Deutsche Tageszeitung - Palästinenserpräsident Abbas drängt Hamas zu Freilassung israelischer Geiseln

Palästinenserpräsident Abbas drängt Hamas zu Freilassung israelischer Geiseln


Palästinenserpräsident Abbas drängt Hamas zu Freilassung israelischer Geiseln
Palästinenserpräsident Abbas drängt Hamas zu Freilassung israelischer Geiseln / Foto: © AFP

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat die radikalislamische Hamas zur Freilassung der verbliebenen israelischen Geiseln im Gazastreifen aufgefordert. "Unser Volk zahlt den Preis (für die Geiselnahme), nicht Israel. (...) Lasst sie einfach frei", sagte Abbas am Mittwoch in Ramallah. Indes veröffentlichte der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, ein Video mit der israelisch-ungarischen Geisel Omri Miran, der eine schnelle Einigung auf eine Waffenruhe forderte.

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Die im Gazastreifen verbliebenen Geiseln lebten in ständiger Angst vor den Bombardierungen der israelischen Armee, sagt Miran in dem etwa dreiminütigen Video auf Hebräisch. Damit sie befreit würden, brauche es eine Waffenruhe.

Miran, der nach seinen eigenen Worten am 11. April 48 Jahre alt wurde, läuft zu Beginn des Videos durch einen Tunnel, dann ist er auf einer Matratze sitzend in einem kleinen Raum zu sehen. Dort sagt er, er unterstütze die Anti-Regierungsproteste in Israel. Der Vater zweier Töchter hatte die israelische Regierung bereits in einem vor rund einem Jahr veröffentlichten Video dazu aufgefordert, sich mit der Hamas auf die Freilassung der Geiseln zu einigen.

"Wir werden weiter kämpfen, bis Omri wieder bei uns ist", erklärte Mirans Familie. Dass israelische Staatsbürger aus den Tunneln der Hamas um Hilfe rufen müssten, verdeutliche das "moralische Versagen" des Staates Israel.

Indes forderten Deutschland, Frankreich und Großbritannien die israelische Regierung dazu auf, die Blockade von Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu beenden. "Die israelische Entscheidung, den Zugang von Hilfsgütern nach Gaza zu blockieren, ist untragbar", hieß es in einer am Mittwoch von den Außenministerien der drei Länder veröffentlichten Erklärung.

Als "inakzeptabel" bezeichneten die Chefdiplomaten zudem Israels Pläne für einen Verbleib im Gazastreifen nach dem Ende des Krieges sowie die "jüngsten Äußerungen" des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz, der die ausbleibende Lieferung von Hilfsgütern als "Druckmittel" gegen die im Gazastreifen herrschende islamistische Palästinenserorganisation Hamas bezeichnet hatte. "Humanitäre Hilfe darf niemals als politisches Druckmittel eingesetzt werden, und palästinensisches Gebiet darf weder verkleinert noch demografischen Veränderungen unterworfen werden", erklärten die Außenminister.

Palästinenserpräsident Abbas warf der mit seiner Fatah-Bewegung verfeindeten Hamas indes vor, Israel mit den Geiseln einen Vorwand für die israelischen "Verbrechen im Gazastreifen" zu liefern. Er beschimpfte die Hamas als "Söhne von Hunden" und forderte: "Übergebt, was ihr habt, und holt uns da raus."

Ein Hamas-Vertreter nannte Abbas' Äußerungen "beleidigend": "Abbas verschiebt die Schuld für die Verbrechen und die anhaltenden Angriffe der Besatzung immer wieder verdächtigerweise auf unser Volk", sagte er.

Eine Delegation der radikalen Palästinenserorganisation befindet derzeit in Kairo, um dort mit den Vermittlern über Vorschläge für eine erneute Waffenruhe zu sprechen. Die Hamas hatte in der vergangenen Woche einen israelischen Vorschlag abgelehnt, der eine 45-tägige Feuerpause und die Übergabe von zehn lebenden israelischen Geiseln vorsah.

Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen wurden am Mittwoch nach Angaben der von der Hamas kontrollierten palästinensischen Zivilschutzbehörde mindestens 25 Menschen getötet. Mindestens elf Menschen starben demnach bei einem Angriff auf ein Schulgebäude in der Stadt Gaza, in dem Vertrieben untergebracht waren.

Israel hatte am 18. März nach einer knapp zweimonatigen Waffenruhe seine massiven Luftangriffe auf Hamas-Ziele im Gazastreifen wieder aufgenommen und eine neue Bodenoffensive gestartet. Erklärtes Ziel der israelischen Regierung ist es, den Druck auf die Hamas für eine Freilassung der in ihrer Gewalt verbliebenen israelischen Geiseln zu erhöhen. Nach Angaben der israelischen Armee befinden sich noch 24 lebende Geiseln in der Gewalt der Hamas, 34 weitere Geiseln sind demnach bereits tot.

(U.Beriyev--DTZ)

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