Deutsche Tageszeitung - Europaabgeordnete stimmen für Verschärfung der europäischen Asylpolitik

Europaabgeordnete stimmen für Verschärfung der europäischen Asylpolitik


Europaabgeordnete stimmen für Verschärfung der europäischen Asylpolitik
Europaabgeordnete stimmen für Verschärfung der europäischen Asylpolitik / Foto: © AFP

Das Europäische Parlament hat mit der Unterstützung eines Bündnisses aus rechten und ultrarechten Abgeordneten zwei wegweisende Texte zur Verschärfung der Migrationspolitik in Europa verabschiedet. Die von den Europaabgeordneten am Mittwoch beschlossenen Maßnahmen würden es insbesondere ermöglichen, Asylbewerber auch in Länder zurückzuschicken, bei denen es sich nicht um ihre Herkunftsländer handelt, die aber von Europa als "sicher" eingestuft werden.

Textgröße ändern:

Die Texte seien "ein Weihnachtsgeschenk für Giorgia Meloni", kritisierte der linksgerichtete Abgeordnete Damien Carême mit Blick auf Italiens Regierungschefin und deren Pläne, Zentren für Asylbewerber in Albanien zu errichten, die jedoch auf rechtliche Hindernisse gestoßen waren.

Nichtregierungsorganisationen lehnen Melonis Vorschlag ab, da sie sich um die Behandlung der Asylbewerber in diesen Drittländern sorgen. Die Europäische Kommission weist diese Kritik zurück und versichert, dass die Drittländer, in welche die Asylbewerber geschickt würden, die Grundrechte achten müssen.

"Dieser Text zielt nicht darauf ab, unser Asylsystem zu verbessern, stattdessen werden wir Menschen in Länder zurückschicken, zu denen sie keinerlei Verbindung haben, ohne ihre Anträge zu prüfen", kritisierte die Abgeordnete der zentristischen Fraktion Renew Europe, Fabienne Keller.

Weiterhin sehen die vom Parlament verabschiedeten Texte die Erstellung einer Liste von Ländern vor, welche die EU als "sicher" einstuft. Zu diesen Staaten sollen etwa das Kosovo, Bangladesch, Kolumbien, Ägypten, Indien, Marokko und Tunesien zählen. Die Asylmöglichkeit für Angehörige dieser Staaten wird dadurch eingeschränkt. Die Bearbeitung ihrer Asylanträge sowie gegebenenfalls ihre Rückführung soll hingegen beschleunigt werden.

Die Maßnahmen seien wichtig, um "den unerträglichen Druck durch unbegründete Asylanträge zu verringern, der auf unseren Mitgliedstaaten lastet", argumentierte der Europaabgeordnete Fabrice Leggeri von der Fraktion Patrioten für Europa, der unter anderem die rechtspopulistische französische Partei Rassemblement National (RN) und die rechtsnationalistische ungarische Regierungspartei Fidesz angehören, im Plenarsaal.

Seine Fraktion hatte sich am Mittwoch mit Abgeordneten von Mitte-Rechts-Parteien zusammengetan, um die Texte zu bestätigen, die bereits in der vergangenen Woche von den Mitgliedstaaten gebilligt worden waren. Sie könnten noch am Mittwochabend bei Verhandlungen zwischen Europaabgeordneten und Mitgliedstaaten endgültig beschlossen werden, wie die Nachrichtenagentur AFP aus mehreren Quellen erfuhr.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

CDU-Arbeitnehmerschaft: Union und SPD sollen Pläne zu Krankschreibung zurücknehmen

Die CDU-Arbeitnehmerschaft CDA hat Union und SPD aufgerufen, ihre umstrittenen Pläne für eine Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag umgehend zurückzunehmen. "Es gibt einen Riesen-Unmut darüber. Die Koalition muss dieses völlig unnötige Thema schnell abräumen", forderte der stellvertretende CDA-Vorsitzende Christian Bäumler im Berliner "Tagesspiegel" laut Mitteilung vom Montag. Viele Menschen seien "entsetzt" über den Beschluss der Koalitionsspitzen dazu aus der vergangenen Woche.

Ex-Vizekanzler Habeck fängt als Berater bei dänischer Immobiliengesellschaft an

Der Grünen-Politiker und frühere Vizekanzler Robert Habeck fängt als Berater bei der dänischen Immobilieninvestmentgesellschaft Urban Partners an. Der Ex-Bundeswirtschaftsminister werde "ab dem 1. August 2026 als Senior Advisor" tätig sein, teilte das Unternehmen mit Hauptsitz in Kopenhagen am Montag mit. Habeck werde "die Strategie des Unternehmens speziell für die nachhaltige, klimaneutrale und soziale Entwicklung von Städten stärken". Dabei gehe es auch um die "Schaffung dringend benötigten Wohnraums".

Verbände wenden sich gegen weitere Kürzungen bei Entwicklungshilfe

Hilfsorganisationen und Verbände wenden sich gegen Pläne der Bundesregierung, die Mittel für die Entwicklungshilfe weiter zu kürzen. Vor "dramatischen Folgen" derartiger Einschnitte warnte am Montag in Berlin der entwicklungspolitische Dachverband Venro. Aufgrund weltweiter Kürzungen könnten bis 2030 mehr als 9,4 Millionen Menschen zusätzlich an den Folgen von Armut, Hunger, Krankheiten und Klimawandel sterben, verwies Venro auf eine Studie im Fachjournal "The Lancet".

Eigentümer von frei betretbarem Grundstück muss fremden Abfall nicht beseitigen

Der Eigentümer eines frei zugänglichen Grundstücks muss keinen Abfall beseitigen, den andere dort verbotenermaßen gelagert haben. Das gilt auch für öffentlich-rechtliche Grundstückseigentümer, wie das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig nach Angaben vom Montag entschied. Es ging um ein Waldstück. (Az. 10 C 7.24)

Textgröße ändern: