Deutsche Tageszeitung - Australien fiebert Ausgang der Parlamentswahl entgegen

Australien fiebert Ausgang der Parlamentswahl entgegen


Australien fiebert Ausgang der Parlamentswahl entgegen
Australien fiebert Ausgang der Parlamentswahl entgegen / Foto: © AFP

Nach einem erbittert geführten Wahlkampf haben die Menschen in Australien am Samstag ein neues Parlament gewählt. An einigen Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen, wie eine AFP-Reporterin berichtete. 17 Millionen Australier sind für die Wahl registriert und sollen über die künftige Besetzung der beiden Parlamentskammern entscheiden. Der konservative Premierminister Scott Morrison kämpft um eine weitere dreijährige Amtszeit, in Umfragen lag zuletzt aber sein Mitte-Links-Herausforderer Anthony Albanese vorn.

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Während die Abstimmung in einigen Regionen noch lief, begann am Abend (Ortszeit) in einigen Bundesstaaten bereits die Auszählung. Albanese zeigte sich bei der Abgabe seiner Stimme im Vorort Marrickville von Sydney mit Blick auf das zu erwartende Wahlergebnis "sehr positiv". Er sei angetreten, "um das Land zu verändern, und das ist, was ich vorhabe zu tun", sagte er.

Der 59-Jährige hatte unter anderem mit Klima-Themen Wahlkampf gemacht und Maßnahmen angekündigt, um den unter der Inflation leidenden Menschen zu helfen. Als Premier würde Albanese nach eigenen Angaben zudem ein Referendum über die verbesserte Beteiligung indigener Gruppen an politischen Entscheidungsprozessen abhalten lassen.

Die Wähler forderte Albanese auf, den "spalterischen" Morrison abzuwählen. Morrison seinerseits attackierte seinen Rivalen ebenfalls auf persönlicher Ebene und beschrieb ihn als ungeeignet zur Führung einer großen Volkswirtschaft. In Umfragen lag Albanese' Labor-Partei zuletzt rund sechs Prozentpunkte vor dem Lager des 54-jährigen Amtsinhabers.

Viele Australierinnen und Australier machen Morrison für die vergangenen drei schweren Krisenjahre verantwortlich. Diese begannen 2019 mit riesigen Feuern im Osten des Landes, durch die ein Gebiet der Größe Finnlands verbrannte. Kaum waren die Brände gelöscht, begann die Corona-Pandemie.

Massive Verzögerungen beim Impfen führten zu verlängerten Lockdowns in den großen Städten des Landes und einer zwei Jahre andauernden Grenzschließung, die Familienmitglieder voneinander trennte und Australien den Ruf eines Einsiedlerstaates einbrachte. Auch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind für viele Australier spürbar, die Arbeitslosenrate ist so hoch wie seit 48 Jahren nicht mehr.

Im Februar richteten Überschwemmungen schwere Schäden an Australiens Ostküste an. Die Regierung sah sich mit Vorwürfen konfrontiert, den Katastrophenopfern zu spät und nicht ausreichend geholfen zu haben. Außerdem geriet angesichts der häufiger und heftiger werdenden Naturkatastrophen Morrisons Regierung wegen unzureichender Klimaschutzmaßnahmen in die Kritik. So will die konservative Regierung den Kohle-Export so lange wie möglich fortsetzen.

Unbeliebt ist Morrison vor allem bei der jungen Wählerschaft. "Ich bin in einer Gemeinde aufgewachsen, die in den vergangenen Jahren wirklich schwer von den Bränden und Überschwemmungen betroffen war", sagte der Erstwähler Jordan Neville in Melbourne. "Zu sehen, dass etwas dagegen getan wird, wäre großartig."

Morrison gab seine Stimme am Samstag in einem Wahllokal im Vorort Lilli Pilli von Sydney ab. Auf die Frage von Journalisten, wie er in Erinnerung bleiben wolle, sollte er die Wahl verlieren, sagte er, es sei an anderen, sich darüber ein Urteil zu bilden. Er habe sein Amt mit einem "großen Sinn für Demut" sowie Respekt für die Australierinnen und Australier ausgeübt, sagte Morrison. "Dies ist der Geist, in dem ich gedenke, weiterhin zu versuchen, ihren Job zu machen."

In Australien besteht Wahlpflicht. Laut Wahlkommission haben mehr als sieben Millionen Bürger ihre Stimme schon bei vorgezogenen Abstimmungsterminen oder per Briefwahl abgegeben.

(V.Sørensen--DTZ)

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