Deutsche Tageszeitung - Vor Treffen der "Koalition der Willigen": Russland überzieht Ukraine mit Angriffen

Vor Treffen der "Koalition der Willigen": Russland überzieht Ukraine mit Angriffen


Vor Treffen der "Koalition der Willigen": Russland überzieht Ukraine mit Angriffen
Vor Treffen der "Koalition der Willigen": Russland überzieht Ukraine mit Angriffen / Foto: © UKRAINIAN EMERGENCY SERVICE/AFP

Vor dem Treffen der sogenannten Koalition der Willigen aus rund 30 überwiegend europäischen Verbündeten der Ukraine hat Russland das Nachbarland erneut mit einer massiven Angriffswelle überzogen. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte die russische Armee in der Nacht zum Mittwoch insgesamt 502 Drohnen und 24 Raketen ein, der Beschuss richtete sich insbesondere gegen den Westen des Landes. Die von Paris organisierten Beratungen der Koalition finden am Donnerstag statt.

Textgröße ändern:

Die nächtlichen russischen Angriffe auf die Ukraine sorgten in der nordukrainischen Region Tschernihiw für massive Stromausfälle. 30.000 Menschen waren dort nach Angaben des Leiters der Militärverwaltung der Region, Wjatscheslaw Tschaus, von der Stromversorgung abgeschnitten. Örtliche Behörden meldeten mehrere Verletzte und sprachen von Zerstörungen an Wohngebäuden und ziviler Infrastruktur.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die russischen Angriffe als "Demonstration", mit welcher der russische Staatschef Wladimir Putin zeigen wolle, dass er ungestraft davon komme. Die russische Aggression könne fortgesetzt werden, weil der internationale Druck auf die "Kriegswirtschaft" des Landes nicht groß genug sei.

Mit Blick auf die am Donnerstag anstehenden Beratungen der "Koalition der Willigen" sagte Selenskyj, er hoffe, dass hierzu auch US-Präsident Donald Trump telefonisch zugeschaltet werde, um über neue Sanktionen gegen Russland zu beraten.

Selenskyj äußerte sich in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, wo er mit Vertretern der nordischen und baltischen Staaten über weitere Unterstützung für sein Land sprach. Am Mittwochabend wurde Selenskyj in Paris erwartet, um sich dort mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zu treffen.

Das Treffen der Koalition findet am Donnerstag im hybriden Format statt. Persönlich erwartet wurden neben Selenskyj unter anderen der polnische Regierungschef Donald Tusk, der niederländische Ministerpräsident Dick Schoof und der spanische Regierungschef Pedro Sánchez sowie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nimmt nach Angaben aus Regierungskreisen per Videoschalte teil.

Zentrales Thema werden die Sicherheitsgarantien für die Ukraine sein - also die Frage, wie die Verbündeten des Landes nach einem möglichen Waffenstillstand oder Friedensabkommen dazu beitragen wollen, das Land vor einer erneuten russischen Aggression zu schützen. Dazu, wie solche Garantien konkret aussehen und in welcher Form die verschiedenen Länder dazu beitragen können, gibt es bislang erhebliche Differenzen.

Selenskyj sagte in Kopenhagen, er sehe für Sicherheitsgarantien bereits eine "solide Grundlage" in den bilateralen Abkommen seines Landes mit mehreren europäischen Ländern zur militärischen Unterstützung. Als ein Beispiel nannte er das Abkommen mit Dänemark.

Zudem sagte Selenskyj, sein Land benötige eine "Regelung nach Art von Artikel 5" - und bezog sich damit auf den entsprechenden Artikel des Nato-Statuts, der im Fall eines Angriffs auf einen Mitgliedstaat eine militärische Beistandspflicht aller Verbündeten vorsieht.

In Moskau erklärte Außenminister Sergej Lawrow unterdessen, sein Land strebe weiterhin eine internationale Anerkennung der besetzten ukrainischen Gebiete als Teil Russlands an. Die "neu entstandenen territorialen Realitäten" müssten "gemäß dem Völkerrecht anerkannt und formalisiert werden", erklärte Lawrow.

US-Präsident Trump kritisierte derweil erneut das Verhalten Putins in den bisherigen Gesprächen. Er sei "sehr enttäuscht" von Putin, sagte Trump und beklagte, dass weiterhin "tausende Menschen" im Ukraine-Krieg getötet werden.

Nach mehreren Gesprächsrunden von Unterhändlern aus Russland und den USA hatte Trump Mitte August Putin zu Gesprächen in Alaska empfangen. Ein Durchbruch wurde dabei nicht erzielt, das von Trump in Aussicht gestellte persönliche Treffen zwischen Putin und Selenskyj zeichnet sich weiterhin nicht ab.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Peseschkian: Iran wird Verpflichtungen aus Vereinbarung wieder erfüllen - wenn USA es tun

Der Iran ist nach den Worten von Präsident Massud Peseschkian bereit zur Erfüllung seiner Verpflichtungen aus der Vereinbarung mit den USA vom Juni, wenn die Vereinigten Staaten dies ebenfalls tun. Die US-Strategie des Drucks und der Drohungen drohe aber, die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Krieges zu untergraben, sagte Peseschkian am Dienstag auf einem Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Kirgistan. Dort wollte sich Peseschkian auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen.

Nach zehn Monaten auf See: Crew der "USS Abraham Lincoln" geht in Thailand von Bord

Nach rund zehn Monaten auf See kann die Crew des wegen schlechter Bedingungen in die Kritik geratenen US-Flugzeugträgers "USS Abraham Lincoln" nun in Thailand vorübergehend an Land gehen. Der massive Träger werde am Dienstag im Hafen der bei Touristen beliebten Stadt Pattaya im Süden des Landes anlegen, erklärte Bürgermeister Poramase Ngampiches. Pattaya ist wegen des Sextourismus berüchtigt.

Spannungen mit Hegseth: US-Verteidigungsstaatssekretär Driscoll reicht Rücktritt ein

Inmitten des Iran-Krieges hat der oberste zivile Leiter der US-Armee, Dan Driscoll, seinen Rücktritt eingereicht. Das Weiße Haus bestätigte am Montag (Ortszeit) einen entsprechenden Bericht des "Wall Street Journal". Demnach trat der unter anderem an den Verhandlungen zum Ukraine-Krieg beteiligte US-Verteidigungsstaatssekretär nach anhaltenden Spannungen mit Verteidigungsminister Pete Hegseth zurück. Damit spitzt sich die Führungskrise im jüngst von mehreren Entlassungen betroffenen Pentagon weiter zu.

Japans Regierung lockert Regelung für Überstunden - Harte Kritik von Gewerkschaften

Japans Regierung lockert die Überstundenregeln in vielen Unternehmen und will so das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Seit Dienstag drängt der Arbeitsschutz bestimmte Firmen im Land nicht mehr dazu, die Zahl der Überstunden auf 45 pro Monat zu begrenzen. Der Gewerkschaftsbund Zenroren kritisierte dies scharf - in Japan ist die Bereitschaft zu Überstunden hoch, es existiert sogar ein Begriff für den "Tod durch Überarbeitung": Karoshi.

Textgröße ändern: