Deutsche Tageszeitung - Nach Gewalt gegen Drusen in Syrien: Israel greift Ziele in Damaskus an

Nach Gewalt gegen Drusen in Syrien: Israel greift Ziele in Damaskus an


Nach Gewalt gegen Drusen in Syrien: Israel greift Ziele in Damaskus an
Nach Gewalt gegen Drusen in Syrien: Israel greift Ziele in Damaskus an / Foto: © AFP

Nach tagelanger Gewalt regierungsnaher Kämpfer gegen die drusische Glaubensgemeinschaft in Syrien hat Israel Ziele in der Nähe des Präsidentenpalasts in Damaskus angegriffen. Kampfflugzeuge hätten "die Umgebung des Palastes getroffen", erklärte die israelische Armee am Freitag im Onlinedienst Telegram. Zuvor hatte Verteidigungsminister Israel Katz gedroht, Israel werde mit Härte reagieren, wenn die islamistische syrische Regierung die drusische Minderheit nicht schütze. Die USA verurteilten die Gewalt gegen die Drusen scharf.

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In den vergangenen Tagen waren bei Kämpfen zwischen regierungsnahen Bewaffneten und Drusen nahe Damaskus laut Aktivisten mehr als hundert Menschen getötet worden. Der religiöse Anführer der syrischen Drusen sprach am Donnerstag von einer "Völkermordkampagne" der regierungsnahen Truppen. Diese sei "durch nichts zu rechtfertigen", erklärte Scheich Hikmat al-Hidschri. Er rief "internationale Kräfte" zum sofortigen Eingreifen auf, um "den Frieden zu sichern und eine Fortsetzung dieser Verbrechen zu verhindern".

Israel stuft die neue syrische Übergangsregierung unter Ahmed al-Scharaa als Dschihadisten ein. Seit dem Sturz des langjährigen syrischen Machthabers Baschar al-Assad durch von Islamisten angeführte Milizen im Dezember griff die israelische Luftwaffe bereits hunderte Ziele in Syrien an.

Syriens Außenminister Asaad al-Schaibani rief am Donnerstag zur "nationalen Einheit" als Voraussetzung für "Stabilität und Wiederaufbau" auf. "Jeder Aufruf zu Interventionen von außen führt nur zu einer weiteren Verschlechterung und Spaltung", schrieb er im Onlinedienst X.

Die USA verurteilten die Gewalt gegen Mitglieder der drusischen Minderheit als "verwerflich und inakzeptabel". Die Übergangsbehörden in Damaskus müssten "die Kämpfe einstellen" und die Täter zur Rechenschaft ziehen, sagte Außenministeriumssprecherin Tammy Bruce am Donnerstag (Ortszeit).

Auslöser der jüngsten Gewalt war laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte die Veröffentlichung einer von Muslimen als "blasphemisch" eingestuften und einem Drusen zugeschriebenen Audiobotschaft. Bei den Kämpfen standen sich der Beobachtungsstelle zufolge "Truppen des Innen- und des Verteidigungsministeriums und mit ihnen verbündete Truppen" drusischen Kämpfern gegenüber.

Die syrische Regierung machte "gesetzlose Gruppen" für die Kämpfe verantwortlich. Drusenführer al-Hidschri warf der Regierung dagegen vor, "extremistische Milizen zu entsenden" und anschließend "nach den Massakern zu behaupten, es handele sich um ungehorsame Elemente".

In Syrien leben etwa 700.000 Drusen. Die aus dem Islam hervorgegangene religiöse Minderheit macht etwa drei Prozent der syrischen Bevölkerung aus. Drusen leben auch im Libanon, in Israel und auf den von Israel besetzten Golanhöhen an der Grenze zu Syrien.

Die neue syrische Führung hat wiederholt versichert, die Minderheiten im Land schützen zu wollen. Übergangspräsident al-Scharaa gibt sich seit dem Sturz von Assad Anfang im Dezember durch seine islamistische HTS-Miliz betont gemäßigt. Im März war es jedoch in vorwiegend von Angehörigen der religiösen Minderheit der Alawiten bewohnten Regionen zu Massakern an Zivilisten gekommen, bei denen Aktivisten zufolge mehr als 1700 Zivilisten getötet wurden.

(L.Barsayjeva--DTZ)

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