Deutsche Tageszeitung - UN-Menschenrechtskommissar wirft Israel "ethnische Säuberung" im Gazastreifen vor

UN-Menschenrechtskommissar wirft Israel "ethnische Säuberung" im Gazastreifen vor


UN-Menschenrechtskommissar wirft Israel "ethnische Säuberung" im Gazastreifen vor
UN-Menschenrechtskommissar wirft Israel "ethnische Säuberung" im Gazastreifen vor / Foto: © AFP

UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hat Israel angesichts der verstärkten Angriffe im Gazastreifen "ethnische Säuberung" vorgeworfen. Die jüngste "Bombenwelle" und die Blockade humanitärer Hilfe für die Bevölkerung des Palästinensergebiets deuteten darauf hin, dass dort "eine permanente demografische Verschiebung" vorangetrieben werden solle, hieß es in einer am Freitag in Genf veröffentlichten Erklärung.

Textgröße ändern:

Dies verstoße gegen das Völkerrecht und sei "gleichbedeutend mit ethnischer Säuberung", erklärte Türk. Dieser "Wahnsinn" müsse beendet werden. Der UN-Menschenrechtsbeauftragte appellierte an mit Israel verbündete Staaten, dabei ihren Einfluss geltend zu machen. Die medizinische Versorgung im Gazastreifen breche zusammen und der "extreme Hunger" nehme aufgrund der israelischen Blockade zu, warnte Türk.

Israel hatte seine massiven Angriffe im Gazastreifen Mitte März nach einer zweimonatigen Waffenruhe wieder aufgenommen. Bereits seit dem 2. März blockiert die israelische Regierung zudem die humanitären Hilfslieferungen für den Gazastreifen. Nach eigenen Angaben will Israel damit Zugeständnisse der radikalislamischen Hamas erzwingen, die weiterhin Dutzende israelische Geiseln in ihrer Gewalt hat. Hilfsorganisationen warnen, die 2,4 Millionen Bewohner des Palästinensergebiets stünden vor einer Hungerkatastrophe.

Israelischen Medienberichten vom Freitag zufolge hat die israelische Armee ihre Angriffe im Gazastreifen zuletzt weiter verstärkt, nachdem das Sicherheitskabinett Anfang Mai einen Plan verabschiedet hatte, der eine "Eroberung" des Gebiets vorsieht.

Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Zivilschutzbehörde in dem Gebiet wurden am Freitag bei israelischen Angriffen mindestens 88 Menschen getötet. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, sie hätten innerhalb von 24 Stunden "mehr als 150 Terrorziele im gesamten Gazastreifen getroffen".

Ausgelöst worden war der Gaza-Krieg durch den beispiellosen Großangriff der Hamas und mit verbündeter Kämpfer auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem nach israelischen Angaben rund 1200 Menschen getötet und 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden waren.

Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die nicht unabhängig überprüft werden können, bislang mehr als 53.000 Menschen getötet.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Iranische Staatsmedien: Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA in Pakistan pausiert

Die Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sind nach Angaben iranischer Staatsmedien unterbrochen worden. "Ende der 15-stündigen Marathongespräche am ersten Tag der Iran-USA-Gespräche in Islamabad", berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim in der Nacht auf Sonntag. Die Nachrichtenagentur Mehr berichtete, die Gespräche würden am Sonntag nach Sonnenaufgang fortgesetzt. Nach Angaben des Weißen Hauses gingen die Gespräche weit über Mitternacht hinaus.

Trump: Ausgang der Iran-Verhandlungen in Pakistan macht "keinen Unterschied"

US-Präsident Donald Trump hat die Bedeutung der Friedensgespräche mit dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad kleingeredet. "Ob wir einen Deal machen oder nicht, macht für mich keinen Unterschied", sagt Trump am Samstag am Weißen Haus zu Journalisten. "Der Grund ist, dass wir gewonnen haben."

Netanjahu: Wir haben Irans Atom- und Raketenprogramm zerstört - Erneut Demo in Tel Aviv

Israel und die USA haben nach Worten des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu bei ihren Angriffen auf den Iran das Atom- und Raketenprogramm des Landes zerstört. "Es ist uns gelungen, Irans Atomprogramm und sein Raketenprogramm zu zerschlagen", sagte Netanjahu am Samstagabend in einer Fernsehansprache. Der Iran verfüge inzwischen über "keine funktionierende Urananreicherungsanlage" mehr.

Kiew und Moskau werfen sich gegenseitig Verstöße gegen Oster-Feuerpause vor

Die Ukraine und Russland werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die von ihnen vereinbarte Feuerpause zum orthodoxen Osterfest vor. Die russischen Truppen hätten innerhalb weniger Stunden nach Inkrafttreten der Feuerpause bereits hunderte Male dagegen verstoßen, erklärte die ukrainische Armee am Samstagabend. Russland wiederum warf der ukrainischen Armee einen Drohnenangriff auf eine Tankstelle in der Region Kursk vor, bei dem unter anderem ein Baby verletzt worden sei.

Textgröße ändern: