Deutsche Tageszeitung - Mindestens 47 Tote durch israelischen Angriff auf Flüchtlingslager im Gazastreifen

Mindestens 47 Tote durch israelischen Angriff auf Flüchtlingslager im Gazastreifen


Mindestens 47 Tote durch israelischen Angriff auf Flüchtlingslager im Gazastreifen
Mindestens 47 Tote durch israelischen Angriff auf Flüchtlingslager im Gazastreifen / Foto: © AFP

Durch die israelische Bombardierung eines Flüchtlingslagers im Norden des Gazastreifens sind mindestens 47 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Die israelische Armee teilte mit, Ziel des Angriffs auf Dschabalia seien Hamas-Stellungen gewesen, ein Hamas-Kommandeur sei unter den Toten. Nach Angaben der radikalislamischen Hamas kamen bei den Angriff auch sieben der von ihr aus Israel verschleppten Geiseln ums Leben. Unterdessen kündigte Israel eine Fortführung des Kriegs trotz "schmerzlicher Verluste" bis zum "Sieg" an.

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Israel hatte eigenen Angaben zufolge am Dienstag ein großes Tunnelsystem unter dem dicht besiedelten Flüchtlingslager Dschabalia im Norden des Palästinensergebiets bombardiert. Dabei seien der führende Hamas-Vertreter Ibrahim Biari und zahlreiche weitere Kämpfer der den Gazastreifen beherrschenden Palästinenserorganisation getötet worden.

Nach Hamas-Angaben wurden bei dem Angriff mindestens 50 Menschen getötet und 150 weitere verletzt. In einem Video der Nachrichtenagentur AFP ist zu sehen, dass mindestens 47 Tote aus den Trümmern geborgen wurden. Die Hamas erklärte später, unter den Todesopfern seien auch sieben der von ihr aus Israel verschleppten Geiseln, drei von ihnen mit ausländischer Staatsbürgerschaft.

Saudi-Arabien verurteilte die israelische Bombardierung "auf das Schärfste" und prangerte die "unmenschlichen Angriffe" auf das Flüchtlingslager "durch die israelischen Besatzungstruppen" an.

In Dschabalia sind nach Angaben des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) mehr als 116.000 Menschen als Flüchtlinge registriert. Die ersten Flüchtlinge zogen nach dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948 in das Flüchtlingslager, das eine Fläche von etwa 1,4 Quadratkilometern abdeckt.

Am 7. Oktober hatte die Hamas einen großangelegten Angriff auf Israel gestartet, bei dem rund 1400 Menschen getötet wurden, darunter viele Frauen, Kinder und ältere Menschen. Mindestens 240 Menschen wurden aus Israel von Hamas-Kämpfern in den Gazastreifen verschleppt, auch mehrere deutsche Staatsangehörige sind darunter. Durch Israels Vergeltungsschläge im Gazastreifen wurden nach Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums bisher mehr als 8.500 Menschen getötet, darunter den Angaben zufolge über 3500 Kinder. Das israelische Vorgehen löste in der gesamten arabischen Welt, auch in Saudi-Arabien, wütende Proteste aus.

Die israelische Armee hat eigenen Angaben vom Mittwoch zufolge seit Beginn des Krieges mehr als 11.000 Ziele im Gazastreifen getroffen. Dabei handele es sich um Ziele "terroristischer Organisationen im Gazastreifen".

AFP-Reporter beobachteten unterdessen weitere israelische Panzer, die über die Grenze in den Norden des Gazastreifens fuhren. Bilder der israelischen Armee zeigten Soldaten, die zerbombte Häuser nach islamistischen Kämpfern und Geiseln durchsuchten. Nach israelischen Angaben wurden am Dienstag elf israelische Soldaten bei "erbitterten Kämpfen" mit der Hamas "tief im Gazastreifen" getötet. Die Zahl der getöteten israelischen Soldaten seit Beginn des Krieges stieg damit auf insgesamt 326.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte an, Israel werde seinen Krieg gegen die Hamas trotz "schmerzlicher Verluste" weiterführen. "Wir werden weitermachen bis zum Sieg", sagte Netanjahu in einer Fernsehbotschaft. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, hat angekündigt, den Gazastreifen in einen "Friedhof" für die israelischen Streitkräfte zu verwandeln.

Im Gazastreifen fiel am Mittwoch erneut die gesamte Internet- und Mobilfunkkommunikation aus. Das teilte die palästinensische Kommunikationsgesellschaft Paltel mit. Die Internetüberwachungsseite NetBlocks bestätigte eine Unterbrechung der Internetverbindung. Es ist bereits der zweite Ausfall dieser Art im Gazastreifen binnen einer Woche.

(M.Dorokhin--DTZ)

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