Deutsche Tageszeitung - Sachverständige fordern Abbau von Hürden für bestimmte Gruppen beim Ehrenamt

Sachverständige fordern Abbau von Hürden für bestimmte Gruppen beim Ehrenamt


Sachverständige fordern Abbau von Hürden für bestimmte Gruppen beim Ehrenamt
Sachverständige fordern Abbau von Hürden für bestimmte Gruppen beim Ehrenamt / Foto: © AFP/Archiv

Armut, Einwanderungsgeschichte oder Behinderung: Viele Faktoren können es Menschen erschweren, sich ehrenamtlich zu engagieren. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Engagementbericht, den das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen hat. Der von einer unabhängigen Sachverständigenkommission erstellte Bericht hält "gewaltige Anstrengungen" für nötig, um allen gesellschaftlichen Gruppen "gleiche Zugangschancen zum Engagement" zu eröffnen. "Freiwilliges Engagement muss inklusiver werden", forderte auch Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne).

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Die Erstellung des Berichts geht auf einen Bundestagsbeschluss zurück, wonach die Regierung einmal pro Legislaturperiode die Lage des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland beleuchten muss. Die Untersuchungen haben jeweils verschiedene Schwerpunkte. In dem am Mittwoch veröffentlichten vierten Bericht geht es um die Frage, wer es besonders schwer hat, sich freiwillig zu engagieren, und warum.

Die Kommission stellt in dem mehr als 200 Seiten langen Dokument insgesamt 13 Schwellen heraus, "über die soziale Ungleichheit auf sehr verschiedenen Ebenen im Engagement reproduziert wird". Dazu gehören etwa Mangel an Zeit und Geld sowie "Diskriminierung bei der Ansprache für ein Engagement" und fehlende für alle Menschen nutzbare Infrastruktur wie Räumlichkeiten. Weitere Faktoren sind dem Bericht zufolge "offene Bedrohung und Gewalt" sowie bürokratische Anforderungen.

"Ungleiche Zugangschancen zum Engagement sind in mehrfacher Hinsicht problematisch", betonen die Sachverständigen. Zum einen widerspreche es schlicht demokratischen Werten, "wenn an der gemeinsamen Formulierung und Umsetzung von Interessen sowie bei der konkreten Mitgestaltung von Gesellschaft" nicht alle sozialen Gruppen gleichermaßen teilnehmen können.

Außerdem hätten Studien gezeigt, dass Engagement zu höheren Einkommen führe. "Soziale Netzwerke, Kompetenzerwerb etwa in Leitungsfunktionen, Prestige und Anerkennung sind nur einige der individuellen Vorteile, die im Engagement erworben werden können und die zusammengenommen zu einer Verschärfung sozialer Ungleichheit beitragen."

Es sei somit "dringender Handlungsbedarf zu konstatieren", urteilen die Sachverständigen. Um gleiche Zugangschancen aller sozialer Gruppen zum freiwilligen Engagement zu erreichen, seien "gewaltige Anstrengungen über einen langen Zeitraum notwendig". Dazu gehöre eine "sichere, langfristige und auskömmliche Finanzierung der verschiedenen beteiligten Organisationen", heißt es weiter.

Ministerin Paus hob hervor, die deutsche Engagementlandschaft sei "lebendig und vielfältig, und sie bewirkt unglaublich viel Gutes". Paus unterstrich ebenfalls, dass "einfache Zugangsmöglichkeiten zum Engagement und für gesellschaftliche Beteiligung" nötig seien.

Das Kabinett verabschiedete am Mittwoch auch eine "Engagementstrategie" der Bundesregierung. Diese soll laut Paus "Beratung, Qualifizierung und Vernetzung" verbessern und den Zugang zu freiwilligem Engagement erleichtern. Die konkrete Umsetzung ist angesichts der baldigen Neuwahl des Bundestags allerdings fraglich.

(M.Travkina--DTZ)

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