnhäuser getroffen worden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj prangerte massive Angriffe der russischen Truppen im Osten des Landes an. "Die Besatzer versuchen, den Druck im Donbass weiter zu erhöhen. Es ist die Hölle, und das ist keine Übertreibung", sagte er in einer Videobotschaft. Er warb für weitere internationale Unterstützung.

Bei einem Angriff russischer Truppen auf ein Kulturzentrum in der Stadt Losowa wurden nach ukrainischen Angaben mindestens acht Menschen verletzt. Darunter sei auch ein elfjähriges Mädchen, erklärte der Regionalgouverneur von Charkiw, Oleg Sinegubow, am Freitag. Das Zentrum in der etwa 150 Kilometer südlich von Charkiw gelegenen Stadt war laut Präsident Selenskyj erst kürzlich wiedereröffnet worden

(O.Zhukova--DTZ)

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