Deutsche Tageszeitung - SPD und Union: Senkung von Stromsteuer für alle nicht vom Tisch

SPD und Union: Senkung von Stromsteuer für alle nicht vom Tisch


SPD und Union: Senkung von Stromsteuer für alle nicht vom Tisch
SPD und Union: Senkung von Stromsteuer für alle nicht vom Tisch / Foto: © AFP

Die Bundestagsfraktionen von Union und SPD wollen sich darum bemühen, dass die vereinbarte Senkung der Stromsteuer für alle doch noch umgesetzt wird. Die Parlamentsgeschäftsführer der beiden Fraktionen, Steffen Bilger (CDU) und Dirk Wiese (SPD), sprachen sich am Freitag dafür aus, eine solche Senkung im nun anstehenden parlamentarischen Haushaltsverfahren durchzusetzen. Der Haushaltsentwurf der Bundesregierung will die Senkung der Stromsteuer bislang auf Industrie, Land- und Forstwirtschaft begrenzen.

Textgröße ändern:

"Das Thema ist noch lange nicht durch", sagte SPD-Politiker Wiese den Zeitungen der Mediengruppe Bayern vom Freitag. "Wir schauen uns das jetzt auch im parlamentarischen Verfahren nochmal an."

Aus der Union kamen ebenfalls Forderungen nach einer Senkung der Steuer. Wieses CDU-Kollege Bilger sagte im SWR eine Prüfung im Haushaltsverfahren des Bundestags zu, "ob wir das jetzt doch noch korrigieren können und diese den Verbrauchern in Aussicht gestellte Senkung der Stromsteuer auch für die Verbraucher hinbekommen". Weiter sagte Bilger: "Wir sollten alles dafür tun, dass diese Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag auch wirklich eingehalten wird."

Die Bundesregierung verteidigte am Freitag hingegen ihr Vorhaben, die Steuersenkung zuerst nur für Industrie, Land- und Forstwirtschaft durchzusetzen. In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, die Stromsteuer "für alle auf das europäische Mindestmaß" zu senken. Allerdings wurde auch festgehalten, dass alle Maßnahmen "unter Finanzierungsvorbehalt" stehen.

Darauf wies am Freitag auch der Sprecher des Bundesfinanzministeriums hin: Die gefassten Beschlüsse stünden deshalb "absolut im Einklang mit dem Koalitionsvertrag".

Das Kabinett hatte am Dienstag den Haushaltsentwurf für 2025 und die Finanzplanung bis 2029 verabschiedet. Damit seien auch drei Maßnahmen "zur Senkung der Energiepreise insgesamt" beschlossen worden, sagte der Sprecher des Finanzministeriums. Dies waren demnach die Senkung der Stromsteuer für Industrie, Land- und Forstwirtschaft, die Abschaffung der Gasumlage und die Übernahme der sogenannten Netzentgelte.

Diese drei Maßnahmen seien "finanzierbar" und "aktuell finanziell verantwortbar", betonte der Sprecher. Und Aufgabe des Finanzministers sei es, einen solide durchgerechneten Haushalt vorzulegen. Die Maßnahmen seien zudem mit Kanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (beide CDU) im Vorfeld abgestimmt gewesen.

Der Vertreter des Finanzministeriums wies zudem die Behauptung zurück, dass von der Stromsteuersenkung nur die Industrie profitiere. "Das ist mitnichten so", betonte er. Es würden insgesamt 600.000 Betriebe profitieren, darunter auch der Mittelstand und viele kleine Firmen.

Die Bundesregierung habe sich vorgenommen, die Energiepreise für alle zu senken, sagte Vizeregierungssprecher Sebastian Hille. "Und genau das tut sie" mit den drei Maßnahmen. Dies sei "haushaltspolitisch aus unserer Sicht im Moment vertretbar und verantwortbar".

Auch aus den Ländern kam die Forderung nach einer Entlastung der Bürgerinnen und Bürger. "Auch der Mittelstand und Privatpersonen müssen bei der Stromsteuer entlastet werden, denn die Energiekosten sind für alle Menschen stark gestiegen", sagte beispielsweise Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner dem "Tagesspiegel" vom Freitag.

Er plädiere dafür, "nah an den im Koalitionsvertrag gemachten Zusagen zu bleiben", schloss sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (beide CDU) der Forderung an.

Kritik kam auch von den Grünen. "Friedrich Merz bricht erneut sein Wort - er lässt Familien und den Mittelstand im Stich", sagte Fraktionschefin Katharina Dröge der "Bild". "Die Senkung der Stromsteuer wäre extrem wichtig, um das Leben in Deutschland wieder bezahlbarer zu machen."

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

Trump droht mit dauerhafter Schließung des Kennedy Centers in Washington

US-Präsident Donald Trump hat mit der dauerhaften Schließung des renommierten Kennedy Centers in Washington gedroht. Sollte die Justiz eine Umbenennung erneut stoppen, würden "der Umbau und die Renovierung des Kennedy Centers nicht stattfinden", schrieb Trump am Dienstag in seinem Onlinedienst Truth Social. Zuvor hatte er die Schließung der Kultureinrichtung mitgeteilt.

Iran-Krieg: USA räumen erstmals Munitionsknappheit ein

Erstmals seit Beginn des Iran-Krieges vor gut sechs Monaten haben die USA einen Munitionsmangel eingeräumt: Die Generalinspektion des Pentagon verwies in ihrem Pflichtbericht an den Kongress darauf, dass Munition infolge des Krieges knapp geworden sei. Das unabhängige Haushaltsbüro des Kongresses (CBO) bezifferte die bisherigen Gesamtkosten des Krieges am Dienstag auf 38 Milliarden Dollar (rund 33 Milliarden Euro).

US-Reise: Pistorius vereinbart mit Hegseth enge Rüstungszusammenarbeit

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat bei seiner Reise in die USA eine enge Rüstungszusammenarbeit mit der Regierung von Präsident Donald Trump vereinbart. Dazu unterschrieb Pistorius am Dienstag in Washington eine Absichtserklärung mit seinem US-Kollegen Pete Hegseth. Bereits zugesagt haben die USA den Verkauf von Tomahawk-Marschflugkörpern an Deutschland. Pistorius will zudem den ersten Tarnkappen-Kampfjet vom Typ F-35 für die deutsche Luftwaffe in Empfang nehmen.

Pistorius betont Einigkeit mit USA bei Truppenabzug und Tomahawks

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat sich am ersten Tag seiner Reise in die USA zufrieden über seine Absprachen mit dem US-Kollegen Pete Hegseth geäußert. Deutschland wie die Vereinigten Staaten wollten verhindern, dass "angesichts der Bedrohung, die von Russland ausgeht (...) gefährliche Fähigkeitslücken" in Europa entstünden, sagte Pistorius in Washington nach einem Treffen mit Hegseth am Dienstag im Pentagon.

Textgröße ändern: