Deutsche Tageszeitung - Mindestens 80 Tote durch israelische Angriffe auf Gazastreifen

Mindestens 80 Tote durch israelische Angriffe auf Gazastreifen


Mindestens 80 Tote durch israelische Angriffe auf Gazastreifen
Mindestens 80 Tote durch israelische Angriffe auf Gazastreifen / Foto: © AFP

Während Israel am Mittwoch mit unverminderter Härte seine Luftangriffe auf den Gazastreifen fortgesetzt hat, haben Nichtregierungsorganisationen (NGO) die humanitäre Situation in dem Palästinensergebiet mit drastischen Worten verurteilt und vor einer "massiven Hungersnot" gewarnt. UN-Generalsekretär António Guterres sagte mit Blick auf die von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angekündigte neue Offensive, er "bezweifle, dass eine neue massive Militärintervention das Problem lösen wird".

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Die israelische Armee rief die Bewohner des Stadtteils Al-Rimal von Gaza am frühen Abend auf, das Gebiet "zu ihrem Schutz" zu verlassen. "Wegen der Nutzung ziviler Gebiete durch die Hamas für terroristische Aktivitäten" werde Israel das Gebiet "mit starker Kraft angreifen", teilte ein arabischsprachiger Armeesprecher im Onlinedienst X mit.

Ein Vertreter des Zivilschutzes im Gazastreifen, Mohammed al-Mughajjir, sagte AFP, seit Mittwochmorgen seien mindestens 80 Menschen durch israelische Bombenangriffe getötet worden, davon 59 im Norden des Gazastreifens.

Guterres kritisierte die neue Militäroffensive der israelischen Armee. "Ich bezweifle, dass eine neue massive Militärintervention das Problem lösen wird", sagte er bei einer Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Berlin. Guterres forderte erneut eine "sofortige und bedingungslose Freilassung aller Geiseln", die die islamistische Hamas im Gazastreifen festhält, ungehinderten Zugang humanitärer Hilfe für die Bevölkerung im Gazastreifen und ein sofortiges Ende der Kämpfe.

Merz forderte die israelische Regierung auf, "alles zu tun, damit die humanitären Verpflichtungen erfüllt werden, zu denen sich auch Israel im Rahmen der internationalen politischen Ordnung verpflichtet" habe. Zugleich verwies er auf die noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln, unter denen auch Deutschstämmige seien. "Bei dem, was die israelische Armee jetzt tut", müsse Rücksicht genommen werden, forderte der Kanzler mit Blick auf die Geiseln. "Wir wollen diese Geiseln lebend wiedersehen."

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni bezeichnete die humanitäre Situation im Gazastreifen als "immer dramatischer und durch nichts zu rechtfertigen". Es bestehe "die Notwendigkeit, das humanitäre Völkerrecht zu achten", erklärte Meloni vor dem italienischen Parlament. Die ultrarechte Regierung in Rom unterstützt die israelische Regierung in ihrem Kampf gegen die islamistische Palästinenserorganisation Hamas; bisher hatte sie die humanitäre Lage im Gazastreifen nicht kritisiert.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) machte Israel für die Schaffung einer "absichtlichen humanitären Katastrophe" verantwortlich. "Wir beobachten in Echtzeit die Schaffung von Bedingungen für eine Vernichtung palästinensischen Lebens in Gaza", erklärte die Organisation. "Gaza ist die Hölle auf Erden für Palästinenser geworden", hieß es weiter.

Mehrere NGO, darunter Ärzte der Welt, Ärzte ohne Grenzen und Oxfam, warnten vor der Gefahr einer "massenhaften Hungersnot" im Gazastreifen, wenn Israel weiter Lebensmittellieferungen blockiere. "Wenn die Grenzen nicht schnell geöffnet werden, könnte eine massenhafte Hungersnot beginnen", sagte Mahmud Isleen von Ärzte Ohne Grenzen Frankreich in den Palästinensergebieten bei einer Video-Pressekonferenz.

Netanjahu hatte am Montag angekündigt, dass die israelische Armee "mit voller Kraft" im Gazastreifen vorrücken werde. Seit dem 2. März blockiert Israel alle Hilfslieferungen in das abgeriegelte Palästinensergebiet. Die zuvor bereits bestehende Nahrungsmittel- und Medikamenten-Knappheit wurde dadurch noch einmal dramatisch verschärft. Netanjahu sagte zudem, sein Land werde sich darum bemühen, Länder zu finden, die Einwohner aus dem Gazastreifen bei sich aufnehmen.

Das israelische Sicherheitskabinett hatte Anfang des Monats eine Ausweitung der Offensive gebilligt und einen Plan verabschiedet, der eine "Eroberung" des Gazastreifens vorsieht.

Die Hamas und mit ihr verbündete Kämpfer hatten bei ihrem Großangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 rund 1200 Menschen getötet und 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. 57 Geiseln befinden sich weiterhin in der Gewalt der Islamisten, mindestens 34 von ihnen sind nach Angaben der israelischen Armee bereits tot.

Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die nicht unabhängig überprüft werden können, bislang mehr als 52.900 Menschen getötet.

(M.Dorokhin--DTZ)

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