Deutsche Tageszeitung - Kritik an deutschen Grenzkontrollen beim Treffen der EU-Innenminister

Kritik an deutschen Grenzkontrollen beim Treffen der EU-Innenminister


Kritik an deutschen Grenzkontrollen beim Treffen der EU-Innenminister
Kritik an deutschen Grenzkontrollen beim Treffen der EU-Innenminister / Foto: © AFP/Archiv

Beim Treffen der EU-Innenminister in Luxemburg hat es zum Teil deutliche Kritik an Deutschlands verschärften Grenzkontrollen gegeben. "Wir sind gegen diese Kontrollen, die Kontrollen sind gegen den Spirit von Schengen", sagte etwa Luxemburgs Innenminister Léon Gloden am Freitag unter Verweis auf das gleichnamige Abkommen zur Personenfreizügigkeit, das an diesem Wochenende 40. Jubiläum feiert. EU-Innenkommissar Magnus Brunner forderte angesichts der regelmäßigen Verlängerung von Grenzkontrollen durch mehrere Mitgliedsstaaten: "Das muss aufhören, selbstverständlich."

Textgröße ändern:

Gloden sprach angesichts langer Staus für Pendler und weniger luxemburgischer Besucher in Deutschland von einer "Lose-Lose-Situation". Er hoffe, dass die Europäische Kommission "als Hüterin der Verträge jetzt auch da Zähne zeigt". Luxemburg bleibe dabei, dass die Grenzkontrollen "so schnell wie möglich abgeschafft" werden müssen.

Luxemburg hatte im Februar wegen der Verlängerung der deutschen Grenzkontrollen Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Sein Land werde aber kein Verfahren beim Europäischen Gerichtshof einleiten, sagte Gloden.

Auch der polnische Innenminister Tomasz Siemoniak warnte davor, die Errungenschaft der offenen Binnengrenzen zu "verspielen". "Wir möchten nachdrücklich betonen, dass wir internen Kontrollen nicht zustimmen", sagte Siemoniak.

Der spanische Innenminister Fernando Gómez mahnte, die Kontrollen müssten "die Ausnahme" bleiben und "nur vorübergehender Natur sein".

Der französische Innenminister Bruno Retailleau zeigte Verständnis dafür, dass "Deutschland seinen Bürgern mehr Entschlossenheit zeigen muss". Er habe dem deutschen Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) vorgeschlagen, gemeinsame Patrouillen vorzunehmen. Dabei dürften aber nicht Pendler oder "anständige" Menschen behindert werden, die von einem Land ins andere reisen wollten.

Deutschland hatte im Mai verstärkte Grenzkontrollen und die Zurückweisung von Asylsuchenden angeordnet. Seit 2015 nimmt Deutschland im Prinzip durchgehend mit wechselnder Intensität Kontrollen an seinen Grenzen im eigentlich kontrollfreien Schengenraum vor.

Nach Angaben der EU-Kommission wichen die Mitgliedsländer seit 2006 in mehr als 470 Fällen von dem Grundprinzip der unbegrenzten Reisefreiheit ab. Dabei darf ein Mitgliedsland laut Schengen-Kodex eigentlich nur im Fall "außergewöhnlicher Umstände" wieder an den Grenzen kontrollieren - und zwar "vorübergehend" und als "letztes Mittel".

EU-Innenkommissar Brunner sagte, die Kommission diskutiere deswegen "jeden Tag" und "intensiv" mit den Mitgliedsstaaten. Allerdings müsse auch die Kommission ihre "Hausaufgaben" machen und "dieses europäische Haus in Ordnung bringen, damit die Mitgliedsstaaten dann keine Binnengrenzkontrollen mehr durchführen müssen".

Bundesinnenminister Dobrindt nahm wegen der zeitgleich stattfindenden Innenministerkonferenz in Bremerhaven nicht an dem Treffen in Luxemburg teil.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

AfD in Mecklenburg-Vorpommern knapp vor SPD - CDU muss um Einzug zittern

Enges Rennen um den Schweriner Landtag: Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ist die AfD von Ministerpräsidentenkandidat Leif-Erik Holm laut Hochrechnungen knapp vor der regierenden SPD ins Ziel gegangen. Den Hochrechnungen für ARD und ZDF zufolge kam die AfD auf 37,3 bis 37,9 Prozent, gefolgt von der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit 35,5 bis 36,0 Prozent. Holm sieht den Regierungsauftrag bei seiner Partei, Schwesig sprach von einer "Aufholjagd". Die CDU kratzte an der Fünfprozenthürde.

Linken-Wahlsiegerin Eralp: Haben Regierungsauftrag für Berlin

Die Berliner Linken-Wahlsiegerin Elif Eralp sieht den Regierungsauftrag bei ihrer Partei. "Die Berlinerinnen und Berliner haben mir, haben uns, den klaren Auftrag fürs Rote Rathaus gegeben", sagte Eralp am Sonntag in der ARD. "Ich will Regierende Bürgermeisterin für Berlin werden, damit die Menschen in unserer Stadt wieder ein besseres Leben haben", fügte sie hinzu.

Merz will trotz Wahldebakels an Reformkurses festhalten

Nach dem schwachen Abschneiden für die CDU bei den Landeswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine Fortsetzung des Reformkurses angekündigt. "Was jetzt zu tun ist, erfordert Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld", sagte Merz am Sonntag in der CDU-Parteizentrale in Berlin. "Ich werde das aufbringen als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes."

Hochrechnungen: AfD in Mecklenburg-Vorpommern knapp vor SPD - CDU muss zittern

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ist die AfD von Ministerpräsidentenkandidat Leif-Erik Holm laut ersten Hochrechnungen vor der regierenden SPD ins Ziel gegangen. Den Hochrechnungen für ARD und ZDF zufolge kam die AfD bei dem Urnengang vom Sonntag auf 37,1 bis 37,8 Prozent, während die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig 35,6 bis 36,3 Prozent erreichte. Die CDU fuhr große Verluste ein und kratze an der Fünfprozenthürde.

Textgröße ändern: