Deutsche Tageszeitung - UN-Untersuchungskommission wirft Israel "Genozid" im Gazastreifen vor

UN-Untersuchungskommission wirft Israel "Genozid" im Gazastreifen vor


UN-Untersuchungskommission wirft Israel "Genozid" im Gazastreifen vor
UN-Untersuchungskommission wirft Israel "Genozid" im Gazastreifen vor / Foto: © AFP

Eine von der UNO eingesetzte unabhängige Untersuchungskommission hat Israel vorgeworfen, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass im Gazastreifen ein Genozid verübt und fortgeführt wird", sagte die Leiterin der Untersuchungskommission in Genf, Navi Pillay, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. "Die Verantwortung liegt beim Staat Israel."

Textgröße ändern:

In dem Bericht werden Anschuldigungen gegen mehrere ranghohe israelische Politiker erhoben. Regierungschef Benjamin Netanjahu, Präsident Isaac Herzog und der frühere Verteidigungsminister Joav Gallant hätten "zum Völkermord angestiftet", hieß es darin. Die israelischen Behörden hätten es "versäumt, Maßnahmen gegen sie zu ergreifen, um diese Anstiftung zu bestrafen".

Die israelische Regierung regierte empört auf den Untersuchungsbericht. "Israel weist diesen verzerrten und falschen Bericht kategorisch zurück und fordert die sofortige Abschaffung dieser Untersuchungskommission", erklärte das israelische Außenministerium.

Die Kommission war 2021 vom UN-Menschenrechtsrat eingerichtet worden. Ihre Aufgabe ist es, möglichen Menschenrechtsverletzungen in Israel und den besetzten Palästinensergebieten nachzugehen.

Die Untersuchungskommission erklärte in ihrem Bericht, dass die israelischen Behörden und Streitkräfte seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 "vier der fünf Völkermordhandlungen" begangen hätten, die in der UN-Konvention zur Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 aufgeführt sind.

Dabei handele es sich um "die Tötung von Mitgliedern der Gruppe, die Zufügung schwerer körperlicher oder seelischer Schäden, die vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die auf ihre vollständige oder teilweise physische Zerstörung abzielen" sowie Maßnahmen zur Verhinderung von Geburten innerhalb der palästinensischen Bevölkerung.

"Es ist offensichtlich, dass die Absicht besteht, die Palästinenser in Gaza durch Handlungen zu vernichten, die den Kriterien der Völkermord-Konvention entsprechen", sagte die frühere UN-Menschenrechtskommissarin Pillay, die auch Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) war.

Die Untersuchungskommission ist keine juristische Instanz, aber ihre Berichte können den diplomatischen Druck erhöhen. Die von ihr gesammelten Beweise können vor Gericht verwendet werden. Die Kommission, die ein Kooperationsabkommen mit dem IStGH geschlossen hat, habe "Tausende von Informationen" mit dem Haager Gericht ausgetauscht, sagte Pillay. Die internationale Gemeinschaft dürfe "angesichts der von Israel gegen das palästinensische Volk in Gaza geführten Völkermordkampagne nicht schweigen".

Der Krieg im Gazastreifen war durch den Überfall der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas und ihre Verbündeten auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Bei dem Großangriff wurden nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet, 251 weitere wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Noch immer werden 47 Menschen von der Hamas festgehalten, 25 von ihnen sind nach israelischen Angaben bereits tot.

Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 64.900 Menschen getötet.

Zuletzt intensivierten die israelischen Streitkräfte ihre Angriffe auf die Stadt Gaza. Die Armee gehe "mit eiserner Faust" gegen "terroristische Infrastruktur" in der Stadt vor, erklärte Verteidigungsminister Israel Katz am Dienstag. "Gaza brennt", fügte er hinzu. Zuvor hatten Augenzeugen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von heftigen Angriffen auf die Stadt gesprochen.

(P.Hansen--DTZ)

Empfohlen

Venezuelas Ex-Präsident Maduro meldet sich aus US-Haft zu Wort

Acht Monate nach seiner Gefangennahme durch das US-Militär hat sich der entmachtete venezolanische Präsident Nicolás Maduro aus dem Gefängnis zu Wort gemeldet. Er sei "standhaft", schrieb er in einer am Sonntag im Onlinedienst Telegram veröffentlichten Botschaft an seine Landsleute in Venezuela. Dazu veröffentlichte er Fotos, die ihn offenbar in seinem Gefängnis im New Yorker Stadtteil Brooklyn zeigen.

Militär: USA greifen erstmals seit Wochen Ziele im Iran an

Die US-Armee hat nach eigenen Angaben am Sonntag erstmals seit Wochen wieder Ziele im Iran angegriffen. Dabei sei die iranische Insel Larak in der Straße von Hormus attackiert worden, erklärte das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom. Der Angriff galt demnach zwei Raketen-Abschussstellungen, an denen die iranischen Revolutionsgarden den Abschuss von mit Seeminen bestückten Raketen vorbereitet hätten, erklärte Centcom-Sprecher Tim Hawkins.

Bevölkerung von Guinea-Bissau stimmt über Stärkung des Präsidenten ab

Im westafrikanischen Guinea-Bissau hat die Bevölkerung über eine Verfassungsänderung abgestimmt, mit der die Rolle des Staatspräsidenten gestärkt werden soll. Die Abstimmungslokale schlossen am Sonntagabend, erste Ergebnisse des Referendums werden für Dienstag erwartet. Die Beteiligung lag nach Angaben der Wahlkommission bei über 55 Prozent.

Frankreichs Ex-Premier Philippe will konservative Parteien in neuem Bündnis einen

Knapp acht Monate vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich will der Mitte-Rechts-Kandidat Edouard Philippe die konservativen Parteien in einem neuen Wahlbündnis oder einer neuen Partei einen. Es gehe darum, "die neue Partei oder den neuen Parteienverbund zu schmieden, der es allen, die ihre Kräfte im Dienste des Landes bündeln wollen ermöglicht, gemeinsam zu regieren", sagte der Vorsitzende der Partei Horizons am Sonntag bei einer Veranstaltung im nordfranzösischen Tourcoing.

Textgröße ändern: