Deutsche Tageszeitung - Kanadas Premier Carney ruft Land nach Wahlsieg zu Einigkeit auf - Trump gratuliert

Kanadas Premier Carney ruft Land nach Wahlsieg zu Einigkeit auf - Trump gratuliert


Kanadas Premier Carney ruft Land nach Wahlsieg zu Einigkeit auf - Trump gratuliert
Kanadas Premier Carney ruft Land nach Wahlsieg zu Einigkeit auf - Trump gratuliert / Foto: © AFP

Der kanadische Premierminister Marc Carney hat sein Land nach dem Wahlsieg seiner Liberalen Partei angesichts der Drohungen aus den USA zu Einigkeit aufgerufen. "Es ist Zeit, mutig zu sein und dieser Krise mit der überwältigenden positiven Kraft eines vereinten Kanadas zu begegnen", sagte er am Dienstag (Ortszeit) bei seiner Siegesrede. Seine Partei hatte die Parlamentswahl vom Montag nach der Auszählung fast aller Stimmen gewonnen.

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US-Präsident Donald Trump habe Carney am Dienstag per Telefon gratuliert, teilte das Büro des kanadischen Regierungschefs mit. Beide wollten sich "in der nahen Zukunft" persönlich treffen und seien sich einig darin, wie wichtig es sei, dass Kanada und die USA "als unabhängige, souveräne Nationen" miteinander arbeiteten.

Die Beziehungen zwischen beiden Nachbarländern hatten sich mit Trumps Amtsantritt im Januar drastisch verschlechtert. Die Parlamentswahl fand vor dem Hintergrund der aggressiven Zollpolitik der USA sowie Trumps Drohungen statt, Kanada zum 51. US-Bundesstaat zu machen. Kurz nach Öffnung der Wahllokale wiederholte Trump entsprechende Äußerungen in seinem Onlinedienst Truth Social. Carney und sein konservativer Herausforderer Pierre Poilievre wiesen dies entschieden zurück.

Carney sagte in seiner Siegesrede weiter, er werde als Regierungschef einen "neuen Weg nach vorne" verfolgen. Die Welt habe sich durch Trumps Politik "fundamental verändert". "Unsere einstige Beziehung zu den Vereinigten Staaten ist vorbei", weil "Präsident Trump versucht, uns zu brechen, um uns zu besitzen", fügte Carney hinzu. "Wir werden diesen Handelskrieg gewinnen", sagte er weiter. Zugleich stimmte er die Kanadier auf herausfordernde Zeiten ein. Es stünden "schwierige Monate" bevor, "die Opfer verlangen werden".

Carney war mit seiner Liberalen Partei als Favorit ins Rennen gegangen. Die oppositionellen Konservativen hatten in Umfragen jedoch lange Zeit vor den Liberalen gelegen. Trumps aggressive Kanada-Politik führte in den vergangenen Monaten dann zu einem spektakulären Meinungsumschwung.

Carney hatte seinen Wahlkampf ganz auf den US-Präsidenten und dessen aggressive Zollpolitik sowie Drohungen ausgerichtet, Kanada zum 51. US-Bundesstaat machen zu wollen. Der Politologin Geneviève Tellier von der Universität Ottawa verdankt der ehemalige Zentralbankchef dieser Linie seinen Wahlerfolg. "Wenn es Donald Trump nicht gäbe, hätten die Konservativen wahrscheinlich gewonnen", sagte sie.

Carney hatte das Amt des kanadischen Regierungschefs Mitte März von Justin Trudeau übernommen, der angesichts der schlechter Umfragewerte und parteiinterner Meinungsverschiedenheiten zurückgetreten war.

Carney wird aller Voraussicht nach eine Minderheitsregierung anführen. Nach der Auszählung fast aller Wahlbezirke kommen seine Liberalen auf 169 Sitze im Parlament in Ottawa. Zur absoluten Mehrheit braucht es 172 Sitze. Die Liberalen reagieren bereits seit 2019 mit einer Minderheitsregierung.

Poilievre räumte seine Niederlage ein und kündigte an, mit Carney zusammenzuarbeiten. "Wir werden Kanada immer zur Priorität machen", sagte er vor Anhängerinnen und Anhängern in Ottawa. Seine Partei werde "mit dem Premierminister und allen Parteien zusammenarbeiten, um die Interessen Kanadas zu verteidigen und ein neues Handelsabkommen zu erzielen, das diese Zölle hinter uns lässt und unsere Souveränität schützt".

Auch der Anführer des zur drittstärksten Kraft im Parlament gewählten separatistischen Partei Bloc Québécois, Yves-François Blanchet, rief zu einem "parteipolitischen Waffenstillstand" auf. Das Parlament müsse angesichts der US-Politik "stabil und verantwortungsvoll" sein.

(W.Budayev--DTZ)

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