Deutsche Tageszeitung - Vor drittem Gefangenenaustausch: Ukraine meldet zwölf Tote bei russischer Angriffswelle

Vor drittem Gefangenenaustausch: Ukraine meldet zwölf Tote bei russischer Angriffswelle


Vor drittem Gefangenenaustausch: Ukraine meldet zwölf Tote bei russischer Angriffswelle
Vor drittem Gefangenenaustausch: Ukraine meldet zwölf Tote bei russischer Angriffswelle / Foto: © AFP

Wenige Stunden vor dem geplanten Abschluss eines umfassenden Gefangenenaustauschs hat Russland die Ukraine erneut mit massiven Luftangriffen überzogen. Mindestens zwölf Menschen, unter ihnen zwei Kinder und ein Jugendlicher, seien in der Nacht zum Sonntag getötet worden, teilten Rettungsdienste und Behörden mit. Sie sprachen von einer "Nacht des Terrors" in der Region Kiew. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe griff Russland die Ukraine mit insgesamt 69 Raketen und 298 Kampfdrohnen an.

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Von den Angriffen seien die meisten ukrainischen Regionen betroffen gewesen, teilte die Luftwaffe mit. Demnach fing die Luftabwehr 45 Raketen und 266 Drohnen ab. "An 22 Orten wurden feindliche Luftangriffe gemeldet, und an 15 Orten fielen Trümmer von abgeschossenen Raketen und Drohnen herab", erklärte die Luftwaffe.

In der Hauptstadtregion wurden bei den "massiven nächtlichen Angriffen" mindestens vier Menschen getötet und 16 weitere verletzt, wie die Rettungsdienste mitteilten. Unter den Verletzten seien drei Kinder. Die Behörden hatten am frühen Morgen einen Angriff mit "dutzenden Drohnen" auf Kiew gemeldet und vor einem möglicherweise folgenden Raketenangriff gewarnt. Bürgermeister Vitali Klitschko befahl der Bevölkerung, in den Schutzräumen zu bleiben. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP hörten Explosionen.

In der Region Schytomyr im Nordwesten der Ukraine wurden nach Angaben von Rettungskräften drei Minderjährige im Alter von acht, zwölf und 17 Jahren getötet. Zehn weitere Menschen seien bei dem Angriff verletzt worden.

Der stellvertretende Leiter der Militärverwaltung der Region Chmelnyzkyj westlich von Kiew meldete vier Tote. "Letzte Nacht wurde die Region Chmelnyzkyj von feindlichen russischen Angriffen getroffen, bei denen zivile Infrastruktur zerstört wurde. Leider wurden vier Menschen getötet", erklärte Serhij Tjurin im Onlinedienst Telegram und fügte hinzu, dass fünf Menschen verletzt worden seien.

Auch aus den südukrainischen Regionen Cherson und Mikolajiw wurden nächtliche Angriffe gemeldet. In Mikolajiw wurde nach Angaben von Rettungsdiensten ein Mann bei einem Drohnenangriff auf ein Wohngebäude getötet.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigte seine Forderung nach einem verschärften Druck auf den Kreml. "Ohne wirklich starken Druck auf die russische Führung kann diese Brutalität nicht gestoppt werden", erklärte er in Onlinediensten. "Sanktionen werden sicherlich helfen", fügte er hinzu. Selenskyj rief die USA und die europäischen Verbündeten auf, "Entschlossenheit" zu zeigen, um Kreml-Chef Wladimir Putin dazu zu bringen, "den Krieg zu beenden".

Bereits in der Nacht zum Samstag hatte es einen "kombinierten" Angriff aus Drohnen und Raketen auf Kiew gegeben. Ukrainischen Angaben zufolge griff Russland mit 250 Drohnen 14 ballistischen Raketen an. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, 245 Drohnen und sechs Raketen abgefangen zu haben. Allein in Kiew wurden mindestens 15 Menschen verletzt.

Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte derweil, dass in der Nacht zum Sonntag etwa ein dutzend ukrainische Drohnen über der russischen Hauptstadt abgefangen worden seien. Nach Angaben der russischen Zivilluftfahrtbehörde wurde der Flugverkehr an vier Flughäfen vorübergehend eingestellt. Auch der größte Moskauer Flughafen Scheremetjewo war betroffen. Am Sonntagmorgen wurden die Einschränkungen wieder aufgehoben. Die russische Armee erklärte, in der Nacht landesweit 110 ukrainische Drohnen abgefangen zu haben.

Die jüngsten Angriffe ereigneten sich vor dem Hintergrund des größten Gefangenenaustausches zwischen Russland und der Ukraine seit dem Beginn des Kriegs vor gut drei Jahren.

Am Freitag hatten beide Seiten je 390 Gefangene zurückgegeben, am Samstag kamen jeweils 307 Gefangene frei. Am Sonntag soll der Austausch abgeschlossen werden. Bei den ersten direkten russisch-ukrainischen Gesprächen seit drei Jahren war in der vergangenen Woche in Istanbul vereinbart worden, dass beide Länder insgesamt jeweils 1000 Gefangene an die Gegenseite übergeben.

(L.Svenson--DTZ)

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