Deutsche Tageszeitung - EuGH-Gutachten: Unbefristetes Einreiseverbot für abgeschobene Gefährder rechtens

EuGH-Gutachten: Unbefristetes Einreiseverbot für abgeschobene Gefährder rechtens


EuGH-Gutachten: Unbefristetes Einreiseverbot für abgeschobene Gefährder rechtens
EuGH-Gutachten: Unbefristetes Einreiseverbot für abgeschobene Gefährder rechtens / Foto: © AFP/Archiv

Deutschland darf einem neuen Gutachten am Europäischen Gerichtshof (EuGH) zufolge ein unbefristetes Einreiseverbot gegen abgeschobene potenzielle Gefährder verhängen. Das EU-Recht stehe dieser Regelung im Aufenthaltsgesetz nicht entgegen, erklärte der zuständige Generalanwalt Jean Richard de la Tour am Donnerstag in Luxemburg in seinen Schlussanträgen. Es ging um den Fall eines Russen, der 2017 nach Russland abgeschoben wurde. (Az. C-446/24)

Textgröße ändern:

Nach den Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden bestand die Gefahr, dass er in Deutschland einen Terroranschlag begehen könnte. Er hatte zuvor mit Aufenthaltserlaubnis in Bremen gelebt. Der Bremer Innensenator erließ die Abschiebungsanordnung und ordnete ein unbefristetes Einreise- und Aufenthaltsverbot für Deutschland an. Dagegen geht der Russe vor deutschen Gerichten vor.

Nach deutschem Recht können Ausländer ohne vorhergehende Ausweisung abgeschoben werden, um eine Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik abzuwenden. Dann soll gegen sie in der Regel ein unbefristetes Einreise- und Aufenthaltsverbot erlassen werden. Das Oberverwaltungsgericht Bremen, wo der Fall inzwischen liegt, fragte den EuGH, ob die deutsche Regelung mit dem EU-Recht vereinbar ist.

Der Generalanwalt gab nun seine Einschätzung ab und sah keine Probleme in der deutschen Regelung. Dabei müssten allerdings die Umstände des Einzelfalls in den Blick genommen werden, erklärte er. Ein Urteil ist das noch nicht, die europäischen Richterinnen und Richter orientieren sich aber oft an der Einschätzung des jeweiligen Generalanwalts.

Ein Urteilstermin wurde noch nicht bekanntgegeben. Wenn der EuGH entschieden hat, muss das Bremer Gericht im Einzelfall urteilen. Es ist dabei an die Rechtsauffassung des EuGH gebunden. Der Generalanwalt wies darauf hin, dass auch andere EU-Staaten ein unbefristetes Einreiseverbot für Gefährder vorsehen, weitere Länder hätten dieses zeitlich begrenzt.

(U.Kabuchyn--DTZ)

Empfohlen

Schützenhilfe aus Washington: US-Vize Vance besucht Orban kurz vor Ungarn-Wahl

Wenige Tage vor der Parlamentswahl in Ungarn hat US-Vizepräsident JD Vance Ministerpräsident Viktor Orban in Budapest Schützenhilfe geleistet - und zugleich der Europäischen Union in scharfen Worten "Wahl-Einmischung" vorgeworfen. Mit seiner Visite wolle er "ein Zeichen an alle senden, besonders an die Bürokraten in Brüssel", sagte Vance am Dienstag in Budapest. Diese hätten "alles in ihrer Macht Stehende getan, um das ungarische Volk klein zu halten, weil sie den Regierungschef nicht mögen, der sich tatsächlich für das ungarische Volk einsetzt".

Vance: Vor Ablauf des US-Ultimatums laufen Gespräche mit dem Iran

Kurz vor Ablauf eines US-Ultimatums an den Iran wird es nach Angaben von US-Vizepräsident JD Vance noch Verhandlungen geben. Es werde "zahlreiche Gespräche" geben, sagte Vance am Dienstag bei einem Besuch in der ungarischen Hauptstadt Budapest.

Spanien: Korruptionsprozess gegen Ex-Verkehrsminister erschüttert Sozialisten

In Spanien erschüttert ein Korruptionsprozess die regierenden Sozialisten von Ministerpräsident Pedro Sánchez. Sánchez' ehemalige rechte Hand, Ex-Verkehrsminister José Luis Ábalos, muss sich seit Dienstag wegen Korruption vor Gericht verantworten. Dabei geht es vor allem um den Verdacht auf irreguläre Maskenlieferverträge während der Corona-Pandemie. Ábalos war maßgeblich am Aufstieg und Machterhalt von Sánchez beteiligt. Die Opposition fordert den Rücktritt des Regierungschefs, dessen Umfeld in mehrere Korruptionsaffären verstrickt ist.

Trump warnt vor Tod "einer gesamten Zivilisation" im Iran

US-Präsident Donald Trump hat kurz vor Ablauf seines Ultimatums an den Iran den Ton erneut verschärft. "Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und niemals wieder zum Leben erweckt werden", warnte er am Dienstag in seinem Onlinedienst Truth Social. "47 Jahre Erpressung, Korruption und Tod werden endlich zu Ende gehen", schrieb Trump in Anspielung auf die Islamische Revolution von 1979 weiter.

Textgröße ändern: