Deutsche Tageszeitung - Hamas-Zivilschutz: 39 Menschen nahe Hilfszentren im Gazastreifen getötet

Hamas-Zivilschutz: 39 Menschen nahe Hilfszentren im Gazastreifen getötet


Hamas-Zivilschutz: 39 Menschen nahe Hilfszentren im Gazastreifen getötet
Hamas-Zivilschutz: 39 Menschen nahe Hilfszentren im Gazastreifen getötet / Foto: © AFP

In der Nähe zweier Hilfszentren im Gazastreifen sind nach Angaben der Hamas-Behörden durch israelischen Beschuss 39 Menschen getötet worden. Mehr als hundert Menschen seien zudem verletzt worden, erklärte der von der radikalislamischen Hamas geführte Zivilschutz am Samstag. Die von den USA und Israel unterstützte Stiftung Gaza Humanitarian Foundation (GHF) bezeichnete die Berichte über die Toten nahe ihren Hilfszentren als "falsch". Die israelischen Streitkräfte gaben an, Warnschüsse abgegeben zu haben und kündigten eine Überprüfung des Vorfalls an.

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Die Schüsse seien am frühen Samstagmorgen in der Nähe zweier GHF-Verteilzentren für Hilfsgüter bei Chan Junis und Rafah im Süden des Gazastreifens abgefeuert worden, sagte Zivilschutz-Sprecher Mahmud Bassal der Nachrichtenagentur AFP.

Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Haus in Nuseirat im Zentrum des Gazastreifens seien zwölf weitere Menschen getötet worden, erklärte der Zivilschutz. Angesichts der Zugangsbeschränkungen für Medien im Gazastreifen lassen sich die Angaben der Zivilschutzbehörde sowie anderer Parteien nicht unabhängig überprüfen.

Nach UN-Angaben vom Dienstag wurden seit Ende Mai 875 Menschen im Gazastreifen bei dem Versuch getötet, Lebensmittel zu beschaffen. 674 von ihnen hätten sich "in der Nähe" von GHF-Standorten befunden, als sie zu Tode kamen, hieß es in einem UN-Bericht.

Die Hamas macht israelischen Beschuss für die Vorfälle verantwortlich. Ein Augenzeuge sagte AFP, er sei mit mehreren Verwandten vor Sonnenaufgang zu dem GHF-Verteilzentrum in Chan Junis unterwegs gewesen, als israelische Soldaten das Feuer eröffnet hätten. Drei weitere Zeugen äußerten sich ähnlich.

Die GHF, die mittlerweile die bisher zuständigen UN-Organisationen als Hauptverteiler von Hilfsgütern im Gazastreifen abgelöst hat, beschuldigt dagegen die Hamas, Unruhe zu stiften und auf Zivilisten zu schießen.

Am Mittwoch hatte die GHF erklärt, es gebe "glaubwürdige Gründe" für die Annahme, dass Bewaffnete in Verbindung mit der radikalislamischen Palästinenserorganisation die Unruhen absichtlich schürten. Nach den Vorwürfen des Hamas-Zivilschutzes am Samstag erklärte die Organisation im Onlinedienst X: "Wir haben Hilfesuchende wiederholt davor gewarnt, sich über Nacht und in den frühen Morgenstunden zu unseren Standorten zu begeben."

Auch die israelische Armee macht die Hamas für die Schüsse auf Zivilisten in der Umgebung der GHF-Verteilzentren verantwortlich. Zu den Vorfällen von Samstag teilten die israelische Verteidigungskräfte mit, sie hätten "Verdächtige identifiziert, die sich ihnen während eines Einsatzes in der Gegend von Rafah näherten und eine Bedrohung für die Truppen darstellten".

Die Soldaten hätten die Verdächtigen aufgefordert, umzukehren. Als diese der Aufforderung nicht nachgekommen seien, hätten die Soldaten Warnschüsse abgegeben.

Weiter hieß es, dass sich die Armee der Berichte über Verletzte bewusst sei. Der Vorfall werde "zur Zeit untersucht", hieß es in einer Erklärung. Die Schüsse wurden demnach in einer Entfernung von etwa einem Kilometer von der Verteilstelle für Hilfsgüter abgegeben, "und zwar nachts, wenn diese nicht aktiv ist".

Israel steht wegen der verheerenden humanitären Lage im Gazastreifen zunehmend unter Druck. Die UNO warnt vor einer Hungersnot im gesamten Gazastreifen. Die Menschen sind abhängig von der wenigen Hilfe, die in das Gebiet kommt.

Der Krieg im Gazastreifen war durch den brutalen Großangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Dabei wurden nach israelischen Angaben 1219 Menschen getötet, 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Noch immer werden 49 Geiseln von den Islamisten festgehalten, mindestens 27 von ihnen sind nach Armeeangaben tot.

Als Reaktion auf den Hamas-Angriff geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 58.700 Menschen getötet. Die Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Israel und die Hamas führen derzeit indirekte Verhandlungen über Vermittler über ein neues Waffenruhe-Abkommen. Auf dem Tisch liegt ein Vorschlag für eine 60-tägige Feuerpause. Eine der Kernforderungen der Hamas betrifft die uneingeschränkte Einfuhr von Hilfsgütern in den Gazastreifen.

(A.Stefanowych--DTZ)

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