Deutsche Tageszeitung - Hoffnung auf Ende des Gaza-Kriegs: Israel und Hamas einigen sich auf Waffenruhe und Geiselfreilassung

Hoffnung auf Ende des Gaza-Kriegs: Israel und Hamas einigen sich auf Waffenruhe und Geiselfreilassung


Hoffnung auf Ende des Gaza-Kriegs: Israel und Hamas einigen sich auf Waffenruhe und Geiselfreilassung
Hoffnung auf Ende des Gaza-Kriegs: Israel und Hamas einigen sich auf Waffenruhe und Geiselfreilassung / Foto: © AFP

Nach der Einigung zwischen Israel und der Hamas ist ein Ende des Gaza-Kriegs so nah wie noch nie: Beide Seiten unterzeichneten am Donnerstag eine Vereinbarung, mit der die erste Phase eines Friedensplans von US-Präsident Donald Trump umgesetzt werden soll. Sie sieht neben einer Waffenruhe die Freilassung israelischer Geiseln und palästinensischer Häftlinge sowie Hilfslieferungen für die Menschen im Gazastreifen vor. International wurde die Einigung mit großer Erleichterung aufgenommen.

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Israel und die radikalislamische Hamas hatten seit Montag in Ägypten indirekte Gespräche über eine Waffenruhe im Gaza-Krieg geführt. In der Nacht zum Donnerstag verkündete Trump dann den Durchbruch in den Verhandlungen. Unterzeichnet wurde die Vereinbarung nach Angaben einer israelischen Regierungssprecherin am Vormittag in Ägypten.

Sowohl im Gazastreifen als auch in Israel reagierten die Menschen glücklich und erleichtert. "Wir beten zu Gott, dass der Krieg dieses Mal zu Ende geht", sagte Aiman al-Nadschar aus Chan Junis im Süden des Gazastreifens. "Wir haben 734 Tage auf diesen Tag gewartet", sagte Laurence Jizchak aus Tel Aviv.

Zwei Jahre nach dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 befinden sich noch immer 47 Geiseln in der Gewalt der Hamas. 25 von ihnen sind nach israelischen Angaben bereits tot. Nach Angaben aus Hamas-Kreisen sollen in der ersten Phase des Waffenruhe-Abkommens 20 lebende Geiseln freigelassen und im Gegenzug fast 2000 Palästinenser aus israelischer Haft entlassen werden.

Wann genau die Geiseln freigelassen werden, ist bisher unklar. Nach übereinstimmenden Angaben der Hamas und Israels soll die Freilassung binnen 72 Stunden nach Inkrafttreten des Abkommens erfolgen. Nach israelischen Angaben soll die Waffenruhe binnen 24 Stunden nach der formellen Zustimmung durch das Kabinett von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Kraft treten, die für Donnerstagabend erwartet wurde. Dann soll auch der 72-Stunden-Zeitraum für die Freilassung der Geiseln beginnen.

Trump sagte zunächst, er gehe von der Übergabe "aller" Geiseln am Montag aus. Dazu gehörten auch die sterblichen Überreste der Toten. Später sagte er dann, die Geiseln würden "Montag oder Dienstag" freigelassen. Nach Angaben des israelischen Präsidialamtes wird Trump am Sonntag in Israel erwartet. Trumps Sondergesandter Steve Witkoff kündigte zudem einen Besuch des US-Präsidenten in Ägypten in der kommende Woche an. Trump selbst sagte, er werde "versuchen", nach Ägypten zu reisen.

Die Einigung habe "den Krieg im Gazastreifen beendet", sagte Trump. Israels Außenminister Gideon Saar sagte, das Abkommen könne zu einem "Ende dieses Krieges" führen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erklärte, die Einigung könne der "Auftakt zu einer dauerhaften politischen Lösung" sein.

Nach Hamas-Angaben wurde auch vereinbart, dass in den ersten fünf Tagen der Waffenruhe täglich mindestens 400 Lastwagen mit Hilfsgütern in den Gazastreifen gelangen. Am Donnerstag machten sich nach Angaben der Hilfsorganisation Ägyptischer Roter Halbmond bereits mehr als 150 Lastwagen auf den Weg.

Die israelische Armee erklärte, sie habe mit "den operativen Vorbereitungen für die Umsetzung des Abkommens begonnen", um ihre Soldaten auf eine vereinbarte Linie zurückzuziehen. Nach Angaben der Hamas-Behörden im Gazastreifen flog Israel nach Bekanntgabe der Einigung in der Nacht aber noch mehrere Angriffe auf das Palästinensergebiet.

Nach Angaben aus Hamas-Kreisen sollen nun "umgehend" die Verhandlungen über die zweite Phase der Waffenruhe beginnen. Einige Knackpunkte sind dabei noch offen: Trumps 20-Punkte-Plan sieht unter anderem die Entwaffnung und politische Entmachtung der Hamas sowie eine Übergangsregierung für den Gazastreifen vor, die von einem internationalem Gremium mit Trump an der Spitze beaufsichtigt wird.

International wurde die Einigung trotz der vielen offenen Fragen einhellig begrüßt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte, die Entwicklung mache "Mut". Wichtig sei nun, dass die Geiseln wie vereinbart freikämen und "sich Israel dann aus dem Gazastreifen militärisch zum Teil zurückzieht". Auch UN-Generalsekretär António Guterres forderte alle Beteiligten auf, sich an die Einigung zu halten. "Die Kämpfe müssen ein für alle Mal beendet werden", forderte er. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sagte deutsche Hilfe für Krankenhäuser im Gazastreifen zu.

Ausgelöst worden war der Krieg im Gazastreifen durch den Überfall von Kämpfern der Hamas und mit ihr verbündeter Islamisten auf Israel am 7. Oktober 2023. Nach israelischen Angaben wurden dabei mehr als 1200 Menschen getötet. 251 Menschen wurden in den Gazastreifen verschleppt.

Seither geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, mehr als 67.180 Menschen getötet. Die humanitäre Lage in dem Palästinensergebiet ist katastrophal.

(V.Sørensen--DTZ)

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