Deutsche Tageszeitung - Hilfsorganisation SOS Méditerranée meldet Schussangriff der libyschen Küstenwache

Hilfsorganisation SOS Méditerranée meldet Schussangriff der libyschen Küstenwache


Hilfsorganisation SOS Méditerranée meldet Schussangriff der libyschen Küstenwache
Hilfsorganisation SOS Méditerranée meldet Schussangriff der libyschen Küstenwache / Foto: © AFP/Archiv

Die libysche Küstenwache hat nach Angaben der Hilfsorganisation SOS Méditerranée im Mittelmeer auf ein Seenotrettungsschiff der Organisation geschossen. Die "Ocean Viking" sei in internationalen Gewässern auf der Suche nach einem Flüchtlingsboot in Seenot gewesen, als die libysche Küstenwache das Schiff des Gebiets verwies und im Anschluss das Feuer eröffnete, teilte SOS Méditerranée am Montag mit. Verletzt wurde demnach niemand.

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Der Vorfall ereignete sich demzufolge nördlich der libyschen Küste. Die "Ocean Viking" habe von den italienischen Behörden zuvor die Erlaubnis erhalten, dort ein Flüchtlingsboot zu retten, erklärte die Hilfsorganisation. Eine Patrouille der libyschen Küstenwache habe dem Schiff aber "illegal befohlen, das Gebiet zu verlassen und Kurs auf Norden zu nehmen". Die Besatzung habe zugestimmt.

"Trotzdem haben zwei Männer an Bord der Patrouille ohne jede Warnung oder Ultimatum das Feuer eröffnet", erklärte SOS Méditerranée. Die Männer der Küstenwache hätten "mindestens zwanzig Minuten lang unaufhörlich geschossen". Die Schüsse hätten Einschusslöcher "auf Kopfhöhe" verursacht, mehrere Antennen zerstört, Fenster zerbrochen und Rettungsmaterial beschädigt.

Die Besatzung setzte nach Angaben der Hilfsorganisation einen Notruf ab und alarmierte die Nato. Die "Ocean Viking" sei an ein Schiff der italienischen Marine verwiesen worden, "das am Telefon nie geantwortet hat".

SOS Méditerranée sprach von einem "vorsätzlichen und gezielten Angriff" auf die Besatzung und das Rettungsmaterial. "Dies ist kein Einzelfall: Die libysche Küstenwache hat eine lange Vorgeschichte unverantwortlichen Verhaltens, das Menschenleben auf See gefährdet, Menschenrechte grob verletzt und von einer völligen Missachtung des internationalen Seerechts zeugt", teilte die Organisation weiter mit.

Sie rief die europäischen Staaten auf, in der Migrationspolitik jegliche Zusammenarbeit mit Libyen zu beenden. Die EU-Kommission strebt nach Angaben von Migrationskommissar Magnus Brunner ein Abkommen mit Libyen an. Bereits jetzt fangen die libyschen Behörden zahlreiche Menschen auf der Flucht in Richtung Europa ab, von denen viele unter gewaltsamen Bedingungen inhaftiert werden.

An Bord der "Ocean Viking" waren nach Angaben von SOS Méditerranée bereits 87 gerettete Menschen von zwei in der Nacht zum Sonntag in Seenot geratenen Booten. Das Schiff nahm demnach Kurs in Richtung des Hafens Syrakus auf der italienischen Insel Sizilien auf. Dort soll das Schiff repariert und die Geretteten an Land gebracht werden. 80 von ihnen stammen demnach aus dem Sudan, 21 sind unbegleitete Minderjährige.

(V.Sørensen--DTZ)

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