Deutsche Tageszeitung - Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur bald "im überragenden öffentlichen Interesse"

Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur bald "im überragenden öffentlichen Interesse"


Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur bald "im überragenden öffentlichen Interesse"
Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur bald "im überragenden öffentlichen Interesse" / Foto: © AFP/Archiv

Die Bundesregierung will bei der Wasserstoff-Infrastruktur aufs Tempo drücken. Das Kabinett in Berlin brachte am Mittwoch ein Gesetz auf den Weg, demzufolge der Ausbau als im "überragenden öffentlichen Interesse" eingestuft werden kann, was Wasserstoffprojekten in Zulassungsentscheidungen ein besonderes Gewicht beimisst. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßte dies als wichtigen Schritt - kritisierte Kürzungen bei der Wasserstoffförderung allerdings als "völlig falsches Signal".

Textgröße ändern:

Mit dem vom Kabinett beschlossenen Wasserstoff-Beschleunigungsgesetz, mit dem sich als nächstes nun Bundestag und Bundesrat befassen müssen, soll der Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur "schneller, digitaler und unbürokratischer" werden, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte, aktuell seien die Genehmigungsverfahren noch zu langsam und bürokratisch.

"Klimaneutral produzierter Wasserstoff ist von großer Bedeutung für ein resilientes, wirtschaftliches und klimaneutrales Energiesystem der Zukunft", heißt es im Gesetzentwurf der Regierung. In Wasserstoff und dessen Folgeprodukten wie Ammoniak, Methanol oder synthetisch hergestellten Kraft- und Treibstoffen lasse sich "Energie speichern, über lange Strecken transportieren und vielseitig einsetzen".

Insbesondere in Wirtschaftssektoren, in denen eine direkte Elektrifizierung nicht möglich oder nicht wirtschaftlich sei, könnten Wasserstoff und seine Folgeprodukte dazu beitragen, den Ausstoß von Treibhausgasen "drastisch" zu verringern. Genannt werden etwa die Stahlerzeugung, Teile der Chemieindustrie oder die Luft- und Schifffahrt sowie schwere Nutzfahrzeuge.

Mit dem Wasserstoff-Beschleunigungsgesetz sollen nun "schnelle, vereinfachte und abgestimmte Genehmigungsverfahren mit klaren Vorgaben und Fristen etabliert werden", heißt es im Gesetzentwurf. Im Fokus stehe dabei die Vereinfachung und Digitalisierung bei Planung, Genehmigung und Vergabe von Aufträgen für die Erzeugung, die Speicherung, den Transport und den Import von Wasserstoff.

Geplant sind auch Erleichterungen im Bundesbergbaugesetz, um die Gewinnung von natürlichem Wasserstoff zu erleichtern, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Natürlicher Wasserstoff, auch "goldener Wasserstoff" genannt, kommt laut der Universität Nürnberg wahrscheinlich in vielen Regionen in Deutschland vor - allerdings sei der "aktuelle Wissenstand sehr lückenhaft und von großen Unsicherheiten geprägt". Es sei noch unklar, wie Vorkommen erschlossen werden können.

Der BDEW hob nach dem Kabinettsbeschluss am Mittwoch hervor, dass Wasserstoff für das Erreichen der Klimaziele "ebenso unverzichtbar" sei wie für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Das Ziel des Gesetzes, Genehmigungsverfahren für Wasserstoffinfrastrukturen und -anlagen deutlich zu verkürzen, sei "ein wichtiger Schritt für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft".

Zugleich mahnte der Verband aber auch an, dass ein "verlässlicher finanzieller Rahmen erforderlich" sei. "Der aktuelle Haushaltsentwurf sendet jedoch mit Kürzungen bei der Wasserstoffförderung ein völlig falsches Signal", kritisierte BDEW-Chefin Kerstin Andreae. "Die Bundesregierung muss hier dringend nachsteuern, um Planungssicherheit, Investitionen und den Wasserstoffhochlauf nicht zu gefährden", forderte sie.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Trump drängt Selenskyj zu Abkommen mit Russland - Witkoff am Mittwoch bei Putin

US-Präsident Donald Trump hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erneut zu einer Friedenseinigung mit Russland gedrängt. Selenskyj müsse mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin "ein Abkommen schließen", sagte Trump am Dienstag in Washington. Dies sei auch in Selenskyjs eigenem Interesse. Trumps Sondergesandter Steve Witkoff reist nach seinem Gespräch mit Selenskyj in Oslo nach Russland weiter, wo er am Mittwoch Kreml-Chef Wladimir Putin treffen will.

Selenskyj: Kiew muss bei möglichem Ukraine-Gipfel von Putin, Trump und Xi dabei sein

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine Teilnahme seines Landes an einem möglichen Ukraine-Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping gefordert. Gespräche über die Zukunft der seines Landes seien "nur akzeptabel, wenn wir am Verhandlungstisch sitzen", sagte Selenskyj am Dienstag bei einem Besuch in der norwegischen Hauptstadt Oslo.

Selenskyj: Ukraine muss an möglichem Treffen von Putin, Trump und Xi teilnehmen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine Teilnahme seines Landes an einem möglichen Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping gefordert. Gespräche über die Zukunft der Ukraine seien "nur akzeptabel, wenn wir am Verhandlungstisch sitzen", sagte Selenskyj am Dienstag bei einem Besuch in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Das sei "absolut klar".

Kurz vor Stichwahl in Brasilien: Lula fordert Annullierung von Bolsonaros Kandidatur

Wenige Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien will Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva vor Gericht einen Ausschluss seines Herausforderers Flávio Bolsonaro erreichen. Lulas Wahlkampfteam werde vor dem Obersten Wahlgericht beantragen, dass Bolsonaros Kandidatur wegen mutmaßlicher Einflussnahme des US-Technologiekonzerns Meta zu seinen Gunsten annulliert wird, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag aus dem Umfeld des Präsidenten.

Textgröße ändern: