Deutsche Tageszeitung - Israel verstärkt Einsatz gegen Hamas im Gazastreifen mit Bodentruppen

Israel verstärkt Einsatz gegen Hamas im Gazastreifen mit Bodentruppen


Israel verstärkt Einsatz gegen Hamas im Gazastreifen mit Bodentruppen
Israel verstärkt Einsatz gegen Hamas im Gazastreifen mit Bodentruppen / Foto: © AFP

Fast zwei Jahre nach Beginn des Gaza-Krieges hat die israelische Armee mit ihrer angekündigten Bodenoffensive in der Stadt Gaza begonnen. "In den letzten 24 Stunden hat die IDF (Armee) nach ausführlichen Debatten mit der politischen Führung ihren Einsatz in der Stadt Gaza erheblich ausgeweitet", sagte Israels Armeechef Ejal Samir am Dienstag. Während US-Präsident Donald Trump die islamistische Palästinenserorganisation Hamas beschuldigte, die von ihr weiterhin festgehaltenen Geiseln als "menschliche Schutzschilde" zu benutzen, warf eine unabhängige Untersuchungskommission der UNO Israel einen "Genozid" im Gazastreifen vor.

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Armeechef Samir erklärte, die Armee gehe "tief im Gebiet" vor. Dabei komme eine Kombination aus "Bodentruppen, Präzisionsschlägen und hochwertigen Geheimdienstinformationen" zum Einsatz. Ziel sei es, die Angriffe auf die Hamas zu verstärken, "bis sie endgültig besiegt ist".

Ein Militärvertreter sagte, die Armee rücke "in Richtung Zentrum (der Stadt Gaza) vor". Nach seinen Angaben startete die Armee in der Nacht damit die "Hauptphase" des Kampfes gegen die Hamas. Die Armee gehe von "2000 bis 3000" Hamas-Kämpfern in dem Gebiet aus. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, die Armee gehe "mit eiserner Faust" gegen "terroristische Infrastruktur" in der Stadt vor. "Gaza brennt", fügte er im Onlinedienst X hinzu.

Augenzeugen berichteten von heftigen Angriffen auf die Stadt. Häuser seien zerstört, Bewohner unter den Trümmern verschüttet. Nach Angaben eines Sprechers des von der Hamas kontrollierten Zivilschutzes im Gazastreifen wurden in dem Gebiet allein am Dienstag durch israelischen Beschuss 44 Menschen getötet.

Die islamistische Hamas und ihre Verbündeten hatten Israel am 7. Oktober 2023 überfallen und damit den Gaza-Krieg ausgelöst. Bei dem Großangriff wurden nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet, 251 weitere wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Noch immer werden 47 Menschen von der Hamas festgehalten, 25 von ihnen sind nach israelischen Angaben bereits tot. Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 64.900 Menschen getötet.

Zuletzt hatte die israelische Armee ihre Offensive zur Vernichtung der Hamas in Gaza ausgeweitet und die verbliebenen Einwohner zur Flucht aufgefordert. In den vergangenen Wochen hatten die Streitkräfte in Gaza vor allem Hochhäuser aus der Luft angegriffen und zerstört, die nach Armeeangaben von der Hamas genutzt worden waren. Die Stadt im Norden des Küstengebiets ist nach israelischen Angaben eine der letzten Hamas-Hochburgen im Gazastreifen.

Derweil warnte US-Präsident Trump die Hamas davor, das Leben der in ihrer Gewalt verbliebenen Geiseln zu gefährden. "Ich habe gehört, dass die Hamas versucht, die alte Taktik der menschlichen Schutzschilde anzuwenden", erklärte Trump am Dienstag. "Wenn sie das tun, werden sie große Probleme bekommen", warnte er.

Eine von der UNO eingesetzte unabhängige Untersuchungskommission warf Israel indes am Dienstag vor, im Gazastreifen einen "Genozid" zu begehen. "Die Verantwortung liegt beim Staat Israel", sagte die Leiterin der Untersuchungskommission in Genf, Navi Pillay, der AFP. Die Kommission war 2021 vom UN-Menschenrechtsrat eingerichtet worden. Ihre Aufgabe ist es, möglichen Menschenrechtsverletzungen in Israel und den besetzten Palästinensergebieten nachzugehen.

Die israelische Regierung reagierte empört: "Israel weist diesen verzerrten und falschen Bericht kategorisch zurück und fordert die sofortige Abschaffung dieser Untersuchungskommission", erklärte das israelische Außenministerium.

UN-Generalsekretär António Guterres kritisierte die israelische Großoffensive mit scharfen Worten. "Derzeit scheint Israel entschlossen, bis ans Ende zu gehen, und nicht offen für ernsthafte Verhandlungen über eine Waffenruhe zu sein", sagte Guterres in New York. Er prangerte die Situation im Gazastreifen als "moralisch, politisch und rechtlich nicht tolerierbar" an.

(V.Sørensen--DTZ)

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