Deutsche Tageszeitung - Merz besteht Feuerprobe bei Trump - US-Präsident lobt Bundeskanzler

Merz besteht Feuerprobe bei Trump - US-Präsident lobt Bundeskanzler


Merz besteht Feuerprobe bei Trump - US-Präsident lobt Bundeskanzler
Merz besteht Feuerprobe bei Trump - US-Präsident lobt Bundeskanzler / Foto: © AFP

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat seine Feuerprobe bei US-Präsident Donald Trump bestanden. Beim Antrittsbesuch des Kanzlers im Weißen Haus lobte Trump Merz am Donnerstag als "großartigen Vertreter Deutschlands" und nannte es "eine positive Sache", dass die Bundesregierung deutlich mehr Geld für Verteidigung ausgeben will. Die befürchtete Konfrontation zur deutschen Innenpolitik blieb aus. Die Reaktionen im Berliner Regierungslager fielen erleichtert aus.

Textgröße ändern:

Zu Beginn des Empfangs für Merz im Oval Office sagte Trump, es sei eine "Ehre", den Bundeskanzler zu empfangen. Er strebe eine "großartige Beziehung" zur Bundesrepublik an. Trump lobte die geplante Steigerung der deutschen Verteidigungsausgaben. "Ich weiß, dass Sie jetzt mehr Geld für die Verteidigung ausgeben, ziemlich viel mehr Geld, und das ist eine positive Sache", sagte Trump an Merz gerichtet vor laufenden Kameras.

In seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) hatte der Republikaner jahrelang Druck auf die Bundesregierung gemacht, die Ausgaben zu steigern. Merz sagte kürzlich zu, die deutschen Verteidigungsausgaben im Rahmen der Nato wie von Trump gefordert in den kommenden Jahren auf insgesamt fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu steigern.

Trump sagte Merz seinerseits zu, die in Deutschland stationierten Truppen vorerst im Land zu belassen. Wenn Deutschland sie haben wolle, sei das "kein Problem", sagte Trump auf eine Journalistenfrage. Zwar sei der Unterhalt der Streitkräfte sehr teuer, weil sie hoch bezahlt seien, aber die Beziehungen zu Deutschland seien wichtig, betonte Trump. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums waren zuletzt rund 35.000 Soldaten in Deutschland.

Merz sprach bei seinem ersten persönlichen Treffen mit Trump den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine an. Er rief den US-Präsidenten auf Englisch auf, "mehr Druck" auf Russland auszuüben und nannte ihn eine "Schlüsselfigur" für einen Frieden in der Ukraine. Der seit mehr als drei Jahren andauernde Krieg sei schrecklich, und Europa und die USA müssten gemeinsam an einer Friedenslösung arbeiten, sagte Merz, während Trump ihm beipflichtete.

Bei dem Thema wurden allerdings auch Unterschiede deutlich: Trump legte sich erneut nicht auf verschärfte US-Sanktionen gegen Russland fest. Er sagte auf die Frage eines Reporters lediglich, er werde "sehr sehr hart" reagieren, sollten die Kämpfe nicht aufhören. Dies könne Russland wie auch die Ukraine treffen.

Die "New York Times" hatte vor dem Treffen berichtet, Trump wolle Merz womöglich mit angeblichen Defiziten bei der Meinungsfreiheit in Deutschland konfrontieren. Dies bewahrheitete sich nicht. Merz hatte nach seiner Ankunft in Washington gesagt, er werde Trump in einem solchen Fall "sehr klar" seine Meinung sagen.

Bei einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj war es Ende Februar im Oval Office zum Eklat gekommen. Auch der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa wurde dort im Mai vor laufenden Kameras von Trump angegangen. Zu solchen Provokationen kam es mit Merz nicht. Trump bemerkte lediglich, Merz sei ein "schwieriger" Ansprechpartner. Dies war aber offenbar als Lob gemeint.

Der US-Präsident kam auch auf den Zollstreit mit der Europäischen Union zu sprechen. Dazu sagte Trump, er setze auf ein "gutes Handelsabkommen" mit der EU. Zuletzt hatte der Republikaner eine Frist bis zum 9. Juli für eine Verhandlungslösung gesetzt.

Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Metin Hakverdi (SPD), nannte Merz' Besuch einen Erfolg. Dem Kanzler sei es offensichtlich gelungen, "eine gute persönliche Beziehung" zu Trump aufzubauen, sagte Hakverdi dem Berliner "Tagesspiegel" (Online- und Freitagsausgabe). Der CDU-Politiker Jürgen Hardt nannte das Treffen "vielversprechend". Die FDP-Politikerin Agnes Strack-Zimmermann sagte der "Rheinischen Post", Merz sei "cool geblieben".

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

Behörden: 13 libanesische Sicherheitskräfte bei israelischem Angriff getötet

Bei israelischen Angriffen auf die Stadt Nabatijeh im Süden des Libanons sind nach offiziellen Angaben am Freitag 13 Mitglieder der libanesischen Sicherheitskräfte getötet worden. Der amtlichen Nachrichtenagentur NNA zufolge flog die israelische Luftwaffe "eine Serie heftiger Luftangriffe" auf die Stadt. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah starke Zerstörungen in Nabatijeh.

Trump warnt vor Scheitern der Iran-Gespräche und droht mit neuen Angriffen

Kurz vor den geplanten Friedensgesprächen zum Iran-Krieg in Pakistan hat US-Präsident Donald Trump vor einem Scheitern gewarnt und mit neuen Angriffen auf die Islamische Republik gedroht. "Wir beladen die Schiffe mit der besten Munition, den besten Waffen, die je hergestellt wurden – sogar besser als das, was wir zuvor eingesetzt haben", sagte Trump in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der "New York Post".

Vor erwarteten Friedensverhandlungen in Pakistan: USA und Iran erhöhen den Druck

Vor dem erwarteten Beginn der Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran in Pakistan haben beide Seiten den Druck erhöht. Der US-Vizepräsident und designierte Verhandlungsführer JD Vance warnte Teheran am Freitag vor seiner Abreise davor, "Spielchen zu spielen". Auf iranischer Seite bestand Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf darauf, dass noch vor Beginn der Gespräche ein Waffenstillstand im Libanon in Kraft treten und eingefrorene iranische Vermögenswerte freigegeben werden müssten.

Handfester Koalitionskrach um Entlastungen - Merz zählt Reiche an

Der Streit um Lösungen in der Energiepreiskrise hat sich zu einem handfesten Koalitionskrach ausgewachsen. Nachdem Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) offen auf Konfrontationskurs zu Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) gegangen war, wurde sie von Kanzler Friedrich Merz (CDU) angezählt. Merz sei "befremdet" über den Streit und mahne Reiche zur Zurückhaltung, wie aus seinem Umfeld verlautete. Die SPD warf Reiche koalitionsschädigendes Verhalten vor.

Textgröße ändern: