Deutsche Tageszeitung - Proteste in Marokko: König ruft zu Reformen auf

Proteste in Marokko: König ruft zu Reformen auf


Proteste in Marokko: König ruft zu Reformen auf
Proteste in Marokko: König ruft zu Reformen auf / Foto: © AFP

Marokkos König Mohammed VI. hat angesichts anhaltender Proteste im Land zu Reformen aufgerufen. Priorität habe "die Schaffung von Arbeitsplätzen für junge Menschen und die konkrete Verbesserung des Bildungs- und Gesundheitswesens", sagte der Monarch am Freitag bei seiner jährlichen Rede zur Eröffnung des Parlaments in der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Die Rede war von den Demonstranten mit Spannung erwartet worden.

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In Marokko demonstrieren seit dem 27. September fast täglich zahlreiche Menschen für eine Verbesserung des Bildungs- und Gesundheitssystems sowie gegen die Korruption im Land. Viele Demonstranten fordern zudem einen Regierungswechsel, beginnend mit dem Rücktritt des Regierungschefs Aziz Akhannouch.

Den Anlass für die aktuelle Protestwelle hatten Mitte September Berichte über den Tod von acht schwangeren Frauen gegeben, die für einen Kaiserschnitt in ein staatliches Krankenhaus in Agadir eingeliefert worden waren. Die Vorfälle wurden als Beleg für Missstände in Marokkos Gesundheitssystem gewertet.

Zahlreiche Marokkanerinnen und Marokkaner äußern sich zudem frustriert über die Höhe staatlicher Ausgaben für Prestigeprojekte. Marokko treibt den Bau großer Infrastrukturprojekte voran, um sich auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 vorzubereiten, die es gemeinsam mit Portugal und Spanien ausrichten wird.

In seiner Rede plädierte König Mohammed VI. dafür, dass es "keinen Widerspruch oder Wettbewerb zwischen großen nationalen Projekten und Sozialprogrammen geben sollte".

Die marokkanische Regierung hatte am Donnerstag zum Dialog mit den Demonstranten aufgerufen. Die Botschaft der Proteste sei "angekommen", die Regierung werde "schnell arbeiten, um Ressourcen zu mobilisieren und Defizite zu beheben".

Die Protestbewegung GenZ 212, die zu den Demonstrationen aufgerufen hatte, lehnt nach eigenen Angaben jedweden gewaltsamen Protest ab. Es kam jedoch in mehreren Orten zu gewaltsamen Zusammenstößen. Im südmarokkanischen Lqliaa nahe der Stadt Agadir starben vergangene Woche drei Demonstrierende. Nach Regierungsangaben wurden sie von der Gendarmerie in Notwehr getötet, als Demonstranten versucht hätten, eine Wache zu stürmen.

(Y.Ignatiev--DTZ)

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