Deutsche Tageszeitung - UNO: Mindestens 40 Zivilisten bei Kämpfen im Zentrum des Sudan getötet

UNO: Mindestens 40 Zivilisten bei Kämpfen im Zentrum des Sudan getötet


UNO: Mindestens 40 Zivilisten bei Kämpfen im Zentrum des Sudan getötet
UNO: Mindestens 40 Zivilisten bei Kämpfen im Zentrum des Sudan getötet / Foto: © AFP

Im Bürgerkriegsland Sudan weiten sich die Kämpfe zunehmend auf die rohstoffreiche Region Kordofan im Zentrum des Landes aus. Bei einem Angriff auf eine Beerdigung in der Stadt al-Obeid seien mindestens 40 Zivilisten getötet worden, teilte das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) am Mittwoch unter Berufung auf "örtliche Quellen" mit. Beobachter sehen die Gefahr, dass der Sudan am Ende faktisch aufgeteilt wird.

Textgröße ändern:

Zu den möglichen Verantwortlichen für die Attacke in Kordofan machte das Ocha zunächst keine Angaben. Im Sudan kämpfen die Armee von Militärherrscher Fattah al-Burhan und die Miliz Rapid Support Forces (RSF) seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo seit April 2023 um die Herrschaft in dem nordostafrikanischen Land. Am 26. Oktober nahm die RSF die Stadt al-Faschir ein und brachte so die letzte von acht Provinzhauptstädten in der westsudanesischen Region Darfur unter ihre Kontrolle.

In den vergangenen Tagen hatte die RSF einen Großangriff in der Region Kordofan vorbereitet, wobei insbesondere al-Obeid im Fokus. stand. Kordofan ist in einen Nord-, Süd- und Westteil gegliedert. Die strategisch wichtige Region, die zwischen Darfur und der Hauptstadt Khartum liegt, ist reich an Bodenschätzen.

Die Einnahme von al-Fasher durch die RSF hatte Befürchtungen befeuert, der Sudan könne faktisch in einen von ihr kontrollierten Ostteil und einen Westteil unter Kontrolle der Regierung aufgeteilt werden. Die RSF kontrolliert neben Darfur Teile des südlichen Sudan, die Armee hingegen Regionen im Norden, Osten und Zentrum des Landes entlang des Nils und an der Rotmeerküste.

Derzeit regiert die Armee den Sudan von der Hafenstadt Port Sudan aus, der ehemalige UN-Funktionär Kamil Idris hat seit Mai 2025 das Amt des Regierungschefs inne. Die RSF installierte in Nyala, der Hauptstadt von Süd-Darfur, eine Gegenregierung.

Nach der Einnahme durch die RSF sind aus al-Faschir nach UN-Angaben 65.000 Menschen geflohen, zehntausende weitere sind noch in der Stadt gefangen. Es gibt zahlreiche Augenzeugenberichte über Massenhinrichtungen, Vergewaltigungen und weitere Gräueltaten in der Stadt. Dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zufolge könnten diese Handlungen "Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Sinne des Römischen Statuts" sein.

Beide Konfliktparteien werden aus dem Ausland unterstützt. Als wichtigster Helfer der RSF gelten die Vereinigten Arabischen Emirate, UN-Berichte und öffentlich zugängliche Quellen belegen eine militärische Unterstützung. Als mit der Regierung im Sudan verbündet gelten hingegen die Türkei, der Iran, Ägypten, Russland und Saudi-Arabien.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Merz zu EU-Haushalt: "Von einer Einigung weit entfernt"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich mit Blick auf die EU-Haushaltsverhandlungen skeptisch gezeigt. "Wir brauchen Einstimmigkeit im Rat, und von dieser Einstimmigkeit sind wir weit entfernt", sagte Merz kurz vor Beginn des EU-Gipfels am Donnerstag in Brüssel. Angesichts der Forderungen mehrerer Staats- und Regierungschefs nach mehr Mitteln sagte der Kanzler, dies sehe er "dezidiert nicht, insbesondere nicht für Kohäsion und Agrarpolitik".

Paris: Europa trägt die Hauptlast bei der Unterstützung der Ukraine

Europa trägt nach den Worten des französischen Außenministers Jean-Noël Barrot die Hauptlast bei der Unterstützung der von Russland angegriffenen Ukraine. "Die Wahrheit ist, dass schon seit langer Zeit Europa den Großteil der Unterstützung für die Ukraine übernimmt sowie des Drucks auf Russland", sagte Barrot am Donnerstag im Sender France Inter. Kiew hatte sich am Vortag über eine verlangsamte Verbindung mit dem US-Satelliten-Kommunikationsdienst Starlink beklagt.

US-Tech-Unternehmer Musk: "Es ist Zeit für Selenskyj zu gehen"

Der US-Technologieunternehmer Elon Musk hat den Rückzug des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefordert. "Es ist Zeit für Selenskyj zu gehen", schrieb der Multimilliardär am Donnerstag in seinem Onlinedienst X. "Das Massaker geht weiter", schrieb Musk offensichtlich mit Blick auf den Ukraine-Krieg.

Neue vierspurige Straßenbrücke zwischen China und Nordkorea eröffnet

China und Nordkorea haben eine neue Straßenverbindung: Zwölf Jahre nach ihrer Fertigstellung ist am Donnerstag eine vierspurige Grenzbrücke über den Fluss Yalu freigegeben worden. Das Bauwerk symbolisiere Pekings Freundschaft mit Pjöngjang, sagte der chinesische Ministerpräsident Li Qiang, der per Videozuschaltung an der feierlichen Zeremonie teilnahm. China ist der wichtigste Handelspartner Nordkoreas und unterstützt das weitgehend isolierte Land wirtschaftlich und diplomatisch.

Textgröße ändern: