Deutsche Tageszeitung - Filmemacher und Schwulenaktivist Rosa von Praunheim gestorben

Filmemacher und Schwulenaktivist Rosa von Praunheim gestorben


Filmemacher und Schwulenaktivist Rosa von Praunheim gestorben
Filmemacher und Schwulenaktivist Rosa von Praunheim gestorben / Foto: © AFP/Archiv

Der Regisseur und Schwulenaktivist Rosa von Praunheim ist tot. Der Filmemacher starb im Alter von 83 Jahren in Berlin, wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg am Mittwoch unter Berufung auf dessen engsten Freundeskreis berichtete. Auch der "Stern" und der "Tagesspiegel" meldeten den Tod. Von Praunheim, der mit bürgerlichem Namen Holger Radtke hieß, drehte mehr als 150 Filme und war Wegbereiter der Schwulenbewegung in Deutschland.

Textgröße ändern:

Anfang der 70er Jahre sorgte von Praunheim mit der Filmdokumentation "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" erstmals für größeres Aufsehen. Sie löste eine breite öffentliche Diskussion über das damals weitgehend verdrängte Thema Homosexualität aus. Auch sein Streifen "Die Bettwurst" von 1971 gilt als Kultfilm.

Es folgten zahlreiche weitere Spielfilme und Dokumentationen, zudem war von Praunheim als Buchautor tätig. Er setzte sich unter anderem mit der seit den 1980er Jahre weltweit grassierenden Aids-Epidemie auseinander und engagierte sich gegen die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit.

Zudem drehte er Filme über Menschen wie den Schlagersänger Rex Gildo, schwule Nazis, einen früheren Zuhälter, den Transvestiten Charlotte von Mahlsdorf oder den Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder. Wenige Tage vor seinem Tod heiratete von Praunheim in Berlin seinen langjährigen Lebensgefährten Oliver Sechting, wie beide über das soziale Netzwerk Instagram bekanntgaben.

Geboren wurde von Praunheim 1942 im damals von NS-Deutschland besetzten Riga, er wuchs in Berlin und in Frankfurt am Main auf. Der Frankfurter Stadtteil Praunheim inspirierte ihn auch zu seinem Künstlernamen, den er seit den 60er Jahren nutzte. Dort lebte er mit seiner Familie.

Hessens Kulturminister Timon Gremmels (SPD) würdigte von Praunheim als "unbeirrbare Stimme" und "einen Pionier des queeren Films". Er habe "provoziert, aufgeklärt und Mut gemacht, dort Haltung zu zeigen, wo Schweigen bequemer gewesen wäre", erklärte Gremmels in Wiesbaden zum Tod des Filmemachers. "Sein Werk war radikal, politisch und zutiefst menschlich, aber auch streitbar."

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

Trump: Ausgang der Iran-Verhandlungen in Pakistan macht "keinen Unterschied"

US-Präsident Donald Trump hat die Bedeutung der Friedensgespräche mit dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad kleingeredet. "Ob wir einen Deal machen oder nicht, macht für mich keinen Unterschied", sagt Trump am Samstag am Weißen Haus zu Journalisten. "Der Grund ist, dass wir gewonnen haben."

Netanjahu: Wir haben Irans Atom- und Raketenprogramm zerstört - Erneut Demo in Tel Aviv

Israel und die USA haben nach Worten des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu bei ihren Angriffen auf den Iran das Atom- und Raketenprogramm des Landes zerstört. "Es ist uns gelungen, Irans Atomprogramm und sein Raketenprogramm zu zerschlagen", sagte Netanjahu am Samstagabend in einer Fernsehansprache. Der Iran verfüge inzwischen über "keine funktionierende Urananreicherungsanlage" mehr.

Kiew und Moskau werfen sich gegenseitig Verstöße gegen Oster-Feuerpause vor

Die Ukraine und Russland werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die von ihnen vereinbarte Feuerpause zum orthodoxen Osterfest vor. Die russischen Truppen hätten innerhalb weniger Stunden nach Inkrafttreten der Feuerpause bereits hunderte Male dagegen verstoßen, erklärte die ukrainische Armee am Samstagabend. Russland wiederum warf der ukrainischen Armee einen Drohnenangriff auf eine Tankstelle in der Region Kursk vor, bei dem unter anderem ein Baby verletzt worden sei.

Mehr als 200 Festnahmen bei pro-palästinensischer Demonstration in London

In London sind bei einer pro-palästinensischen Kundgebung mehr als 200 Menschen festgenommen worden. Die Polizei gab am Samstagabend im Onlinedienst X die Festnahme von 212 Menschen bekannt - "im Alter von 27 bis 82 Jahren". Mehrere hundert Menschen hatten sich zuvor auf dem Trafalger Square im Zentrum der britischen Hauptstadt zu einem stillen Protest versammelt, um die Aufhebung des Verbots der Gruppe "Palestine Action" zu fordern.

Textgröße ändern: