Deutsche Tageszeitung - 15-Jähriger soll Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Nordrhein-Westfalen geplant haben

15-Jähriger soll Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Nordrhein-Westfalen geplant haben


15-Jähriger soll Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Nordrhein-Westfalen geplant haben
15-Jähriger soll Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Nordrhein-Westfalen geplant haben / Foto: © AFP/Archiv

Wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Anschlags auf einen Weihnachtsmarkt haben Ermittler in Nordrhein-Westfalen einen 15-Jährigen festgenommen. Der Jugendliche habe sich in einer Chatgruppe mit anderen über entsprechende Szenarien ausgetauscht und diese schließlich konkretisiert, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf. Daraufhin hätten die Sicherheitsbehörden zugegriffen und den Jugendlichen am Dienstag festgenommen sowie Beweismittel beschlagnahmt.

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Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf ließ den 15-Jährigen nach eigenen Angaben wegen des Verdachts der Planung und Vorbereitung eines terroristisch motivierten Anschlags festnehmen. Am Mittwoch habe das Amtsgericht in Leverkusen gegen diesen einen Haftbefehl eröffnet, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Mit Blick auf dessen jugendliches Altern nannte sie dabei jedoch keine weiteren Details.

Die Hinweise auf den Verdächtigen kamen nach Angaben Reuls aus dem Ausland. In der Chatgruppe habe der Verdächtigen zunächst noch über unterschiedliche Anschlagsideen gesprochen, schließlich sei es aber "sehr konkret" geworden. Dies sei auch der Grund für den Zugriff gewesen, sagte Reul. Die Chatteilnehmer hätten sich auf einen "ganz konkreten Weihnachtsmarkt" geeinigt. Einzelheiten nannte er nicht.

Wie die Polizei in Köln ergänzend mitteilte, ermittelte sie in dem Fall wegen Planung und Vorbereitung eines terroristisch motivierten Anschlags in ihrem "Zuständigkeitsbereich" gegen einen Jugendlichen aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis. "Wir haben die Ermittlungen im vorliegenden Fall in Köln geführt und den Jugendlichen aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse festgenommen", erklärte sie am Mittwoch.

Auch in Brandenburg gab es im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Anschlagsplanungen in der Chatgruppe demnach Ermittlungen, für Details verwies Reul auf die dortigen Sicherheitsbehörden. Einem Bericht des Westdeutschen Rundfunks (WDR) zufolge wurde auch dort ein Verdächtiger festgenommen. Dieser ist demnach 16 Jahre alt.

Nach Informationen des Senders handelt es sich bei dem Jugendlichen aus Nordrhein-Westfalen um einen Deutsch-Afghanen, der Sympathisant der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sein soll. Er soll sich demnach mit einem 16-jährigen Russen aus dem brandenburgischen Wittstock verabredet und über einen islamistischen Terroranschlag mit Brandsätzen oder einem Kleinlaster auf einen Weihnachtsmarkt oder eine Synagoge in Köln ausgetauscht haben. Der Verdächtige aus Brandenburg wird demnach ebenfalls als IS-Sympathisant eingestuft.

Laut WDR soll der in Nordrhein-Westfalen lebende Jugendliche in einem in einer Gruppe des sozialen Netzwerks Telegram kursierenden Video zum "Heiligen Krieg" gegen den Westen aufgerufen und einen Anschlag in Deutschland für kommenden Freitag angekündigt haben.

Nach Angaben Reuls wurden bei dem Verdächtigen in seinem Bundesland Beweismittel wie elektronische Datenträger beschlagnahmt. Der junge Mann sei der Polizei vorher nicht bekannt gewesen, fügte er hinzu.

Der Fall zeige die "abstrakt hohe Gefahr" durch den islamistischen Terrorismus, die "jederzeit konkret" werden könne, sagte Reul in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt vor Journalisten. Er sei auch deshalb "besonders beunruhigt", weil der Verdächtige "sehr jung" sei. Es werde darüber hinaus deutlich, dass sich der aktuelle Nahostkonflikt auch auf die Sicherheitslage in Nordrhein-Westfalen auswirke.

Die Kölner Polizei erklärte, sie sei "sehr wachsam" und stehe "im ständigen Austausch mit den Sicherheitsbehörden in Land und Bund", um die Bevölkerung zu schützen. Der Fall zeige ferner erneut, dass das "Frühwarnsystem" funktioniere. "Aktuell ergeben sich aus dem Verfahren keine Hinweise, die für eine Neubewertung der aktuellen Sicherheitslage sprechen", fügte die Beamtinnen und Beamten hinzu.

(U.Kabuchyn--DTZ)