Deutsche Tageszeitung - Kritik an Israels neuer Militäroffensive im Gazastreifen

Kritik an Israels neuer Militäroffensive im Gazastreifen


Kritik an Israels neuer Militäroffensive im Gazastreifen
Kritik an Israels neuer Militäroffensive im Gazastreifen / Foto: © AFP

Israels neue Militäroffensive im Gazastreifen ist international auf Kritik gestoßen. Unter anderem Deutschland äußerte sich besorgt über das israelische Vorgehen. Die israelische Armee will mit der Ausweitung der Offensive im Gazastreifen nach eigenen Angaben "alle Kriegsziele" Israels erreichen, neben der Befreiung der Geiseln auch einen "Sieg über die Hamas". Am Sonntag wurden bei israelischen Angriffen nach palästinensischen Angaben mehr als 30 Menschen getötet.

Textgröße ändern:

Die israelische Armee gab am Samstag bekannt, sie habe mit "umfassenden Angriffen" begonnen und Soldaten verlegt, um die Kontrolle über weitere Teile des Gazastreifens zu erlangen. Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte zuvor ein Vorrücken "mit voller Kraft" angekündigt, um "den Einsatz abzuschließen". Dies bedeute die "Zerschlagung" und "Zerstörung" der radikalislamischen Hamas.

Die Ausweitung der Offensive erfolgte nun kurz nach dem Ende der Reise von US-Präsident Donald Trump durch die Golfstaaten Saudi-Arabien, Katar und Vereinigte Arabische Emirate.

Die von der Hamas kontrollierte Zivilschutzbehörde im Gazastreifen teilte am Sonntag mit, bei neuen Angriffen seien mindestens 33 Menschen getötet worden. 22 Tote habe es allein bei einem Angriff auf Zelte von Vertriebenen in Al-Mawasi im Süden des Palästinensergebiets gegeben.

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte am Samstag, die erneute israelische Bodenoffensive sei "Grund zu tiefer Sorge". Das aktuelle Vorgehen der israelischen Armee "könnte das Leben der verbliebenen Geiseln gefährden, darunter auch der deutschen, die nach fast 600 Tagen noch immer in den Hamas-Kerkern um ihr Überleben fürchten müssen", erklärte ein Sprecher. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) telefonierte demnach am Samstag mit seinem israelischen Kollegen Gideon Saar.

Italien rief Israel auf, sein Vorgehen zu stoppen. "Genug mit den Angriffen", sagte der italienische Außenminister Antonio Tajani. Der neue Papst Leo XIV. sagte nach seiner Amtseinführung in einem Gebet, im Gazastreifen seien "Kinder, Familien und ältere Überlebende dem Hunger ausgeliefert".

Bei einem Gipfel der Arabischen Liga in Bagdad rief UN-Generalsekretär António Guterres zu einem sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand auf. In der Abschlusserklärung des Gipfels wurde die internationale Gemeinschaft aufgefordert, "Druck auszuüben, um das Blutvergießen zu beenden und sicherzustellen, dass dringend benötigte humanitäre Hilfe ungehindert eintreffen kann".

Unterdessen begannen in Doha in Katar neue indirekte Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas. Der Hamas-Vertreter Taher al-Nunu sprach am Samstag von Gesprächen "ohne Vorbedingungen". Netanjahu erklärte am Sonntag, Israel sei offen für ein Abkommen zur "Beendigung der Kämpfe". Als Bedingungen nannte er die Freilassung aller Geiseln, "die Verbannung der Hamas-Terroristen und die Abrüstung des Gazastreifens". Vorherige Verhandlungen hatten nicht zu einem Durchbruch geführt.

In Tel Aviv gingen am Samstag wieder zahlreiche Menschen für ein Abkommen und eine Freilassung der Geiseln auf die Straße. Netanjahu führe einen "unnötigen" Krieg, "der zum Tod von Geiseln und Soldaten führen wird", sagte Zahiro Shahar Mor, dessen Onkel Avraham Munder im Gazastreifen getötet wurde.

Israel hatte seine massiven Angriffe im Gazastreifen Mitte März nach einer zweimonatigen Waffenruhe wieder aufgenommen. Bereits seit Anfang März blockiert Israel zudem die humanitären Hilfslieferungen. Nach eigenen Angaben will Israel damit Zugeständnisse der Hamas erzwingen, die weiterhin 57 Geiseln in ihrer Gewalt hat. 34 von ihnen sind nach israelischen Angaben bereits tot.

Ausgelöst worden war der Gazakrieg durch den Großangriff der Hamas und mit ihr verbündeter Kämpfer auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet wurden. Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die nicht unabhängig überprüft werden können, bislang mehr als 53.300 Menschen getötet.

(P.Hansen--DTZ)

Empfohlen

Kiew und Moskau werfen sich gegenseitig Verstöße gegen Oster-Feuerpause vor

Die Ukraine und Russland werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die von ihnen vereinbarte Feuerpause zum orthodoxen Osterfest vor. Die russischen Truppen hätten innerhalb weniger Stunden nach Inkrafttreten der Feuerpause bereits hunderte Male dagegen verstoßen, erklärte die ukrainische Armee am Samstagabend. Russland wiederum warf der ukrainischen Armee einen Drohnenangriff auf eine Tankstelle in der Region Kursk vor, bei dem unter anderem ein Baby verletzt worden sei.

Mehr als 200 Festnahmen bei pro-palästinensischer Demonstration in London

In London sind bei einer pro-palästinensischen Kundgebung mehr als 200 Menschen festgenommen worden. Die Polizei gab am Samstagabend im Onlinedienst X die Festnahme von 212 Menschen bekannt - "im Alter von 27 bis 82 Jahren". Mehrere hundert Menschen hatten sich zuvor auf dem Trafalger Square im Zentrum der britischen Hauptstadt zu einem stillen Protest versammelt, um die Aufhebung des Verbots der Gruppe "Palestine Action" zu fordern.

Teheran dementiert Durchfahrt von US-Kriegsschiffen durch Straße von Hormus

Der Iran hat Angaben des US-Militärs dementiert, wonach am Samstag zwei US-Kriegsschiffe die Straße von Hormus durchquerten. Die entsprechenden Angaben des für den Nahen Osten zuständige US-Militärkommando Centcom würden "scharf zurückgewiesen", erklärte der iranische Armeesprecher Ebrahim Zolfaghari am Samstagabend nach Angaben des Staatsfernsehens. "Die Entscheidung über die Durchfahrt von welchem Schiff auch immer liegt bei den Streitkräften der Islamischen Republik des Irans", betonte er.

Kiew meldet hunderte russische Verstöße gegen Oster-Feuerpause

Bereits wenige Stunden nach Inkrafttreten einer Feuerpause zum orthodoxen Osterfest hat Russland nach ukrainischen Angaben hunderte Male dagegen verstoßen. "Seit 16.00 Uhr wurden 469 Verstöße gegen die Waffenruhe registriert", erklärte am Samstagabend der Generalstab der ukrainischen Armee. Es habe unter anderem 22 direkte Angriffe sowie 153 Bombenangriffe gegeben. Zudem seien fast 300 Drohnenangriffe gezählt worden.

Textgröße ändern: