Deutsche Tageszeitung - Nach Schüssen auf Nationalgardisten setzen USA alle Asylentscheidungen aus

Nach Schüssen auf Nationalgardisten setzen USA alle Asylentscheidungen aus


Nach Schüssen auf Nationalgardisten setzen USA alle Asylentscheidungen aus
Nach Schüssen auf Nationalgardisten setzen USA alle Asylentscheidungen aus / Foto: © AFP

Nach dem Schusswaffenangriff auf zwei Nationalgardisten in Washington hat die US-Regierung vorerst sämtliche Asylverfahren gestoppt. Die Einwanderungsbehörde (USCIS) habe "alle Asylentscheidungen ausgesetzt, bis wir sicherstellen können, dass jeder Ausländer so gründlich wie möglich überprüft und kontrolliert wird", erklärte Behördenleiter Joseph Edlow am Freitag (Ortszeit). US-Außenminister Marco Rubio erklärte zudem, dass die USA vorübergehend die Ausstellung von Visa für alle Menschen mit afghanischem Pass eingestellt hätten.

Textgröße ändern:

Die USA hätten "keine höhere Priorität als den Schutz unserer Nation und unserer Bevölkerung", erklärte der US-Außenminister. Am Vortag hatte US-Präsident Donald Trump bereits angekündigt, "die Migration aus allen Dritte-Welt-Ländern dauerhaft" auszusetzen, "damit sich das US-System vollständig erholen kann".

Die Behörde USCIS hatte zudem angekündigt, die Inhaber von dauerhaften Aufenthaltsgenehmigungen aus 19 Ländern zu überprüfen. Behördenchef Edlow ordnete nach eigenen Angaben eine "umfassende, strenge Überprüfung jeder Green Card für jeden Ausländer aus jedem betroffenen Land" an.

Auf der Liste stehen Länder wie der Iran, Kuba, Venezuela, Haiti, Eritrea, Burundi, Tschad und Myanmar. Den jüngsten Erhebungen von USCIS zufolge stammen mehr als 1,6 Millionen Inhaber einer Green Card aus einem der 19 Länder. 116.000 von ihnen stammen aus Afghanistan.

Am Mittwoch waren zwei Nationalgardisten im Zentrum der US-Hauptstadt durch Schüsse schwer verletzt worden, später starb eine 20-jährige Nationalgardistin. Der mutmaßliche Angreifer, ein 29-jähriger Afghane, wurde festgenommen. Sein Motiv war weiter unklar. Er soll wegen Mordes angeklagt werden, US-Justizministerin Pam Bondi will nach eigenen Angaben die Todesstrafe für ihn fordern.

Der Schusswaffenangriff führt drei politisch brisante Themen zusammen: Trumps umstrittenen Einsatz von US-Soldaten im eigenen Land, Einwanderung und die Folgen des 20-jährigen Konflikts in Afghanistan.

Der Tatverdächtige war laut US-Medienberichten im Jahr 2021 nach dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan im Rahmen eines offiziellen Programms in die USA eingereist, nachdem er in seiner Heimat mit dem US-Auslandsgeheimdienst CIA und weiteren Regierungsstellen zusammengearbeitet hatte. Demnach gehörte er den "Zero Units" an, einer Gruppe afghanischer Paramilitärs. Diese Einheiten waren für Einsätze gegen die radikalislamischen Taliban, das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat zuständig.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch handelten die Einheiten außerhalb der üblichen Befehlskette, wurden aber "zum Großteil von der CIA rekrutiert, ausgebildet, ausgerüstet und beaufsichtigt". Ein Diplomat bezeichnete sie als "Todesschwardonen".

Die Zeitung "New York Times" zitierte einen Kindheitsfreund des Tatverdächtigen, der berichtete, die Einsätze bei den Einheiten hätten diesen psychologisch sehr belastet.

"Seine Vorgeschichte ist mehrfach überprüft worden", betonte Shawan VanDiver, ehemaliger US-Militär und Leiter der Nichtregierungsorganisaiton AfghanEvac.

Nach jahrelanger westlicher Militärpräsenz hatten die Taliban im August 2021 die Macht in Afghanistan zurückerobert und dort ein sogenanntes Emirat ausgerufen. Insgesamt reisten nach Angaben des US-Außenministeriums seitdem 190.000 afghanische Staatsbürger in die Vereinigten Staaten ein.

Nach Behördenangaben lebte der mutmaßliche Täter vor dem Schusswaffenangriff mit seiner Familie im nordwestlichen US-Bundesstaat Washington, bevor er quer durch das Land in die Hauptstadt Washington fuhr.

Berichten zufolge beantragte er 2024 Asyl in den USA, was ihm im April 2025 gewährt worden sei, also bereits während der Amtszeit Trumps.

Ende Oktober hatte die US-Regierung bereits die Aufnahme von Flüchtlingen massiv eingeschränkt. Rückwirkend ab dem 1. Oktober sollen nur noch bis zu 7500 Geflüchtete in den Vereinigten Staaten aufgenommen werden. Unter Trumps demokratischem Amtsvorgänger Joe Biden waren es pro Jahr mehr als 100.000 gewesen.

(W.Budayev--DTZ)

Empfohlen

Trump erklärt Iran-Waffenruhe für beendet und kündigt neue US-Angriffe in der Nacht an

US-Präsident Donald Trump hat die Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärt und neue Angriffe angekündigt. "Wir werden sie heute Nacht richtig hart treffen", sagte Trump am Mittwoch beim Nato-Gipfel in Ankara. "Sie verletzen das Abkommen jeden Tag", betonte der US-Präsident mit Blick auf die Führung in Teheran und das Mitte Juni geschlossene US-iranische Abkommen für eine Friedenslösung. Auslöser für die neue Eskalation waren Angriffe auf Schiffe in der Gegend der Straße von Hormus, für die Washington Teheran verantwortlich macht.

Merz nach Nato-Gipfel: "Trittbrettfahrerei der Europäer ist vorbei"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat den Nato-Gipfel in Ankara als Wendepunkt in der Geschichte des Bündnisses wahrgenommen. "Die Trittbrettfahrerei der Europäer ist vorbei", sagte Merz nach dem Treffen am Mittwoch mit Verweis auf die höheren Verteidigungsausgaben der europäischen Nato-Länder. Die Allianz sei nach dem Gipfel in der Türkei "europäischer denn je", fügte er hinzu.

Gewalt gegen Demonstrant bei Hamburger G20-Gipfel 2017: Geldstrafen für Polizisten

Wegen Gewalt im Einsatz beim G20-Gipfel in Hamburg 2017 sind drei Polizisten von einem Amtsgericht der Hansestadt zu Geldstrafen verurteilt worden. Da das Verfahren ohne ihre Schuld zu lange dauerte, gelten die Strafen aber schon als vollstreckt, wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch mitteilte. Besonders strafmildernd wirkte sich demnach aus, dass zwei der Polizisten die Schläge zugegeben und sich dafür entschuldigt hatten.

Trump: USA werden der Ukraine den Bau von Patriot-Raketen erlauben

Die USA werden der Ukraine nach Angaben von Präsident Donald Trump die Erlaubnis zum Bau von Patriot-Luftabwehrraketen erteilen. "Eines der Themen, über die wir heute wohl sprechen werden (...), ist die Tatsache, dass wir ihnen das Recht geben werden, Patriots herzustellen", sagte Trump am Mittwoch bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. "Wir werden ihnen zeigen, wie es geht", fügte Trump an.

Textgröße ändern: