Deutsche Tageszeitung - Nach russischen Luftraumverletzungen: USA wollen "Nato-Territorium verteidigen"

Nach russischen Luftraumverletzungen: USA wollen "Nato-Territorium verteidigen"


Nach russischen Luftraumverletzungen: USA wollen "Nato-Territorium verteidigen"
Nach russischen Luftraumverletzungen: USA wollen "Nato-Territorium verteidigen" / Foto: © AFP

Nach wiederholten Verletzungen des Luftraums osteuropäischer Nato-Staaten durch Russland haben die USA den betroffenen Staaten ihre Unterstützung zugesichert. Die USA würden "jeden Zentimeter Nato-Territorium verteidigen", sagte der neue US-Botschafter bei der UNO, Mike Waltz, am Montag bei einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats in New York. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) warf Russland eine "gefährliche Eskalation" vor.

Textgröße ändern:

Nach estnischen Angaben waren am Freitag drei Kampfjets der russischen Luftwaffe in den estnischen Luftraum eingedrungen und dort insgesamt zwölf Minuten geblieben. In den vergangenen Wochen waren zudem russische Drohnen in den Luftraum über Polen und Rumänien eingedrungen.

US-Botschafter Waltz sagte, Russland müsse "dieses gefährliche Verhalten dringend einstellen". US-Präsident Donald Trump hatte den Baltenstaaten und Polen am Sonntag zugesichert, die Nato-Partner im Falle einer weiteren Eskalation durch Russland zu verteidigen. Auf eine entsprechende Reporterfrage antwortete Trump: "Ja, das würde ich."

Wadephul warf Russland in der Sicherheitsratssitzung eine "schwerwiegende Verletzung internationalen Rechts" vor. Russland stelle mit "seinem rücksichtslosen Verhalten eine ernsthafte Gefahr für die regionale Sicherheit sowie für den globalen Frieden und die Stabilität dar", betonte der CDU-Politiker.

Deutschland gehört zu den Unterzeichnern einer gemeinsamen Erklärung von insgesamt 49 Ländern und der EU, die das russische Vorgehen scharf verurteilen. In dem Text warfen sie Russland eine "gefährliche Eskalation" vor. Ähnliche Vorfälle in Polen und Rumänien ließen auf ein "Muster russischer Provokationen gegen seine Nachbarn" schließen, das die ganze Region gefährde, hieß es.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte in New York, Russland könne unmöglich "versehentlich" innerhalb von zwei Wochen dreimal den europäischen Luftraum verletzen. "Russland testet die europäischen Grenzen und prüft unsere Entschlossenheit", betonte Kallas. "Es wird weiterhin provozieren, solange wir das zulassen."

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski sprach von einer "Eskalation des hybriden Krieges, den Russland seit Jahren gegen den Westen führt". Dazu gehörten auch Morde an Politikern, Journalisten oder Menschenrechtsaktivisten, Hackerangriffe auf Krankenhäuser und Banken sowie Desinformationskampagnen.

Der Kreml warf den Nato-Staaten vor, die Spannungen durch "unbegründete" Anschuldigungen zu verschärfen. Der russische UN-Botschafter Dmitry Polianskij unterstellte Estland "russenfeindliche Hysterie".

Den jüngsten Alarm hatte die Nato am Sonntag ausgelöst, diesmal wegen einer russischen Militärmaschine über der Ostsee. Der Kampfjet bewegte sich im internationalen Luftraum, wie die deutsche Luftwaffe mitteilte. Zwei von der Nato alarmierte Eurofighter stiegen daraufhin vom Stützpunkt Rostock-Laage in Mecklenburg-Vorpommern auf.

Am Dienstag findet in Brüssel auf Antrag Estlands ein Treffen des Nato-Rats nach Artikel 4 des Nordatlantikvertrags statt. Dieser sieht Beratungen des Verteidigungsbündnisses für den Fall vor, dass ein Mitgliedstaat seine Sicherheit bedroht sieht.

Bundesaußenminister Wadephul verurteilte in New York auch die anhaltenden russischen Angriffe auf die Ukraine. Moskau habe Verhandlungsinitiativen wiederholt ausgeschlagen, zuletzt solche der USA, kritisierte er. Die russischen Angriffe müssten aufhören.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha forderte erneut "verheerende Sanktionen" gegen Russland und weitere "Abschreckungspakete für die Ukraine". Abwarten sei keine Strategie, sagte er an die USA und die EU gewandt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will diese Woche am Rande der UN-Generaldebatte Trump treffen und mit ihm über das weitere Vorgehen beraten.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Junta im Niger schlägt Aufstand von Soldaten mit Hilfe Russlands nieder

Mit Hilfe Russlands hat die Junta im westafrikanischen Niger einen Aufstand meuternder Soldaten niedergeschlagen. Nach Gefechten in mehreren Vierteln der Hauptstadt Niamey brachte die Präsidentengarde am Samstagabend einen wichtigen Militärstützpunkt unter ihre Kontrolle und beendete damit den Aufstand, wie aus mehreren Quellen verlautete. Der Niger wird von Militärmachthaber Abdourahmane Tiani regiert. Unter seiner Regierung hat sich das Land von Frankreich und anderen westlichen Partnern abgewandt und mit Russland verbündet.

Referendum in Island über EU-Beitrittsverhandlungen beendet

In Island ist das Referendum über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union beendet. Die Wahllokale in dem Inselstaat im Nordatlantik schlossen in der Nacht zum Sonntag um Mitternacht. Bis das Ergebnis vorliegt könnten mehrere Stunden vergehen, es wurde mit einem äußerst knappen Ausgang gerechnet.

Ehemaliger Trump-Unterstützer aus den USA abgeschoben

Die USA haben den ehemaligen Trump-Unterstützer und Rechtsaußen-Kommentator Milo Yiannopoulos in sein Heimatland Großbritannien abgeschoben. Der 41-Jährige sei ausgewiesen worden, teilte die US-Regierung am Samstag in Washington mit. Yiannopoulos hatte US-Präsident Donald Trump in dessen erster Amtszeit unterstützt, sich später aber gegen den Rechtspopulisten gewandt. Bis heute verteidigt er allerdings dessen rigorose Abschiebepolitik gegen Migranten.

IAEA: Akw Saporischschja seit mehr als einer Woche ohne externe Stromversorgung

Das russisch besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) seit mehr als einer Woche von der externen Stromversorgung abgeschnitten. Die Anlage werde derzeit mit Notstrom-Dieselgeneratoren versorgt, erklärte die Organisation am Samstag. Der vorhandene Dieselvorrat reiche für etwa zehn Tage.

Textgröße ändern: