Deutsche Tageszeitung - Mindestens 17 Tote bei russischem Angriff auf Gefängnis im Südosten der Ukraine

Mindestens 17 Tote bei russischem Angriff auf Gefängnis im Südosten der Ukraine


Mindestens 17 Tote bei russischem Angriff auf Gefängnis im Südosten der Ukraine
Mindestens 17 Tote bei russischem Angriff auf Gefängnis im Südosten der Ukraine / Foto: © Ukrainian Justice Ministry/AFP

Russland hat die Ukraine in der Nacht zu Dienstag erneut mit einer massiven Angriffswelle überzogen. Bei einem Angriff auf ein Gefängnis im Südosten der Ukraine wurden nach ukrainischen Angaben mindestens 17 Menschen getötet, weitere Angriffe mit mindestens vier Toten wurden aus der zentralukrainischen Region Dnipropetrowsk gemeldet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem "gezielten" Angriff auf das Gefängnis.

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Moskau habe die Region Saporischschja acht Mal aus der Luft angegriffen, dabei sei ein Gefängnis getroffen worden, teilte Regionalgouverneur Iwan Fedorow mit. Das Gefängnis sei zerstört, angrenzende Gebäude seien beschädigt worden.

Neben den 17 getöteten Gefängnisinsassen gab es dem Justizministerium in Kiew zufolge 42 Verletzte, darunter auch ein Gefängnismitarbeiter. Das Ministerium erklärte, die russischen Streitkräfte hätten bei dem Luftangriff auf das Gefängnis Gleitbomben eingesetzt.

"Es war ein gezielter Angriff, absichtlich, nicht zufällig", erklärte Selenskyj in Onlinenetzwerken. "Die Russen konnten nicht übersehen haben, dass sie Zivilisten in dieser Einrichtung ins Visier nahmen." Moskau müsse "gezwungen werden, das Töten zu beenden, und Frieden schließen", forderte er.

Selenskyjs Berater Andrij Jermak wurde konkreter: Er forderte im Onlinedienst Telegram "wirtschaftliche und militärische Schläge, die Russland seiner Kriegsfähigkeit berauben".

Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez schrieb in Onlinediensten, der Angriff in Saporischschja zeige einmal mehr, dass Russland in der Ukraine "Kriegsverbrechen" begehe. "Menschen, die im Gefängnis sitzen, haben nicht ihr Recht auf Leben und Schutz verloren", erklärte er.

Auf Bildern des Justizministeriums sind Ziegelsteine und Trümmer rund um das Gefängnisgebäude zu sehen. Von regionalen Rettungsdiensten veröffentlichte Bilder zeigen Rettungskräfte, die nach Überlebenden suchen.

Ukrainischen Regierungskreisen zufolge saßen in dem Bilenkiwska-Gefängnis 274 Insassen ihre Strafen ab. Russische Kriegsgefangene waren dort demnach nicht untergebracht.

Der Angriff auf das Gefängnis erfolgte genau drei Jahre nach einem Angriff auf das Gefängnis Oleniwka im Osten der von Russland kontrollierten ukrainischen Region Donezk. Am 29. Juli 2022 hatte sich dort eine Explosion ereignet, für die sich beide Seiten gegenseitig verantwortlich machten. Nach ukrainischen Angaben waren dort dutzende ukrainische Kriegsgefangene inhaftiert.

Über den Angriff in Saporischschja hinaus wurden auch neue russische Angriffe in der zentralukrainischen Region Dnipropetrowsk gemeldet. Dort gab es laut Regionalbehörden drei Angriffe mit insgesamt vier Toten und mehreren Verletzten.

Ein Raketenangriff in Dnipropetrowsk traf laut Regionalgouverneur Serhij Lysak die Stadt Kamjanske. Dort seien zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt worden. Ein Krankenhaus sei beschädigt worden. Bei weiteren Angriffen im Bezirk Synelnykiwsky und Welykomychayliwska seien zwei Menschen getötet worden, darunter eine 75-Jährige. Private Wohnhäuser seien beschädigt worden.

Russland griff nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe in der Nacht zum Dienstag mit 37 Drohnen und zwei Raketen an. 32 Drohnen wurden demnach abgefangen.

Die Behörden in Russland meldeten ihrerseits ukrainische Angriffe. Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der südrussischen Region Rostow wurde den Behörden zufolge ein Mensch in einem Auto getötet. Der Angriff zielte auf mehrere verschiedene Orte in der Region, wie der amtierende Regionalgouverneur Juri Sljusar bei Telegram mitteilte. In der Stadt Salsk wurden demnach durch herabfallende Drohnenteile zwei Züge getroffen, die Passagiere mussten evakuiert werden. Berichte über Verletzte gab es nicht.

Russland hatte zuletzt in Dnipropetrowsk weitere Geländegewinne vermeldet, die Ukraine bestritt dies. Um den Druck auf Moskau in Bezug auf eine Waffenruhe zu verstärken, verkürzte US-Präsident Donald Trump am Montag seine zuvor gesetzte 50-Tage-Frist auf "zehn bis zwölf Tage".

Trump hatte dem russischen Präsidenten Wladimir Putin Mitte Juli eine Frist von 50 Tagen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs gesetzt. Wenn es in 50 Tagen keinen "Deal" über einen Frieden in der Ukraine gebe, würden die USA "Zölle in Höhe von etwa 100 Prozent" verhängen, sagte Trump. Demnach soll es sich um sogenannte Sekundärsanktionen gegen Länder wie China, Indien und Brasilien handeln, die weiter billiges Öl und Gas von Russland kaufen.

(V.Sørensen--DTZ)

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