Deutsche Tageszeitung - Kreise: Erstes Treffen zwischen Vertretern Israels und des Libanon

Kreise: Erstes Treffen zwischen Vertretern Israels und des Libanon


Kreise: Erstes Treffen zwischen Vertretern Israels und des Libanon
Kreise: Erstes Treffen zwischen Vertretern Israels und des Libanon / Foto: © AFP/Archiv

Ein Jahr nach Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel im Libanon sind Vertreter Israels und des Libanon erstmals zu offiziellen Gesprächen zusammenkommen. Das Treffen sei "im Gange", erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch aus mit den Gesprächen vertrauten Kreisen. Die USA erhoffen sich von den direkten Gesprächen eine Stabilisierung der Region und eine weitere Schwächung der vom Iran unterstützten Hisbollah.

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Das Büro von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu nannte das Treffen einen "ersten Versuch, eine Grundlage für Beziehungen und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Israel und dem Libanon zu schaffen". Netanjahu habe den amtierenden Direktor des Nationalen Sicherheitsrates angewiesen, "in seinem Namen einen Vertreter zu einem Treffen mit Regierungs- und Wirtschaftsvertretern im Libanon zu entsenden", erklärte sein Büro am Mittwoch.

Der Libanon hatte sich zuvor unter Vermittlung der USA zu Gesprächen mit Israel bereit erklärt. Bislang unterhalten beide Nachbarländer keine formalen diplomatischen Beziehungen. Offiziell erkennt der Libanon Israel nicht an.

Präsident Joseph Aoun habe beschlossen, den ehemaligen Botschafter Simon Karam zum Leiter der libanesischen Delegation zu ernennen, sagte seine Sprecherin Nadschat Charafeddine. Die Entscheidung sei auf eine Bitte der USA erfolgt und "nachdem bekannt wurde, dass Israel zugestimmt hat, ein ziviles Mitglied in seine Delegation aufzunehmen", fügte sie hinzu.

Laut den mit den Gesprächen vertrauten Kreisen fanden die Gespräche im Hauptquartier der UN-Mission Unifil in Nakura im Südlibanon an der Grenze zu Israel statt. An dem Treffen nahm auch die US-Sonderbeauftragte für den Libanon, Morgan Ortagus, teil. Am Vortag hatte sie in Jerusalem den israelischen Außenminister Gideon Saar zu Gesprächen getroffen. Israelischen Medien zufolge traf sie auch mit Ministerpräsident Netanjahu zusammen.

Nach dem Treffen mit Ortagus hatte Saar am Dienstag im Onlinedienst X erklärt, er habe ihr gesagt, "dass es die Hisbollah ist, die die Souveränität des Libanon verletzt". "Die Entwaffnung der Hisbollah ist entscheidend für die Zukunft des Libanon und die Sicherheit Israels", fügte er hinzu.

Nach dem Überfall der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 war auch der Konflikt zwischen Israel und der mit der Hamas verbündeten und im Libanon einflussreichen Hisbollah im Libanon eskaliert. Seit November 2024 gilt eine Waffenruhe. Beide Seiten werfen sich jedoch gegenseitig immer wieder Verstöße gegen die Feuerpause vor.

Die USA haben den Druck auf Beirut erhöht, die Hisbollah zu entwaffnen. Die pro-iranische Miliz lehnt ihre Entwaffnung strikt ab. Israel macht die Entwaffnung der Hisbollah jedoch zur Bedingung für ein Ende seiner Angriffe.

Die Regierung in Beirut hatte die libanesische Armee angewiesen, bis Ende des Jahres die militärische Infrastruktur der Hisbollah südlich des Litani-Flusses zu zerstören und die Hisbollah anschließend auch im Rest des Landes zu entwaffnen. Aus Israels Sicht setzt die libanesische Armee das Vorhaben jedoch nur unzureichend um.

Wegen der Befürchtung, dass die Miliz ihre militärischen Fähigkeiten wieder aufbauen könnte, hat Israel daher zuletzt seine Angriffe auf Hisbollah-Ziele intensiviert. Der israelische öffentlich-rechtliche Sender KAN berichtete am Dienstag, dass sich Israel auf eine "erhebliche Eskalation" mit der Hisbollah vorbereite, die trotz der Bemühungen Washingtons als "unvermeidlich" gelte.

Am Jahrestag des Waffenruhe-Abkommens erklärte die israelische Armee, sie habe seit Inkrafttreten der Feuerpause vor einem Jahr bei gezielten Aktionen "mehr als 370 Terroristen" der Hisbollah, der Hamas und weiterer militanter Palästinensergruppen "eliminiert".

Netanjahu hatte in den vergangenen Monaten immer wieder den Abschluss weiterer Friedensabkommen im Zuge der sogenannten Abraham-Abkommen ins Spiel gebracht. Mit diesen Abkommen, die US-Präsident Donald Trump während seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht hatte, normalisierten die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und der Sudan ihre Beziehungen zu Israel. Andere Länder wie Saudi-Arabien und Israels Nachbarn Syrien und Libanon sind diesen Schritt bislang nicht gegangen.

(U.Kabuchyn--DTZ)

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