Deutsche Tageszeitung - Peru: Ausnahmezustand in Lima nach Protesten gegen Kriminalität

Peru: Ausnahmezustand in Lima nach Protesten gegen Kriminalität


Peru: Ausnahmezustand in Lima nach Protesten gegen Kriminalität
Peru: Ausnahmezustand in Lima nach Protesten gegen Kriminalität / Foto: © Peruvian Presidency/AFP

Nach massiven Protesten gegen die Regierung und gegen organisierte Kriminalität in Peru hat Übergangspräsident José Jerí den Ausnahmezustand verhängt. Der Ausnahmezustand gelte ab Mittwoch 30 Tage lang in der Metropolregion und der benachbarten Hafenstadt Callao, sagte Jerí am Dienstag (Ortszeit) in einer im staatlichen Fernsehen ausgestrahlten Ansprache. In Peru gibt es aus Unzufriedenheit mit Jerí und seiner Vorgängerin Dina Boluarte seit Wochen Proteste.

Textgröße ändern:

Von dem Ausnahmezustand sind in der Metropolregion von Lima rund zehn Millionen Menschen betroffen. Die Verhängung befugt die rechtsgerichtete Regierung, die Armee für Patrouillen auf die Straßen zu schicken und Rechte wie die Versammlungsfreiheit einzuschränken.

Mit dem Ausnahmezustand ist es zudem verboten, zu zweit auf einem Motorrad zu fahren, da Auftragsmörder oft auf diese Art und Weise unterwegs sind. Jerís Regierung hatte in der vergangenen Woche bereits angekündigt, den Ausnahmezustand auszurufen.

"Mitbürger, die Kriminalität ist in den vergangenen Jahren unverhältnismäßig gewachsen, was Tausenden von Familien großes Leid zugefügt und zudem den Fortschritt des Landes behindert hat", sagte Jerí in seiner Ansprache. "Doch damit ist jetzt Schluss, heute beginnen wir, die Geschichte im Kampf gegen die Unsicherheit in Peru zu ändern", fügte er hinzu.

Das Auswärtige Amt schrieb auf seiner Webseite, Menschen, die sich in Lima und Callao aufhielten, sollten sich in peruanischen Medien und über die Kanäle der Polizei über die Sicherheitslage informieren und sich von großen Menschenansammlung und Demonstrationen fernzuhalten. Wer vor Ort sei, solle den Anweisungen der peruanischen Behörden Folge leisten und nicht versuchen, Blockaden Demonstrierender zu überwinden. Zudem wurde empfohlen, sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts eintragen.

Aus Unzufriedenheit mit der instabilen politischen Lage, der grassierenden Gewalt, Entführungen, Erpressungen und Korruption gibt es in Peru seit Wochen Proteste, die vor allem von jungen Menschen getragen werden. Am vergangenen Donnerstag war eine Demonstration in der Nähe des Parlamentsgebäudes in Lima eskaliert. Ein Demonstrant wurde dabei getötet.

Die Polizei erklärte am vergangenen Donnerstag, dass vermutlich ein Beamter der Kriminalpolizei die Kugel abgefeuert habe, die den 32-jährigen als "Truvco" bekannten Rapper Eduardo Ruiz getötet hatte. Mindestens 113 Menschen, davon 84 Polizisten, seien zudem verletzt worden.

Peru durchlebt derzeit eine schwere politische Krise. Jerí ist seit 2016 der siebte Präsident. Sein Übergangsmandat gilt bis zum Juli 2026. Jerís unbeliebte Vorgängerin Dina Boluarte war vor knapp zwei Wochen vom Parlament abgesetzt worden. Kritiker machen sie für den Anstieg der Kriminalität verantwortlich.

Die Verhängung des Ausnahmezustands ist die erste tiefgreifende Maßnahme, die der Übergangsstaatschef zur Beruhigung der Lage eingeleitet hat. Die Gewalt der kriminellen Banden in Peru trifft auch den Transportsektor: Mindestens 47 Busfahrer wurden nach Gewerkschaftsangaben seit Januar von bewaffneten Angreifern getötet. Dahinter stecken meist Schutzgelderpressungen.

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

Spenden für sich selbst abgezweigt: Haftstrafe für führenden Coronaleugner bestätigt

Weil er etwa 700.000 Euro an Spenden für sich selbst behielt, muss ein ehemals führender Vertreter der Coronaleugner- und Impfgegnerszene ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigte das Urteil des Landgerichts Göttingen gegen Reiner Fuellmich größtenteils, wie er am Dienstag in Karlsruhe mitteilte. Der frühere Politiker der Kleinpartei Die Basis ist damit rechtskräftig zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten wegen Untreue verurteilt. (Az. 6 StR 359/25)

Israelische Siedler im Westjordanland greifen AFP-Journalisten an

Im Westjordanland haben israelische Siedler Journalisten der Nachrichtenagentur AFP angegriffen, als diese über einen Zusammenstoß zwischen israelischen Aktivisten und Siedlern berichten wollten. Das dreiköpfige AFP-Team hielt sich in der Ortschaft Dschannatah nahe Bethlehem auf, wo linksgerichtete Aktivisten von Siedlern angegriffenen Palästinensern einen Solidaritätsbesuche abstatteten.

US-Sanktionen gegen Partner des Iran: China will seine Interessen schützen

China hat sich gegen die Drohung der US-Regierung mit verschärften Wirtschaftssanktionen gegen den Iran und seine Handelspartner verwahrt. "China wird alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um seine eigenen Rechte und Interessen entschlossen zu schützen", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Lin Jian, am Dienstag in Peking. China ist der wichtigste Handelspartner des Iran. Seit Kriegsbeginn verhängte Washington mehrfach Sanktionen gegen chinesische Firmen wegen des Kaufs iranischen Öls.

"Bild": Finanzministerium präzisiert Pläne für Zuckersteuer

Das Bundesfinanzministerium hat einem Bericht der "Bild" zufolge erste konkrete Pläne für die innerhalb der Regierungskoalition vereinbarte Steuer für zuckerhaltige Getränke vorgelegt. Der Aufschlag soll 26 bis 38 Cent pro Liter betragen und sich in der Höhe nach dem Zuckergehalt richten, wie die Zeitung am Dienstag berichtete. Zudem soll die Abgabe demnach auch bei mit Süßstoff gesüßten Getränken zu 26 Cent pro Liter fällig werden.

Textgröße ändern: