Deutsche Tageszeitung - Krankenkasse muss Begleitung von diabeteskrankem Kind in Schule bezahlen

Krankenkasse muss Begleitung von diabeteskrankem Kind in Schule bezahlen


Krankenkasse muss Begleitung von diabeteskrankem Kind in Schule bezahlen
Krankenkasse muss Begleitung von diabeteskrankem Kind in Schule bezahlen / Foto: © GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv

Eine Krankenkasse muss die medizinische Betreuung eines diabeteskranken Kinds aus Hessen während der Schulzeit bezahlen. Sie muss dazu eine kontinuierliche Beobachtung des Blutzuckerverlaufs an Schultagen bis zu acht Stunden täglich gewähren, wie das Sozialgericht Frankfurt am Main am Dienstag mitteilte. (Az.: S 14 KR 445/25).

Textgröße ändern:

In dem Prozess ging es um die Frage, ob die Krankenkasse oder die Stadt für die Bezahlung einer Schulbegleitung zuständig ist. Der Achtjährige leidet an Diabetes Typ I und ist in der zweiten Grundschulklasse. Da sein Blutzuckerverlauf eine ständige Überwachung und gegebenenfalls ein Einschreiten erfordert, zu dem er wegen seines Alters noch nicht in der Lage ist, hatte er schon im ersten Schuljahr eine Schulbegleitung. Das Kind beantragte, diese Begleitung im zweiten Schuljahr fortzusetzen.

Die Krankenkasse gewährte aber nur eine häusliche Krankenpflege, bei der dreimal am Tag Insulin gespritzt wird, und leitete den Antrag für die Schulbegleitung an die Stadt weiter. Diese lehnte ab und sah die Krankenkasse in der Verantwortung.

Das Sozialgericht verpflichtete nun die Krankenkasse, für die Krankenpflege während der Schulzeit aufzukommen. Die von ihr bewilligten drei täglichen Blutzuckermessungen reichten nicht aus, entschieden die Richter. Der Achtjährige braucht demnach bei einer drohenden Über- oder Unterzuckerung Hilfe, zu der er selbst noch nicht in der Lage ist.

Wegen des Schulbesuchs ist die Anpassung der Insulingabe zu unregelmäßigen Zeiten nötig. Es besteht die Gefahr von gesundheitlichen Komplikationen, weswegen der Achtjährige engmaschig beobachtet werden muss.

Die Stadt ist hingegen nicht verpflichtet, für die medizinische Schulbegleitung aufzukommen. Es handelt sich nicht um eine Leistung der Eingliederungshilfe als Hilfe zur angemessenen Schulbildung. Die Begleitung dient nicht der Bewältigung der Anforderungen des Schulalltags.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Kassenbeiträge auf alle Einkommensarten: Widerstand in Union gegen SPD-Vorschlag

In der Koalition ist neuer Streit um die Finanzierung des Gesundheitssystems entbrannt. Die Union lehnte den SPD-Vorschlag einer Abgabe auf Miet- und Kapitaleinkünfte zur Stabilisierung der Kranken- und Pflegeversicherung am Montag ab. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sprach sich im "Handelsblatt" stattdessen dafür aus, so genannte beitragsfremde Leistungen aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren. Die SPD-Spitze verteidigte unterdessen ihre Pläne für Beiträge auf alle Einkommensarten.

Israels Präsident in Sydney: Polizei setzt Pfefferspray gegen Demonstranten ein

Bei dem Besuch des israelischen Präsidenten Isaac Herzog in Australien knapp zwei Monate nach dem tödlichen Anschlag in Sydney ist es am Montag zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und pro-palästinensischen Demonstrierenden gekommen. In Sydney setzte die Polizei Pfefferspray gegen Demonstranten und Medienvertreter ein. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP beobachtete, dass mindestens 15 Demonstranten festgenommen wurden und sich Handgemenge mit Polizisten lieferten. In Sydney wie in Melbourne demonstrierten zahlreiche Menschen gegen das israelische Vorgehen in den Palästinensergebieten.

Nach Wahlsieg: Thailändischer Regierungschef bereitet sich auf Koalitionsverhandlungen vor

Nach dem überraschend deutlichen Sieg seiner Partei bei der Parlamentswahl in Thailand bereitet sich der bisherige konservative Regierungschef Anutin Charnvirakul auf Koalitionsverhandlungen vor. Anutin sagte am Montag vor Journalisten, er sei "sehr stolz" auf das Ergebnis, bei dem seine Partei laut örtlichen Medien auf fast 200 der 500 Sitze kam und die Zahl ihrer Abgeordneten verdoppeln konnte. Der 59-jährige Konservative war auf einer Welle des Nationalismus zum Sieg getragen worden.

Machado: Venezolanischer Oppositioneller kurz nach Freilassung verschleppt

Kurze Zeit nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis ist der venezolanische Oppositionelle Juan Pablo Guanipa nach Angaben der venezolanischen Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado von "schwer bewaffneten Männern" verschleppt worden. Die Staatsanwaltschaft teilte am Montag mit, Guanipa sei wegen Verstoßes gegen die Auflagen seiner Freilassung festgenommen worden. Guanipa war ebenso wie zwei weitere Oppositionelle am Sonntag aus dem Gefängnis entlassen worden.

Textgröße ändern: