Deutsche Tageszeitung - Waffeneinsatz gegen Russland: Berlin verärgert über Borrell

Waffeneinsatz gegen Russland: Berlin verärgert über Borrell


Waffeneinsatz gegen Russland: Berlin verärgert über Borrell
Waffeneinsatz gegen Russland: Berlin verärgert über Borrell / Foto: © AFP

Die Bundesregierung hat verärgert auf Äußerungen des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell zum Einsatz deutscher und anderer westlicher Waffen gegen russische Ziele durch die Ukraine reagiert. "Zum Ende seiner Amtszeit werden die Äußerungen Herrn Borrells immer merkwürdiger", hieß es am Freitag aus deutschen Regierungskreisen. Borrell hatte Bedenken aus Deutschland und den USA zuvor als "lächerlich" abgetan, der Einsatz westlicher Waffen gegen Ziele innerhalb Russlands könne zu einer Konfrontation mit Moskau führen.

Textgröße ändern:

Dazu hieß es in Berlin, der 77-jährige Borrell spreche "immer weniger für die Europäische Union und immer mehr für sich". Angesichts der jüngsten russischen Luftangriffe hatte der Spanier die Forderung des ukrainischen Außenministers Dmytro Kuleba unterstützt, westliche Waffen gegen "legitime militärische Ziele tief in Russland" einsetzen zu können.

Borrell nannte es "lächerlich zu behaupten, dass das Zulassen von Zielen auf russischem Territorium bedeutet, dass wir uns im Krieg gegen Moskau befinden". Wenn die Ukraine mit westlichen Waffen auf Angriffe von russischem Gebiet reagiere, entspreche dies internationalem Recht, sagte er am Rande eines informellen EU-Verteidigungsministertreffens in Brüssel, ohne Berlin und Washington zu nennen.

Erst beim Nato-Gipfel in Washington im Juli hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor einer "Eskalation" mit Russland gewarnt, falls die Beschränkungen für den Waffeneinsatz fallen sollten. Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert von den Verbündeten immer wieder freie Hand gegen Moskau. Ende Mai gestatteten ihm Deutschland und die USA erstmals begrenzte Waffeneinsätze im russischen Grenzgebiet zur Region Charkiw.

Vertreter der Bundesregierung hatten sich in der Vergangenheit bereits mehrfach irritiert über Borrell gezeigt. Als wenig hilfreich gilt in Berlin auch dessen stark Israel-kritische Haltung im Gazakrieg.

Borrell ist seit Ende 2019 Außenbeauftragter und EU-Vizekommissionspräsident. Er gibt das Amt spätestens Ende November ab. Ihm soll die bisherige estnische Regierungschefin Kaja Kallas nachfolgen. Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten Kallas nach den Europawahlen Anfang Juni als neue Chefdiplomatin nominiert.

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

Hakeem Jeffries übernimmt Führung im US-Repräsentantenhaus und kündigt Korruptionsbekämpfung an

Hakeem Jeffries hat nach dem historischen Erfolg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen die Führung im Repräsentantenhaus übernommen. In seiner Rede forderte er eine harte Linie gegen politische Korruption und betonte, dass die Demokratie wieder an die Spitze zurückgekehrt sei. Mit ihm wird erstmals ein Afroamerikaner das Amt des Sprecherpräsidenten bekleiden.

Merz sagt Selenskyj weitere Ukraine-Hilfe und europäischen Gipfel zu

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat der Ukraine bei einem Besuch von Präsident Wolodymyr Selenskyj in Berlin weitere Unterstützung zugesagt und einen Gipfel der „Koalition der Willigen“ für die kommende Woche angekündigt. „Die Ukraine kann sich auf Deutschland verlassen.

Trump kündigt Ende des milliardenschweren Israel-Hilfsprogramms an

US-Präsident Donald Trump hat das Aus für ein milliardenschweres Zehn-Jahres-Programm zur Unterstützung der Sicherheit Israels angekündigt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sei mit dem Schritt „einverstanden“, führte aus Trump am Dienstag in einem Telefoninterview mit dem US-Sender „Fox News“.

Russischer Angriff auf Dorf in Saporischschja fordert mindestens 33 Tote

Einen Tag nach dem tödlichen russischen Angriff auf ein Dorf in der Region Saporischschja befürchtet die Ukraine noch über 50 Menschen unter den Trümmern. „Ein einziger Angriff hat 33 Menschen getötet.

Textgröße ändern: