Deutsche Tageszeitung - Selenskyj: Moskau muss zu Diplomatie "gezwungen" werden

Selenskyj: Moskau muss zu Diplomatie "gezwungen" werden


Selenskyj: Moskau muss zu Diplomatie "gezwungen" werden
Selenskyj: Moskau muss zu Diplomatie "gezwungen" werden / Foto: © AFP

Vor dem Hintergrund anhaltender schwerer russischer Angriffe in der Ukraine hat Präsident Wolodymyr Selenskyj die Verbündeten dazu aufgerufen, den Druck auf Russland zu erhöhen. "Moskau muss zur Diplomatie gezwungen werden", sagte Selenskyj am Mittwoch beim Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe in Brüssel, dem er per Video zugeschaltet war. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bekräftigte unterdessen die Bereitschaft der Verbündeten, die Ukraine weiter "politisch, finanziell" und "militärisch" zu unterstützen.

Textgröße ändern:

Der ukrainische Präsident Selenskyj sagte, Russland müsse "weiterhin mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln unter Druck" gesetzt werden, um "seine Aggression Schritt für Schritt sinnlos" zu machen.

Die Gespräche über eine Waffenruhe zwischen der Ukraine und Russland verliefen bisher erfolglos. Selenskyj sagte am Mittwoch in Kiew, eine Fortsetzung der Gespräche seines Landes mit Russland in Istanbul mit den aktuellen Delegationen ergebe "keinen Sinn".

Die Ukraine befürchtet unterdessen eine russische Großoffensive in ihrer nordöstlichen Grenzregion Sumy. Selenskyj erklärte jüngst, Russland habe dort mehr als 50.000 Soldaten zusammengezogen. Zugleich setzt Russland seine massiven Bombardements der Ukraine fort. Selenskyj forderte in diesem Zusammenhang erneut mehr Unterstützung für die ukrainische Luftverteidigung. Zudem drängte er die Verbündeten, ihre Investitionen in die ukrainische Rüstungsindustrie zu erhöhen.

Beim Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe im sogenannten Ramsteinformat unter deutscher und britischer Führung wollten Vertreter von 50 Ländern die weitere Unterstützung der Ukraine besprechen. Schwerpunkte sollen laut Pistorius auf der Luftabwehr und dem Aufbau der ukrainischen Fähigkeiten zum elektromagnetischen Kampf liegen. Zudem verwies er auf den deutschen Plan, die Ukraine verstärkt bei der Produktion weitreichender Waffensysteme zu helfen.

Die Ukraine-Kontaktgruppe war im April 2022 vom damaligen US-Verteidigungsminister Lloyd Austin ins Leben gerufen worden, um die Hilfen für die Ukraine zu koordinieren. Nach dem Amtsantritt von Donald Trump zogen die USA sich aus der Führung des Formats zurück und kündigten keine neuen Militärhilfen für die Ukraine mehr an. Unter US-Präsident Joe Biden waren die USA der größte Unterstützer Kiews im Kampf gegen Moskau.

Austins Nachfolger Pete Hegseth nahm am Mittwoch nicht an dem Treffen teil. Er wird für das Treffen der Nato-Verteidigungsminister am Donnerstag in Brüssel erwartet.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte bekräftigte dennoch das Bekenntnis der USA zur Ukraine. "Die USA bekennen sich voll und ganz zur Nato und zu unseren gemeinsamen Unternehmungen", sagte Rutte. "Was die Ukraine betrifft, gibt es keinen Grund, daran zu zweifeln."

Pistorius sagte, es gebe bislang "keine Anzeichen", dass der Stopp finanzieller Unterstützung Washingtons für Kiew "endgültig" sei. Sollte dies aber der Fall sein, seien die Europäer und Deutschland "bereit, hier in die Verantwortung zu gehen". Es werde sich zeigen, "was wir kompensieren können", sagte Pistorius.

Der US-Nato-Botschafter Matthew Whitaker warnte unterdessen, Moskau bereite bereits die nächsten Schritte vor. Der Kreml arbeite daran, sein Militär wieder aufzubauen, sagte Whitaker in Brüssel vor Journalisten. Die Nato-Verbündeten müssen Russland bei der Aufrüstung "hinter sich lassen", forderte er. "Wir haben keine andere Wahl."

In der Nato hatte es rund um Trumps Wiederwahl im November Befürchtungen gegeben, der Republikaner könnte dem transatlantischen Militärbündnis den Rücken kehren. Trump hatte den europäischen Verbündeten und Kanada im Wahlkampf mit einem Aus des Beistandspakts gedroht, wenn sie nicht genug in die eigene Verteidigung investierten.

(S.A.Dudajev--DTZ)

Empfohlen

Ex-US-Vizepräsidentin Harris deutet erneute Präsidentschaftskandidatur an

Knapp anderthalb Jahre nach ihrer Niederlage bei der US-Präsidentschaftswahl hat die frühere US-Vizepräsidentin Kamala Harris eine erneute Kandidatur angedeutet. Bei einer Veranstaltung einer Bürgerrechtsorganisation in New York sagte Harris am Freitag auf eine entsprechende Frage: "Ich könnte, ich könnte. Ich denke darüber nach!" Es war Harris' bisher stärkster Hinweis darauf, dass sie bei Wahl im Jahr 2028 erneut antreten könnte.

Behörden: 13 libanesische Sicherheitskräfte bei israelischem Angriff getötet

Bei israelischen Angriffen auf die Stadt Nabatijeh im Süden des Libanons sind nach offiziellen Angaben am Freitag 13 Mitglieder der libanesischen Sicherheitskräfte getötet worden. Der amtlichen Nachrichtenagentur NNA zufolge flog die israelische Luftwaffe "eine Serie heftiger Luftangriffe" auf die Stadt. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah starke Zerstörungen in Nabatijeh.

Trump warnt vor Scheitern der Iran-Gespräche und droht mit neuen Angriffen

Kurz vor den geplanten Friedensgesprächen zum Iran-Krieg in Pakistan hat US-Präsident Donald Trump vor einem Scheitern gewarnt und mit neuen Angriffen auf die Islamische Republik gedroht. "Wir beladen die Schiffe mit der besten Munition, den besten Waffen, die je hergestellt wurden – sogar besser als das, was wir zuvor eingesetzt haben", sagte Trump in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der "New York Post".

Vor erwarteten Friedensverhandlungen in Pakistan: USA und Iran erhöhen den Druck

Vor dem erwarteten Beginn der Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran in Pakistan haben beide Seiten den Druck erhöht. Der US-Vizepräsident und designierte Verhandlungsführer JD Vance warnte Teheran am Freitag vor seiner Abreise davor, "Spielchen zu spielen". Auf iranischer Seite bestand Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf darauf, dass noch vor Beginn der Gespräche ein Waffenstillstand im Libanon in Kraft treten und eingefrorene iranische Vermögenswerte freigegeben werden müssten.

Textgröße ändern: